Ein Mann blickt von einer Terrasse aus auf die Außenfassade des Bauprojekts Sandkrug.

Viel Ärger um Bauprojekt in Hamburg

Stand: 02.11.2021 18:58 Uhr

Schicker Altbau, zentral gelegen, fairer Kaufpreis: Dieses Angebot im Hamburger Osten klingt vor drei Jahren sehr verlockend für die späteren Käuferinnen und Käufer. Doch schnell gibt es für sie ein böses Erwachen.

von Johannes Wulf

Für Sergej und Regina Behm wird ihre Traumwohnung zunehmend eine finanzielle und mentale Belastung. Hauptproblem auf einer langen Mängelliste: In der Küche und im Wohnzimmer der Behms gibt es seit zwei Jahren deutlich sichtbare Wasserschäden. Nach Ansicht des Paares hat der Bauträger das Dach während der Aufstockung des Hauses im Sommer 2019 nicht ausreichend abgedeckt.

Bauträger war nicht erreichbar

Sergej und Regina Behm.
Hatten auf eine schöne Wohnung gehofft: Regina und Sergej Behm.

Als es angefangen habe nass zu werden, hätten sie den Bauträger immer wieder angerufen und den Zustand bemängelt, erzählt Regina Rehm. "Er meinte: Ja, wir machen das. Und erst ein halbes Jahr später kam eine Plane", sagt sie weiter. Bei jedem Regen hätten sie und ihr Mann sich die Frage gestellt, wie es bei ihnen zu Hause aussehe. Und obwohl das Feuchtigkeitsproblem immer schlimmer wurde, habe der Bauträger weiterhin nichts unternommen und sei für die beiden auch nicht erreichbar gewesen. Eine Plane sei nicht gekommen, das Dach komplett offen gewesen.

Klage gegen den Bauträger

Anwohner haben dem NDR Videos aus dieser Zeit geschickt. Auf diesen ist zu sehen, wie sich Regenwasser seinen Weg durch das frische Mauerwerk und das Treppenhaus bahnt. Bilder, wie man sie bei einem fachgerecht ausgeführten Bauprojekt nicht erwartet. Die Bitten der Behms an den Bauträger um die Beseitigung der Baumängel werden nach Angaben des Paares erst nach Monaten erhört. Sie schreiben damals: "Wir gehen gerade durch die Hölle. Absolut unprofessionell und grob fahrlässig".

Bauträger ist ein ehemaliger CDU-Bürgerschaftsabgeordneter. Sein Name darf aus rechtlichen Gründen nicht genannt werden. Auf eine schriftliche Anfrage des NDR Hamburg Journals antwortet er nicht. Über seine Anwältin lässt er stattdessen mitteilen, dass eine Berichterstattung über den Fall "unzulässig" sei. Derweil laufen mehrere Gerichtsverfahren rund um das Bauprojekt.

Viele liegt bei dem Bauprojekt im Argen

Die Rehms verklagen den Bauträger. "Aber das zieht sich jetzt auch schon über Jahre. Und irgendwie schafft er das immer wieder, auch die Gerichtsprozesse zu verschieben", so Rehm. An der Fassade hängende Stromkabel, mit Bauschutt belegte und schimmelige Kellerräume, ins Nichts führende Türen und Baustoffe, die vergammeln: Rund um das Haus liegt offensichtlich einiges im Argen.

Größtes Problem: Undichtes Mauerwerk

In einem Zimmer fehlt der Putz an der Wand.
Große Baustelle statt Traumhaus - die Wohnungskäufer sind enttäuscht worden.

Das größte Problem aber - auch für Familie Schulz im Souterrain - ist das undichte Mauerwerk. "Wir haben eine kernsanierte Altbauwohnung der Energieklasse 55 gekauft und hatten nach wenigen Wochen Schimmel", sagt Wohnungsbesitzer Tilman Schulz. "Wir machen uns große Sorgen um unsere Tochter." Er warte händeringend darauf, dass vernünftig gedämmt werde. Und auch mit dem Strom im Haus gibt es Probleme. Schulz sagt, er zahle für andere mit. "Der Bauträger hat ungefragt unseren Stromkasten abgezweigt für die Dachgeschosswohnung hier im Haus", so Schulz. Und er selbst zahle auch für das Treppenhaus, die Klingel und für die Brandschutzanlage. Er sei einfach fassungslos, über so eine Dreistigkeit, ergänzt er.

Viele leere Versprechungen

Und auch weiter oben im Haus gibt es Probleme: Auf der Dachterrasse von Peer Schettling stehen Pfützen statt des vereinbarten Bangkirai-Holzes. So kann er die 40 Quadratmeter nicht nutzen. Ein Schornsteinrohr aus Plastik ragt hervor und auch hier gibt es Probleme mit der Dämmung der Fassade. "Wir haben die Wohnung vor zehn Monaten übernommen und es wurde uns vom Bauträger versprochen: Es wird alles fertig gemacht", erinnert sich Schettling. Das finde sich auch alles im Abnahmeprotokoll - es seien aber nur leere Versprechungen gewesen. "Baumängel gibt es überall, da kann man drüber sprechen", weiß Schettling. Es sei nicht das erste Mal, dass er gekauft habe. "Aber hier hat man das Gefühl, dass man offensichtlich verarscht wird."

Eine Rückabwicklung der Wohnungskäufe ist für viele hier zu teuer. Momentan herrschen Stillstand und Hoffnungslosigkeit. Ausharren auf der Baustelle statt Wohnen im sanierten Altbau. Ob und wann der Bauträger die Mängel behebt, ist derzeit nicht abzusehen.

Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 02.11.2021 | 19:30 Uhr

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