Stand: 19.02.2020 11:01 Uhr

Grundrente: Tafel und Theater

Von Astrid Wulf

Die Frührentnerin Anke Boisen aus Lübeck geht mit einem Einkaufswagen an einem Supermarktregal vorbei. © NDR Foto: Astrid Wulf
Obwohl sie sehr sparsam lebt, kann sich Frührentnerin Anke Boisen nur wenig im Supermarkt leisten.

Ein Supermarkt in Lübeck. Anke Boisen, 60 Jahre alt, stützt sich auf ihren Einkaufswagen. Der Rücken macht ihr Probleme, wie fast jeden Tag. Unter anderem wegen ihrer Rückenschmerzen ist sie seit vier Jahren in Frührente. Abzüglich Miete und Fixkosten hat sie rund 300 Euro zur Verfügung. Gefüllte Paprika kann sie sich nicht immer leisten.

Die Grundrente kommt

Ein Rentenzuschlag vom Staat würde Boisen aus der größten Not befreien. Und vielleicht hat ihr Leid tatsächlich bald ein Ende: Die Bundesregierung hat den Gesetzentwurf für eine Grundrente von Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) am Mittwoch beschlossen.

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Ein Rentnersitzt an einem Tisch und macht sich auf einem Block diverse Notizen seiner Geldausgaben, in der anderen Hand hält er verschiedene Euro-Geldscheine. © picture-alliance/ dpa Foto: Andreas Gebert

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Die Überwindung, Hilfe anzunehmen

"Die gefüllte Paprika ist sehr schmackhaft", sagt Boisen, nimmt ein Glas Antipasti aus dem Regal, dreht es in der Hand und stellt es zurück. "Aber da kosten zehn Stück fast vier Euro. Das würde ich mir im Moment nicht kaufen."

Ihre Kleidung und die Möbel in ihrer Wohnung im günstigen Stadtteil Moisling sind aus dem Sozialkaufhaus, sie ist regelmäßige Kundin bei der Lübecker Tafel. "Die ersten Male waren schlimm, da wäre ich fast vor Scham im Boden versunken. Aber mittlerweile gehe ich gern", sagt Boisen.

Überraschend in Altersarmut geraten

Die Frührentnerin Anke Boisen aus Lübeck sitzt am Küchentisch und schaut in ihre Unterlagen. © NDR Foto: Astrid Wulf
Man muss die Rentenunterlagen "sehr genau studieren, um sie zu verstehen", sagt Boisen.

Boisen habe immer gut gelebt, sagt sie. Sie hatte einen eigenen Blumenladen, vier Kinder, einen Ehemann, ein Haus und manchmal Urlaubsreisen. Geld sei nie ein Thema gewesen. Dann die Trennung - obendrauf gesundheitliche Probleme. Dass sie mal von Altersarmut betroffen sein würde, hätte sie nie gedacht.

"Damals habe ich mir keine Gedanken gemacht. Ich war verheiratet, mein Mann hat immer gut verdient. Ich selber habe dazuverdient", sagt Boisen.

Mehr Geld für bescheidenen Luxus

Ihre Rentenunterlagen mit Versicherungszeiten, Erziehungszeiten, Rentenpunkten lassen nicht durchblicken, ob sie auf die 33 Pflicht-Beitragsjahre kommt.

Aber sie hofft, nach Einführung der Grundrente 200 Euro mehr auf dem Konto zu haben. Bis dahin nimmt sie die Situation gelassen, lebt sparsam und ist dankbar für die kleinen Dinge.

"Mal ins Theater zu gehen, oder Lachs im Supermarkt in den Einkaufswagen zu packen, das fehlt mir."

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NDR Info | Aktuell | 19.02.2020 | 06:38 Uhr

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