Stand: 30.04.2020 11:57 Uhr

"Aber mehr Geld bekommt ihr nicht"

Altenpflegerin Susanne Meyer mit einem Bewohner in der Pflege- und Senioreneinrichtung der Stiftung Kieler Stadtkloster.
Gerade Altenpflegerinnen sollten laut DGB besser bezahlt werden.

Die Corona-Krise zähmt zurzeit die Gewerkschaften: Bei VW sind die Tarifverhandlungen bis zum Jahresende aufgeschoben. In der Altenpflege sind sie ebenfalls ausgesetzt. Auch in der Metall- und Elektroindustrie gibt es vorläufig keine Lohnsteigerungen. Dennoch fordert der Deutsche Gewerkschaftsbund zum Tag der Arbeit am 1. Mai mehr Geld für die Angestellten. Ihr Chef Reiner Hoffmann sagte auf NDR Info: Gerade die Krise zeige, wie schlecht die Bezahlung teils sei.

Keine Tarifverträge in Pflege und Einzelhandel

"Wir sehen gerade, wie die Heldinnen und Helden der Arbeit überall gelobt werden, gewertschätzt werden", sagte Hoffman. Gerade jetzt in der Krise zeige sich, wie wichtig die Arbeit der Menschen sei und das habe seinen Preis. Hoffmann forderte: "Ordentliche Tarifverträge mit ordentlichen Arbeitszeiten zu vernünftigen Arbeitsbedingungen".

Abseits der Corona-Maßnahmen der Bundesregierung wie Rettungspakete und Kurzarbeitergeld sieht der DGB-Chef aber vor allem die Arbeitgeber in der Pflicht: "In der Pflege, im Einzelhandel, wo sich viel zu viele Arbeitgeber weigern, Tarifverträge abzuschließen, damit muss Schluss sein, damit die Menschen wirklich einen ordentlichen Lohn haben."

Statt vom Balkon applaudieren, besser bezahlen

Hoffmann sieht dabei keinen Widerspruch darin, in Zeiten eines massiven Konjunktureinbruchs und drohender Firmeninsolvenzen mehr Geld für die Angestellten zu fordern. Im Gegenteil werde aus seiner Sicht erst in der Krise deutlich, dass Menschen wegen schlechter Löhne kaum über die Runden kämen. "Es wäre doch zynisch, wenn wir heute die Heldinnen und Helden der Arbeit auf den Balkonen feiern und ihnen morgen sagen würden: 'Aber mehr Geld bekommt ihr nicht'."

Gesundheitsschutz funktioniert in Schlüsselindustrien

Mit Blick auf schrittweise Lockerungen der Eindämmungsmaßnahmen sagt der DGB-Chef: "Der Gesundheitsschutz muss absolut im Mittelpunkt stehen." Sollte es eine zweite Infektionswelle des Coronavirus geben, dann würden die wirtschaftlichen und sozialen Verwerfungen noch viel größer werden. Kindergärten und Schulen müssten jetzt aber "behutsam, mit gezielten Schritten" wieder öffnen.

Hoffmann verwies darauf, dass Produktionsbetriebe in der chemischen und der Lebensmittel-Industrie sowie im Maschinenbau in den letzten Wochen auf Hochtouren gelaufen seien. "Da funktioniert der Arbeits- und Gesundheitsschutz und es ist wichtig, dass er auch in anderen Bereichen klappt."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Infoprogramm | 30.04.2020 | 07:23 Uhr

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