Stand: 25.08.2020 11:23 Uhr

Studie: Weiter Mängel in Hamburger Kita-Betreuung

Die Qualität der Betreuung in den Hamburger Kitas hat in den vergangenen Jahren Fortschritte gemacht, in weiten Teilen gibt es aber immer noch Probleme: Zu diesem Fazit kommt eine aktuelle Studie, die die Bertelsmann-Stiftung am Dienstag veröffentlicht hat. "Die Mehrzahl der Kita-Gruppen in Hamburg ist zu groß, die Personalausstattung noch nicht kindgerecht und vor allem das Qualifikationsniveau der Fachkräfte zu niedrig", sagte Kathrin Bock-Famulla, Bildungsexpertin der Bertelsmann Stiftung. "Hamburg sollte sich in allen Bereichen verbessern."

In fast drei Viertel der Gruppen zu wenig Betreuer

Der Personalschlüssel sei 2019 für rund 42.300 Kita-Kinder nicht kindgerecht gewesen. In 73 Prozent aller erfassten Kita-Gruppen gab es demnach zu wenig Erzieherinnen und Erzieher. Das ist der Studie zufolge nach Niedersachsen (78 Prozent) und Nordrhein-Westfalen (70 Prozent) der bundesweit ungünstigste Anteil.

2019 habe rechnerisch eine Fachkraft im Schnitt 4,5 Krippen- beziehungsweise 7,7 Kindergartenkinder betreut - im Vergleich zu vor sechs Jahren ist das eine deutlich Verbesserung. Und auch im Bundesvergleich sei das sehr gut. Die Bertelsmann-Stiftung selbst empfiehlt allerdings eine Fachkraft auf maximal 3 Krippen- oder 7,5 Kindergartenkinder.

Es mangelt häufig an der Qualifikation

Von den gut 16.600 pädagogisch Beschäftigten waren laut den Studienergebnissen nur 58 Prozent als Erzieherin oder Erzieher ausgebildet. "Dies ist nach Bayern unter allen Bundesländern der geringste Anteil", erklärte die Stiftung. 19 Prozent der Fachkräfte arbeiteten in Hamburg auf Assistenzniveau, etwa als Kinderpflegerin oder Sozialassistentin.

Rot-Grün steht im Wort

SPD und Grüne in Hamburg hatten im Koalitionsvertrag eine weitere Verbesserung des sogenannten Fachkräfteschlüssels vereinbart - zum Teil schon zum 1. Januar 2021.

Die Bertelsmann-Stiftung führt regelmäßig Studien zu bildungs- und gesellschaftspolitischen Themen durch. Für ihren "Ländermonitor Frühkindliche Bildungssysteme" wertete sie nach eigenen Angaben Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder und weitere amtliche Statistiken aus. Dabei ging es um Daten zum Stichtag vom 1. März der Jahre 2013 und 2019.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.08.2020 | 12:00 Uhr

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