Stand: 23.01.2019 11:21 Uhr

Ticket-Affäre: Anklage gegen Nische erhoben

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Nische steht im Verdacht, Rolling-Stones-Freikarten unberechtigt angenommen und weitergegeben zu haben.

In der Affäre um die Vergabe von Freikarten für das Rolling-Stones-Konzert im September 2017 im Stadtpark hat die Hamburger Staatsanwaltschaft eine weitere Anklage erhoben. Sie richtet sich gegen die ehemals designierte Leiterin des Bezirksamts Hamburg-Nord, Yvonne Nische.

Die Staatsanwaltschaft wirft Nische vor, als damalige Leiterin des Dezernats Jugend, Soziales und Sport von ihrem vorgesetzten Bezirksamtsleiter Harald Rösler zwei Freikarten für das Konzert im Stadtpark angenommen haben. Die Karten im Verkaufswert von 337 Euro gehörten zu einem Gesamtkontingent von 300 sogenannte Kaufkarten und 100 Freikarten, die Rösler zuvor vom Konzertveranstalter für das Bezirksamt Hamburg-Nord verlangt und dann "ausgewählten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Bezirksamtes" angeboten haben soll.

Vorwurf lautet auf Vorteilsannahme

Gegen Nische besteht der Verdacht, diese Freikarten angenommen und das Konzert mit einem Begleiter privat besucht zu haben. Darüber hinaus soll sie es als damalige Vorgesetzte zugelassen haben, dass weitere acht Freikarten an ihr unterstellte Bedienstete auf gleiche Art und Weise vergeben wurden. Die Anklage lautet auf Vorteilsannahme und Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat. Dafür drohen ihr bis zu drei Jahre Haft oder eine Geldstrafe.

Auf Anfrage von NDR 90,3 erklärte Nische, sie wisse bislang nichts von der Anklage, einen Kommentar lehnte sie ab. Die SPD-Politikerin war am 12. April 2018 als Bezirksamtsleiterin gewählt worden. Wegen der staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen war das Ernennungsverfahren ausgesetzt worden. In der vergangenen Woche hatte Nische dann ihren Rückzug bekannt gegeben. Als Nachfolger hatte die Finanzbehörde Ralf Staack mit der kommissarischen Leitung des Bezirksamt beauftragt. Staack war bisher stellvertretender Bezirksamtsleiter im Nachbarbezirk Eimsbüttel.

Bereits Ermittlungen gegen Ex-Bezirksamtschef Rösler

Im Zusammenhang mit der Freikartenaffäre hatte die Staatsanwaltschaft bereits gegen mehrere Politiker Ermittlungen eingeleitet, darunter gegen den in Ruhestand gegangenen Bezirksamtsleiter Harald Rösler (SPD) wegen des Verdachts der Bestechung und Bestechlichkeit. Auch waren Büros des Bezirksamts und des Konzertveranstalters FKP Scorpio durchsucht worden. Gegen die ehemalige Staatsrätin Elke Badde wurde Anklage wegen Vorteilsannahme und Verleitung eines Untergebenen zu einer Straftat erhoben.

Bezirksamt Hamburg-Nord für Konzert zuständig

Bei dem Konzert am 9. September 2017 im Hamburger Stadtpark hatten 82.000 Fans die Rolling Stones begeistert gefeiert. Frei verkäufliche Tickets kosteten zwischen 100 und knapp 900 Euro. Für die Genehmigung des Konzerts war das Bezirksamt Hamburg-Nord zuständig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 23.01.2019 | 12:00 Uhr

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