Senat weitet 2G-Plus für Hamburg deutlich aus

Stand: 05.01.2022 14:25 Uhr

Vor dem Hintergrund von Rekordwerten bei den Corona-Zahlen und der mittlerweile wohl vorherrschenden Omikron-Variante hat der Hamburger Senat am Dienstag weitere Einschränkungen beschlossen. Das 2G-Plus-Modell wird deutlich ausgeweitet.

So werden die bisherigen 2G-Regeln weitgehend durch 2G-Plus ersetzt, wie Senatssprecher Marcel Schweitzer am Dienstag sagte. Wer doppelt geimpft oder genesen ist, muss nun künftig in vielen Bereichen zusätzlich einen tagesaktuellen negativen Test vorlegen. Dies gilt den Angaben zufolge für die Gastronomie - also für Bars und Restaurants -, für Kultureinrichtungen (Theater, Kino, nicht in Museen und Bücherhallen), für den Sport in Innenräumen (auch Schwimmbäder, Fitnessstudios), Stadtrundfahrten und Hafenrundfahrten, Dienstleistungen der Körperpflege (mit Ausnahme Friseurhandwerk und Fußpflege), Prostitution, Spielbanken und Seniorentreffpunkten. Wer sich also mit Freunden in einem Lokal zum Essen verabreden will, muss nicht mehr nur seinen Impfpass oder Genesendennachweis vorweisen, sondern vorher auch in ein Testcenter.

Personen, die bereits ihre Auffrischungsimpfung erhalten haben, werden von der neuen 2G-Plus-Regel ausgenommen. Ungeimpfte hingegen haben ja schon jetzt, bei der aktuell geltenden 2G-Regel, zu solchen Aktivitäten keinen Zutritt mehr.

Regelung gilt zunächst für vier Wochen

Die neue Regelung soll am Montag in Kraft treten und wird laut Schweitzer zunächst für vier Wochen gelten. Es sei denn, so ergänzte Schweitzer, dass bei der am Freitag stattfindenden Bund-Länder-Schalte noch einmal strengere Regeln für alle Bundesländer beschlossen werden. Im Hamburger Einzelhandel soll auch nach Montag weiterhin die 2G-Regel gelten.

Dehoga sieht Existenzen bedroht

Kritik kommt vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga), der fürchtet, dass 2G-Plus die Existenz von Kneipen und Restaurants bedrohen wird. Dehoga-Vizepräsident Niklaus Kaiser von Rosenburg sagt: "Besonders bedenklich ist die Tatsache, dass in Hamburg die meisten Menschen, die sich boostern lassen wollen, noch gar kein Booster-Angebot bekommen haben, das empfinden wir als zutiefst ungerecht." Und auch die Theater sehen neue Probleme auf sich zukommen. Ohnsorg-Intendant Michael Lang fürchtet, das nun weitere Menschen davon abgehalten würden ins Theater zu gehen.

Geisterspiele für HSV und St. Pauli

Überregionale Großveranstaltungen im Profisport müssen künftig auch in Hamburg wegen Corona als Geisterspiele abgehalten werden. Bislang hatte es eine vom Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz abweichende Ausnahmeregelung gegeben. Damit müssen nun ab Montag auch der HSV und der FC St. Pauli ohne Zuschauer und Zuschauerinnen auskommen. Und auch das Stadtderby zwischen den beiden Vereinen, das für den 21. Januar angesetzt ist, wird vor leeren Rängen stattfinden. Ebenfalls betroffen sind die Basketball- und Handball-Erstligisten Towers Hamburg und HSV Hamburg.

Weniger Zuschauer als bislang im Amateursport

Im Amateurbereich dürfen Sportveranstaltungen im Freien künftig nur noch vor höchstens 1.000 Zuschauern und Zuschauerinnen stattfinden. In Sporthallen soll eine Obergrenze von 200 Zuschauenden gelten, wie Schweitzer sagte. Bisher waren in Hamburg bei Veranstaltungen nach der 2G-Regel im Freien maximal 5.000 und in Hallen höchsten 2.500 Zuschauerinnen und Zuschauer zugelassen.

Keine Zuschauerbegrenzungen für feste Kultur-Spielstätten

Die neuen Zuschauerbegrenzungen gelten Schweitzer zufolge im Kulturbereich nur für Veranstaltungen ohne feste Spielstätte. "Bei festen Spielstätten, also zum Beispiel den bestehenden Konzerthallen, Theatern, Musicals mit den entsprechenden Lüftungs- und Hygienekonzepten bleiben die bestehenden Möglichkeiten bestehen", so der Senatssprecher.

Omikron in Hamburg die vorherrschende Variante

Auch in Hamburg sei Omikron auf dem Vormarsch. "Wir müssen davon ausgehen, dass Omikron mittlerweile die vorherrschende Variante ist", sagte Schweitzer. Derzeit seien zwar erst knapp 300 Fälle durch eine Sequenzierung nachgewiesen worden. Diese lägen aber aufgrund der Dauer des Nachweisverfahrens schon zwei Wochen zurück. Zudem gebe es Hunderte Verdachtsfälle. Schweitzer verwies zudem auf Aussagen von Wissenschaftlern, die von einer raschen Ausbreitung der Omikron-Variante ausgehen. Es wäre daher "sehr eigenartig", wenn dies in Hamburg nicht der Fall sein sollte. Er gehe deshalb davon aus, dass die meisten der aktuell gemeldeten Fälle von Neuinfektionen auf Omikron zurückzuführen seien.

Am Dienstag waren in der Hansestadt 1.468 neue Infektionen binnen 24 Stunden registriert worden. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf den neuen Rekordwert von 463,3.

Kritische Stimmen an neuen Regelungen

Kritik an den neuen Regeln kommt aus der Opposition im Hamburger Rathaus. Die AfD sieht 2G-Plus als katastrophale Sackgasse. Die CDU hingegen übt Kritik am nach wie vor schleppende Boostern. Die neuen Einschränkungen gingen deshalb auch aufs Konto des rot-grünen Senats.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 04.01.2022 | 14:00 Uhr

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