Tschentscher: Bund hat Impfstoff-Ausgleich zugesagt

Stand: 28.05.2021 16:41 Uhr

Die Bundesregierung will den Ländern den zu wenig gelieferten Corona-Impfstoff ausgleichen. Das sei ihm am Donnerstag beim Impfgipfel zugesichert worden, sagte Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) im Anschluss an die Beratungen von Bund und Ländern.

Hamburg habe in den vergangenen Wochen gemessen an den Bevölkerungszahlen der Länder regelmäßig zu wenig Impfstoff erhalten. Der Bund habe nun zugesagt, "dass diese ungleichmäßige Verteilung (...) zeitnah ausgeglichen wird". Auch die anderen Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten hätten dem zugestimmt. Konkrete Zahlen nannte Tschentscher nicht, es soll aber um rund 50.000 zusätzliche Dosen gehen. Eine zeitnahe Ausgleichslieferung sei umso wichtiger, da es aufgrund des knappen Impfstoffes und der hohen Zahl der anstehenden Zweitimpfungen kaum mehr Termine für Erstimpfungen gebe, sagte der Bürgermeister.

Er warnte von einer Frustration in der Bevölkerung: "Wir habe immer mehr Menschen zum Impfen aufgerufen, aber wir haben nicht mehr Impfstoff." Dennoch gehe die Impfkampagne "sehr gut voran", meinte der Bürgermeister. Tschentscher verwies jedoch darauf, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) trotz sinkender Neuinfektionen gemahnt habe, "dass wir bei allem Erfolg der Impfkampagne wachsam sein müssen." Dies sei eine wichtige Botschaft, "denn wir möchten nicht im Herbst wieder mit neuen Varianten konfrontiert sein".

Impfungen für Kinder und Jugendliche ab 7. Juni

Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren können sich unterdessen bald gegen das Coronavirus impfen lassen. Bundeskanzlerin Merkel sagte nach dem Impfgipfel, sie könnten sie sich ab dem Ende der Priorisierung - also in der Regel ab dem 7. Juni - um einen Impftermin bei den niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten oder auch in den Impfzentren bemühen. Da es dafür aber keine zusätzlichen Impfstofflieferungen gebe, bedeute dies jedoch womöglich, dass Termine nicht kurzfristig verfügbar seien. Ein sicherer Schulbetrieb werde indes auch in Zukunft gewährleistet sein - unabhängig davon, wie viele Schülerinnen und Schüler ein Impfangebot wahrnehmen.

Tschentscher: Keine Sonderkontingente für Kinder

Ob es irgendwann auch Sonder-Impftage für Kinder im Impfzentrum in den Messehallen gibt, ließ Hamburgs Bürgermeister Tschentscher offen. Er stellte klar: Ein Sonderkontingent für Kinder-Impfungen gebe es derzeit nicht. Solange noch nicht genug Impfstoff für alle da sei, würden die deutlich weniger durch die Krankheit gefährdeten Kinder nicht vorgezogen.

Leonhard: Entscheidung richtig

Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) nannte die Entscheidung im Gespräch mit NDR Info vernünftig, dass für die Mädchen und Jungen zunächst kein Impfstoff reserviert werde. "In diesem Fall finde ich das richtig. Die Reservierung wäre ja erfolgt auf Kosten anderer Impfungen." Es sei aufgrund der derzeit geringen Liefermengen lediglich möglich gewesen, die Mengen bei den Kontingenten der Haus- und Betriebsärzte und -ärztinnen abzuziehen.

EMA empfiehlt Impfstoff-Zulassung ab zwölf Jahre

Biontech/Pfizer hatte einen Zulassungsantrag für seinen SARS-CoV2-Impfstoff für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren gestellt. Am Freitagnachmittag folgte die Empfehlung der Zulassung durch die europäische Arzneimittelbehörde EMA. Die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut wird dazu ebenfalls eine Empfehlung vorlegen.

Corona: Mehr als 40 Prozent der Deutschen einmal geimpft

Bisher wurden in Deutschland den Angaben von Donnerstag zufolge knapp 35 Millionen Menschen und damit etwa 41,5 Prozent mindestens einmal geimpft, 13 Millionen (15,7 Prozent) sind vollständig geimpft. Das Bundesgesundheitsministerium geht davon aus, dass sich 60 Prozent der Kinder und Jugendlichen impfen lassen wollen und berechnet den Bedarf mit jeweils rund 3,2 Millionen Impfdosen für die Erst- und Zweitimpfung. An der Impfkampagne beteiligen sich inzwischen 65.000 Arztpraxen. Vom 7. Juni an werden auch Betriebsärzte und -ärztinnen einbezogen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 27.05.2021 | 19:00 Uhr

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