Stand: 12.07.2018 18:50 Uhr

"Wilde" Plakate werben für Aufklärung der NSU-Taten

Nach dem Urteil im Münchner NSU-Prozess sind am Mittwochabend in mehreren Hamburger Stadtteilen verbotenerweise Hunderte Plakate angebracht worden, auf denen weitere Aufklärung der Taten der Rechtsterroristen gefordert wird. Es habe vier Festnahmen gegeben, sagte eine Polizeisprecherin am Donnerstag. Die Plakate seien zum Teil mit Kleister an Geschäfte oder Häuser geklebt worden. In den Fällen, in denen sich die Plakate nicht rückstandslos entfernen lassen, wird laut Polizei wegen politisch motivierter Sachbeschädigung ermittelt. Bleibe nichts zurück, werde es als "wildes" Plakatieren weiterverfolgt. Auf den in der Stadt verteilten Plakaten wurde nach Polizeiangaben unter anderem ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss auch in Hamburg gefordert.

Aufklärung vorantreiben

Christiane Schneider von den Linken sprach sich ebenfalls für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss aus. Die Hamburger Polizei hatte damals, als Süleyman Taşköprü 2001 im Lebensmittelgeschäft seiner Familie in Bahrenfeld erschossen wurde, in viele Richtungen ermittelt, nur die Spur eines rassistisch motivierten Mordes habe sie nicht verfolgt, sagte Schneider. Dabei habe es zu der Zeit in Hamburg eine militante rechte Szene gegeben. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss könnte klären, ob der NSU um Beate Zschäpe Unterstützer in Hamburg hatte. Denn wie sonst, so Schneider, sei ausgerechnet Hamburg zum Tatort geworden?

Auch Antje Möller, die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bürgeschaftsfraktion sagte, es seien noch viele Fragen offen. Sie will alle alten Akten zum Fall erneut durcharbeiten und die weitere Aufklärung in Hamburg vorantreiben. Das forderte auch die Türkische Gemeinde Hamburg. Die begrüßt das Urteil für Beate Zschäpe - und mahnte zugleich an, endlich nach deren Unterstützern zu suchen. Auch die Familie des Opfers hofft, dass Ermittler weiter der Frage nachgehen, ob der NSU weitere Unterstützer in Hamburg hatte.

Initiative will "Schließen der Aktendeckel" verhindern

Kurz vor der Plakataktion hatten in Hamburg rund 800 Menschen unter dem Motto "Fünf Jahre NSU-Prozess - Kein Schlussstrich" demonstriert und weitere Ermittlungen im Umfeld der verurteilten Beate Zschäpe gefordert. Das Gerichtsverfahren gegen Zschäpe und weitere Unterstützer des NSU habe das Netzwerk der rechtsextremen Gruppe nicht umfassend aufdecken können. Deshalb müsse es auch in Hamburg einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss geben - ein Anliegen, das von den Linken in der Bürgerschaft unterstützt wird.

Zu den bislang unbeantworteten Fragen gehören laut der Hamburger Initiative: Wie und von wem wurde Süleyman Taşköprü als Mordopfer ausgewählt? Welche Rolle und Aufgabe hatten die Hamburger Neonazis im NSU-Komplex und welche Beteiligung am Mord von Taşköprü ? "Es darf auf keinen Fall ein Schließen der Aktendeckel und ein Ende der Aufmerksamkeit geben", sagte Robin Steinbrügge von der Hamburger Initiative für die Aufklärung des Mordes kurz vor der Kundgebung. "Viele Fragen quälen die Familie weiter."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.07.2018 | 06:30 Uhr

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