Demonstranten halten ein Transparent mit der Aufschrift "Wir sind das Volk". © dpa Foto: Christoph Schmidt

Quiz: Wie stehen die Deutschen zur Demokratie?

Stand: 07.09.2021 18:00 Uhr

Wie gefestigt ist die Demokratie in Deutschland? Dieser Frage geht der NDR in einem Themenschwerpunkt nach. Die Robert Bosch Stiftung hat 2021 dazu eine repräsentative Studie herausgegeben, mit dem Ziel, mehr über die Einstellung der Menschen zur Demokratie zu erfahren.

In der Untersuchung geht es nicht nur darum, ob die Deutschen sich mehrheitlich zur Demokratie bekennen, sondern vor allem, was sie unter dieser Staatsform verstehen und wie sie ihre eigene Rolle in diesem politischen System sehen. Was denkt die Mehrheit in diesem Land über Volksentscheide, Meinungsfreiheit und die eigenen Einflussmöglichkeiten? Schätzen Sie Ihre Landsleute ein, und finden Sie es anhand der folgenden zehn Fragen heraus.

Für wie viel Prozent der Deutschen ist es wichtig in einer Demokratie zu leben?

Das stimmt. Die Untersuchung hat ergeben, dass das Prinzip der Demokratie in Deutschland nicht umstritten ist. Politische Kräfte, die offen mit der Abschaffung der Demokratie werben, würden mit dieser Forderung kaum Rückhalt finden. Aber die Untersuchung zeigt auch, dass es - trotz der großen Zustimmung - durchaus eine Anzahl von Menschen gibt, die nicht immun gegen autoritäre Versuchungen sind.

Das wäre schon ein respektabler Wert. Aber tatsächlich ist es sogar 94 Prozent der Befragten wichtig. Das Prinzip der Demokratie ist in Deutschland also nicht umstritten. Politische Kräfte, die offen mit der Abschaffung der Demokratie werben, würden mit dieser Forderung kaum Rückhalt finden. Aber die Untersuchung zeigt auch, dass es - trotz der großen Zustimmung - durchaus eine Anzahl von Menschen gibt, die nicht immun gegen autoritäre Versuchungen sind.

Nein, es sind weit mehr. 94 Prozent der Befragten gaben an, es sei ihnen wichtig, in einer Demokratie zu leben. Das Prinzip der Demokratie ist in Deutschland also nicht umstritten. Politische Kräfte, die offen mit der Abschaffung der Demokratie werben, würden mit dieser Forderung kaum Rückhalt finden. Aber die Untersuchung zeigt auch, dass es - trotz der großen Zustimmung - durchaus eine Anzahl von Menschen gibt, die nicht immun gegen autoritäre Versuchungen sind.

Das Stichwort "starke Führung" klingt für die einen autoritär und antidemokratisch, für die anderen nach Durchsetzungsstärke und Effizienz.

Für wie viel Prozent der Deutschen ist eine starke Führung in einer Demokratie sehr wichtig?

Tatsächlich sind es deutlich mehr. 21 Prozent der Befragten wünschen sich eine starke Führung, die im Notfall ungehindert handeln kann. Das klare Ja zur Demokratie beantwortet noch nicht die Frage, was diese Staatsform für die Menschen eigentlich bedeutet.

Tatsächlich sind es noch etwas mehr. 21 Prozent der Befragten wünschen sich eine starke Führung, die im Notfall ungehindert handeln kann. Das klare Ja zur Demokratie beantwortet noch nicht die Frage, was diese Staatsform für die Menschen eigentlich bedeutet.

Ganz genau. 21 Prozent der Befragten wünschen sich eine starke Führung, die im Notfall ungehindert handeln kann. Das klare Ja zur Demokratie beantwortet noch nicht die Frage, was diese Staatsform für die Menschen eigentlich bedeutet.

Das Wort "Demokratie" stammt aus dem alten Griechenland und heißt übersetzt "Herrschaft des Volkes". Diese Definition war damals allerdings mit Vorsicht zu genießen. Denn zum "Volk" gehörten in der griechischen Antike ausschließlich Männer eines gewissen Standes - mitunter nur zehn Prozent der Gesamtbevölkerung. Heute versucht unser politisches System möglichst alle miteinzubeziehen. Zum Wesen der Demokratie und wem sie dienen soll, gibt es aber auch heute noch sehr gegensätzliche Auffassungen.

Was meinen Sie, wofür ist die Mehrheit der Deutschen?

Bei dieser Frage sind die Menschen in Deutschland gespalten. Eine starke Minderheit von 44 Prozent spricht sich dafür aus, dass der "Wille des Volkes" umgesetzt werden muss. Wobei sich die Frage stellt, was das eigentlich ist. Der Wille einer Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger? Oder auch nur der größten Teilgruppe, die weniger als die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger ausmacht? Eine relativ knappe Mehrheit von 56 Prozent findet, dass es Aufgabe der Politiker in einem demokratischen System ist, unterschiedliche Interessen zum Ausgleich zu bringen.

Bei dieser Frage sind die Menschen in Deutschland gespalten. Eine starke Minderheit von 44 Prozent spricht sich dafür aus, dass der "Wille des Volkes" umgesetzt werden muss. Wobei sich die Frage stellt, was das eigentlich ist. Der Wille einer Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger? Oder auch nur der größten Teilgruppe, die weniger als die Hälfte der Bürgerinnen und Bürger ausmacht? Eine relativ knappe Mehrheit von 56 Prozent findet, dass es Aufgabe der Politiker in einem demokratischen System ist, unterschiedliche Interessen zum Ausgleich zu bringen.

Kann man es demokratisch nennen, wenn eine Partei die Stimmenmehrheit erringt, deren Ziel die Abschaffung der Demokratie ist? Schließlich besiegelten die Wahlsiege der NSDAP Anfang der 1930er-Jahre den Untergang der Weimarer Republik, der ersten Demokratie auf deutschem Boden. Unabhängig von diesem historischen Kontext fragten die Meinungsforscher für die aktuelle Umfrage nach der Zustimmung für dieses Statement:

"Auch eine von vielen Menschen gewählte Partei kann undemokratisch sein, wenn ihre Positionen gegen wichtige Grundsätze verstoßen." Wie viel Prozent der Deutschen stimmen dem zu?

Ja, genau. Mehr als drei Viertel der Befragten stellen Parteien keinen Blankoscheck aus, nur weil sie eine große Anhängerschaft haben. Nur 22 Prozent sagen hingegen, eine von vielen Menschen gewählte Partei sei "automatisch demokratisch" - auch wenn sie wichtige Grundsätze verletze. Die meisten Menschen in Deutschland besäßen ein "intaktes Gespür für antidemokratische Gefahren", heißt es in der Untersuchung dazu. "Eine vor der deutschen Geschichte hochrelevante Erkenntnis." 64 Prozent der Befragten stimmten außerdem der Aussage zu, ein Verbot von Parteien, die als verfassungsfeindlich eingestuft werden, sei förderlich für die Demokratie in Deutschland.

Es sind deutlich mehr. 78 Prozent, also mehr als drei Viertel der Befragten, stellen Parteien keinen Blankoscheck aus, nur weil sie eine große Anhängerschaft haben. Nur 22 Prozent sagen hingegen, eine von vielen Menschen gewählte Partei sei "automatisch demokratisch" - auch wenn sie wichtige Grundsätze verletze. Die meisten Menschen in Deutschland besäßen ein "intaktes Gespür für antidemokratische Gefahren", heißt es in der Untersuchung dazu. "Eine vor der deutschen Geschichte hochrelevante Erkenntnis." 64 Prozent der Befragten stimmten außerdem der Aussage zu, ein Verbot von Parteien, die als verfassungsfeindlich eingestuft werden, sei förderlich für die Demokratie in Deutschland.

Das wäre eine wirklich erschreckend geringe Zahl. Mehr als drei Viertel der Befragten stellen Parteien keinen Blankoscheck aus, nur weil sie eine große Anhängerschaft haben. Nur 22 Prozent sagen hingegen, eine von vielen Menschen gewählte Partei sei "automatisch demokratisch" - auch wenn sie wichtige Grundsätze verletze. Die meisten Menschen in Deutschland besäßen ein "intaktes Gespür für antidemokratische Gefahren", heißt es in der Untersuchung dazu. "Eine vor der deutschen Geschichte hochrelevante Erkenntnis." 64 Prozent der Befragten stimmten außerdem der Aussage zu, ein Verbot von Parteien, die als verfassungsfeindlich eingestuft werden, sei förderlich für die Demokratie in Deutschland.

"Die Mühlen der Demokratie mahlen langsam", heißt es oft. Politische Beschlüsse, die nach langen parlamentarischen Debatten oft als Kompromiss gefasst werden, können für Gruppen oder Einzelne unbefriedigend sein und werden dann mitunter auf juristischem Wege angefochten. Wie nützlich sollte die Demokratie sein? Spielt es für die Menschen eine Rolle, dass das System auch "liefert", oder ist es einfach an sich gut, weil es ein demokratisches ist?

Welchem Satz stimmt die Mehrheit der Deutschen zu?

Nein, da liegen Sie falsch, aber das Ergebnis ist sehr knapp. 53 Prozent sind der Meinung, dass die Demokratie daran gemessen werden muss, welche Ergebnisse sie hervorbringt. 47 Prozent halten sie per se für eine gute Staatsform. "Das muss nicht bedeuten, dass man die Demokratie im Zweifelsfall aufzugeben bereit wäre, aber man geht womöglich kritischer mit ihr ins Gericht", schreiben die Autorinnen und Autoren der Studie. Zu dieser Erkenntnis passe, dass sich 71 Prozent eine "kümmernde" Politik wünschten, die das Leben der Menschen aktiv verbessere.

Ja, so sieht es tatsächlich die Mehrheit der Teilnehmenden, aber das Ergebnis ist sehr knapp. 53 Prozent sind der Meinung, dass die Demokratie daran gemessen werden muss, welche Ergebnisse sie hervorbringt. 47 Prozent halten sie per se für eine gute Staatsform. "Das muss nicht bedeuten, dass man die Demokratie im Zweifelsfall aufzugeben bereit wäre, aber man geht womöglich kritischer mit ihr ins Gericht", schreiben die Autorinnen und Autoren der Studie. Zu dieser Erkenntnis passe, dass sich 71 Prozent eine "kümmernde" Politik wünschten, die das Leben der Menschen aktiv verbessere.

Die Volksrepublik China ist so alt wie die Bundesrepublik Deutschland. 1949 wurde sie gegründet. Ohne Zweifel hat sich das Land in den vergangenen Jahrzehnten zu einer wirtschaftlichen Weltmacht entwickelt. Die chinesische Verfassung spricht von einer "demokratischen Diktatur des Volkes" - de facto praktisch seit Staatsgründung ein Einparteiensystem ohne echte Wahlmöglichkeiten. Ein Staat, der sich nicht nur "kümmert", sondern rigoros durchgreift, um Beschlüsse der herrschenden Kommunistischen Partei durchzusetzen. Die Untersuchung stellte dieses Statement in den Raum:

"Wir können in politischer Hinsicht viel von Ländern wie China lernen, weil dort Entscheidungen viel schneller getroffen werden können als hier." Wie viel Prozent teilen diese Ansicht?

Sie haben recht. Für immerhin 26 Prozent der Umfrageteilnehmer hat das chinesische System Vorbildcharakter. 74 Prozent sehen hingegen wenig Möglichkeiten, von China zu lernen, "weil dort schließlich eine Diktatur herrscht". Dass mit der Demokratie auch einhergeht, dass Veränderungen oft viel Zeit brauchen, wird also von einer Dreiviertelmehrheit akzeptiert.

Nein, das ist nicht richtig. Für immerhin 26 Prozent der Umfrageteilnehmer hat das chinesische System Vorbildcharakter. 74 Prozent sehen hingegen wenig Möglichkeiten, von China zu lernen, "weil dort schließlich eine Diktatur herrscht". Dass mit der Demokratie auch einhergeht, dass Veränderungen oft viel Zeit brauchen, wird also von einer Dreiviertelmehrheit akzeptiert.

Ganz so viele sind es nicht, aber für immerhin 26 Prozent der Umfrageteilnehmer hat das chinesische System Vorbildcharakter. 74 Prozent sehen hingegen wenig Möglichkeiten, von China zu lernen, "weil dort schließlich eine Diktatur herrscht". Dass mit der Demokratie auch einhergeht, dass Veränderungen oft viel Zeit brauchen, wird also von einer Dreiviertelmehrheit akzeptiert.

In unserem Grundgesetz heißt es in Artikel 5, Absatz 1: "Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten." Man könnte meinen, seit dem Aufkommen sozialer Medien trete die Meinungsvielfalt in unserer Gesellschaft offener zutage denn je. Aber was sagen die Studienergebnisse zu dieser Frage?

"In unserem aktuellen politischen System kann ich meine Meinung nicht frei äußern." Wie viel Prozent der Befragten stimmen dieser Aussage zu?

Da lagen Sie mit Ihrer Einschätzung richtig. Die Meinungsfreiheit rangiert bei den Befragten der Untersuchung zufolge an oberster Stelle der demokratischen Werte. Eine große Minderheit von 42 Prozent sieht dieses Recht in Deutschland allerdings in Gefahr. "Diese Zahlen sind angesichts grassierender Verschwörungserzählungen also hochbrisant: Anscheinend fallen derartige Vorwürfe bei vielen Menschen auf fruchtbaren Boden", heißt es in der Studie.

Nein, der Prozentsatz liegt leider deutlich höher. Die Meinungsfreiheit rangiert bei den Befragten der Untersuchung zufolge an oberster Stelle der demokratischen Werte. Eine große Minderheit von 42 Prozent sieht dieses Recht in Deutschland in Gefahr. "Diese Zahlen sind angesichts grassierender Verschwörungserzählungen also hochbrisant: Anscheinend fallen derartige Vorwürfe bei vielen Menschen auf fruchtbaren Boden", heißt es in der Studie.

Die Meinungsfreiheit rangiert bei den Befragten der Untersuchung zufolge an oberster Stelle der demokratischen Werte. Nicht nur 26 Prozent, sondern 42 Prozent sehen dieses Recht in Deutschland allerdings in Gefahr. "Diese Zahlen sind angesichts grassierender Verschwörungserzählungen also hochbrisant: Anscheinend fallen derartige Vorwürfe bei vielen Menschen auf fruchtbaren Boden", heißt es in der Studie.

In Artikel 38 des Grundgesetzes heißt es: "Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages werden in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Sie sind Vertreter des ganzen Volkes, an Aufträge und Weisungen nicht gebunden und nur ihrem Gewissen unterworfen." Aber was meinen die Deutschen? Wird die Politik diesem hehren Anspruch gerecht? Oder sind Lobbyisten und Strippenzieher im Verborgenen für viele Menschen die wahren Regierenden?

"Politiker und andere Führungspersönlichkeiten sind nur Marionetten der dahinterstehenden Mächte." Diese Meinung teilen:

Sie liegen mit Ihrem Schätzwert noch deutlich zu niedrig. Mit 51 Prozent stimmt eine knappe Mehrheit der Befragten dieser drastisch formulierten Aussage zu. Sie glauben somit, Politiker und andere Führungspersönlichkeiten seien in ihren Entscheidungen nicht frei, sondern von "Mächten" gesteuert. 44 Prozent der Befragten gaben zudem an, sie würden oftmals gezielt "Themen, die die Politik verschweigt" recherchieren.

Richtig. Mit 51 Prozent stimmt eine knappe Mehrheit der Befragten dieser drastisch formulierten Aussage zu. Sie glauben somit, Politiker und andere Führungspersönlichkeiten seien in ihren Entscheidungen nicht frei, sondern von "Mächten" gesteuert. 44 Prozent der Befragten gaben zudem an, sie würden oftmals gezielt "Themen, die die Politik verschweigt" recherchieren.

Nein, so hoch ist der Zustimmungswert zu dieser drastisch formulierten Aussage nicht. Mit 51 Prozent würde jedoch eine knappe Mehrheit der Befragten sie unterschreiben. Sie glauben somit, Politiker und andere Führungspersönlichkeiten seien in ihren Entscheidungen nicht frei, sondern von "Mächten" gesteuert. 44 Prozent der Befragten gaben zudem an, sie würden oftmals gezielt "Themen, die die Politik verschweigt" recherchieren.

Zu den Grundfesten einer stabilen Demokratie gehört auch eine freie Presse. Sie soll Missstände aufdecken, den Mächtigen auf die Finger schauen, Wahres von Unwahrem und Wichtiges von Unwichtigem trennen. Doch nicht wenige misstrauen heute dem klassischen Journalismus in Zeitungen und Sendern, wenden sich stattdessen lieber "alternativen" Informationsquellen zu - etwa in den sozialen Medien. Wie hoch ist der Anteil der Befragten, die diese Aussage bejahen?

"Die Medien verfolgen ihre eigenen Absichten, statt die Fakten zu berichten."

Nein, das Misstrauen ist leider bedeutend größer. 53 Prozent der Befragten glauben, die Medien hätten eine eigene Agenda und würden nicht unabhängig berichten. Ein Wert, der auch uns Medienschaffenden Sorgen macht. Aber: Ein genauso großer Prozentsatz der Teilnehmenden, also 53 Prozent, sagte an anderer Stelle, die Existenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei "förderlich für die Demokratie", 17 Prozent sagten "schädlich" und 30 Prozent "weder noch".

Nicht ganz, aber leider auch nicht völlig daneben getippt. 53 Prozent der Befragten glauben, die Medien hätten eine eigene Agenda und würden nicht unabhängig berichten. Ein Wert, der auch uns Medienschaffenden Sorgen macht. Aber: Ein genauso großer Prozentsatz der Teilnehmenden, also 53 Prozent, sagte an an anderer Stelle, die Existenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei "förderlich für die Demokratie", 17 Prozent sagten "schädlich" und 30 Prozent "weder noch".

Sie liegen richtig. Mehr als die Hälfte der Befragten glaubt, die Medien hätten eine eigene Agenda und würden nicht unabhängig berichten. Ein Wert, der auch uns Medienschaffenden Sorgen macht. Aber: Ein genauso großer Prozentsatz der Teilnehmenden, also 53 Prozent, sagte an an anderer Stelle, die Existenz des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sei "förderlich für die Demokratie", 17 Prozent sagten "schädlich" und 30 Prozent "weder noch".

Wir leben in einer repräsentativen Demokratie. Das bedeutet, wir wählen Abgeordnete als Stellvertreter in Parlamente und übertragen ihnen damit die Entscheidungsgewalt für nahezu alle politischen Fragen. Volksentscheide, bei denen Bürgerinnen und Bürger direkt über Gesetzesvorhaben entscheiden, gibt es in Deutschland höchstens auf Landes-, nicht auf Bundesebene - und sie sind vergleichsweise selten. Anders ist es beispielsweise in der Schweiz, wo die Wahlberechtigten mehrmals im Jahr an die Urnen gerufen werden, um gebündelt über Gesetzentwürfe abzustimmen. Ein Vorbild für Deutschland?

"Über wichtige Fragen sollten am besten die Bürger selbst abstimmen." Wie hoch schätzen Sie den Prozentsatz der Deutschen, die diesem Satz zustimmen?

Nein, so hoch ist der Anteil der Verfechter direkter Demokratie nicht. Das Teilnehmerfeld ist hier fast in der Mitte gespalten: 52 Prozent bevorzugen direkte Abstimmungen der Bürgerinnen und Bürger, 48 Prozent sind der Auffassung, dass wichtige Fragen in den Händen der gewählten Volksvertreter am besten aufgehoben sind. "In einem Land, in dem auf Bundesebene direktdemokratische Verfahren nicht vorgesehen sind, ist dies eine erstaunliche Aufteilung", schlussfolgern die Autorinnen und Autoren der Studie. Es gebe eine beachtliche Unterstützung für plebiszitäre Ergänzungen zum Repräsentativprinzip des Grundgesetzes.

So ist es. Eines der knappsten Abstimmungsergebnisse der Studie lieferte die Frage nach dem Gewicht von Volksabstimmungen. Das Teilnehmerfeld ist hier fast in der Mitte gespalten: 52 Prozent bevorzugen direkte Abstimmungen der Bürgerinnen und Bürger, 48 Prozent sind der Auffassung, dass wichtige Fragen in den Händen der gewählten Volksvertreter am besten aufgehoben sind. "In einem Land, in dem auf Bundesebene direktdemokratische Verfahren nicht vorgesehen sind, ist dies eine erstaunliche Aufteilung", schlussfolgern die Autorinnen und Autoren der Studie. Es gebe eine beachtliche Unterstützung für plebiszitäre Ergänzungen zum Repräsentativprinzip des Grundgesetzes.

Volksentscheide haben in Deutschland mehr Befürworter, als Sie denken: 52 Prozent bevorzugen direkte Abstimmungen der Bürgerinnen und Bürger, 48 Prozent sind der Auffassung, dass wichtige Fragen in den Händen der gewählten Volksvertreter am besten aufgehoben sind. "In einem Land, in dem auf Bundesebene direktdemokratische Verfahren nicht vorgesehen sind, ist dies eine erstaunliche Aufteilung", schlussfolgern die Autorinnen und Autoren der Studie. Es gebe eine beachtliche Unterstützung für plebiszitäre Ergänzungen zum Repräsentativprinzip des Grundgesetzes.

Stiftung: Ergebnisse sind Zeichen einer Vertrauenskrise

Das Meinungsbild, das in der Studie sichtbar wird, erlaubt der Robert Bosch Stiftung zufolge kein "weiter so" für die Politik. Weit verbreitete Gleichgültigkeit gegenüber der Demokratie und die Enttäuschung über nicht erfüllte Erwartungen gelte es ernst zu nehmen und zu adressieren. Dabei zeigt die Untersuchung auch: Es ist nicht der Grundbegriff der Demokratie, der umstritten ist, sondern ihre gelebte Praxis, ihre Umsetzung.

Die Deutschen zeigten zwar vor dem Hintergrund ihrer eigenen Geschichte reife demokratische Reflexe. Aber es gebe eine unterschwellige Vertrauenskrise zwischen Bürgern und Politik, aber auch Medien. Viele fühlen sich demnach überhört, übergangen, glauben nicht daran, selbst eingreifen und etwas verändern zu können.

 

Über die Studie

Die unternehmensverbundene Robert Bosch Stiftung setzt sich für die demokratische Kultur in Deutschland und Europa ein. Sie hat die Studie bei More in Common, einer Initiative für gesellschaftlichen Zusammenhalt, in Auftrag gegeben. Für die Umsetzung arbeitete More in Common mit dem Meinungsforschungsinstitut KANTAR zusammen und ließ unter anderem etwa 2.000 repräsentativ ausgewählte Deutsche im ersten Quartal 2021 zu ihren Vorstellungen und Ansichten rund um Demokratie sowie zu ihrem politisch-gesellschaftlichen Erleben befragen. Fragen aus dieser Studie hat der NDR für seine Fernsehsendung "Wie demokratisch bist Du? Das Experiment" auch sieben Probandinnen und Probanden gestellt, die von sich selbst sagen, sie seien demokratisch engagiert.

 

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Dieses Thema im Programm:

13.09.2021 | 22:45 Uhr

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