Stand: 02.01.2020 10:22 Uhr

Tierversuche: "Ganz ohne geht es nicht"

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Die Forscher des UKE lassen Zebrafische vier Wochen lang täglich mehrere Stunden gegen den Strom schwimmen.

Sie werden von vielen kritisiert, doch in Bereichen wie Medizin und Kosmetik würde ohne sie nicht viel funktionieren: Tierversuche. 2017 zählte die Hamburger Gesundheitsbehörde 128.536 Versuchstiere, mit denen Experimente durchgeführt wurden. Am häufigsten wurde an Mäusen und Ratten geforscht. In und um Hamburg gibt es sechs Standorte, wo Tierversuche durchgeführt werden: das Heinrich-Pette-Institut, das Bernhard-Nocht-Institut, die Universität Hamburg, die Firma evotec, das in die Kritik geratene Tierversuchslabor Laboratory of Pharmacology and Toxicology (LPT) und das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE). Letzteres gilt unter den reinen Forschungsinstituten als das größte.

Viele Gene der Zebrafische ähnlich wie beim Menschen

Hier forschen Mediziningenieure unter anderem an Zebrafischen. Denn 70 Prozent der Gene der Tiere kommen in ähnlicher Form auch beim Menschen vor. Björn Busse und sein Team erforschen, wie sich Bewegung auf Knochensubstanz auswirkt. Dafür lassen sie die Zebrafische vier Wochen lang täglich mehrere Stunden gegen den Strom schwimmen.

Tierschutzbeautragte: scharfe Regelungen

Anschließend schläfern die Forscher die Fische ein und untersuchen sie in einem Computertomographen. Das Gerät liefert hochauflösende Bilder von der Knochendichte. So erhoffen sich die Wissenschaftler neue Erkentnisse zu Osteoporosetherapie. Mit dieser Methode können die Forscher auch untersuchen, wie sich bestimmte Substanzen auf das Trinkwasser auswirken. Gibt es Alternativen zu Tierversuchen? Björn Busse vom UKE betont: "Das kann durch Computertechniken und bessere Analytikmethoden teilweise ersetzt werden. Dennoch brauchen wir immer die Rohdaten und die Informationen von lebenden Fischen, um daraus auch diese Computertechniken zu entwickeln." Tierärztin Mareike Budack ist eine von sechs Tierschutzbeauftragten im UKE. Sie betont der Umgang mit Versuchstieren sei im Tierschutz deutlich schärfer geregelt, als mit Tieren in der Landwirtschaft oder im häuslichen Umfeld.

Misshandelte Tiere?

In Kritik geriet Ende 2019 das Tierversuchslabor LPT im nidersächsischen Neu Wulmstorf. Affen, Hunde und Katze sollten hier falsch gehalten und misshandelt worden sein. Mitarbeiter einer Tierschutzorganisation hatten sich in das Labor eingeschleust und Videomaterial veröffentlicht. Das Veterinäramt des Landkreises hat daraufhin das Labor genauer unter die Lupe genommen. Im Februar soll LPT schließen.

Weitere Informationen
Ein Affe ist am Hals mit einer Schelle fixiert. © SOKO Tierschutz/cruelty free International Foto: SOKO Tierschutz/cruelty free International

Ende der Tierversuche im Labor Mienenbüttel

Im LPT-Labor in Mienenbüttel sind die letzten genehmigten Tierversuche beendet worden. Ob das Labor komplett geschlossen wird, entscheidet sich vielleicht schon kommende Woche. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 01.01.2020 | 19:30 Uhr

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