Yvonne Nische steht in einem Gerichtssaal. © NDR Foto: Reinhard Postelt

Rolling-Stones-Affäre: Geldstrafe für Hamburger Dezernentin

Stand: 26.08.2021 19:09 Uhr

Wegen der Annahme von Freikarten für ein Konzert der Rolling Stones ist Yvonne Nische, Sozialdezernentin des Bezirksamts Hamburg-Nord, zu einer Geldstrafe verurteilt worden.

Die Angeklagte habe sich der Vorteilsannahme und der Verleitung Untergebener zu einer Straftat schuldig gemacht, erklärte der Richter am Donnerstag am Amtsgericht Hamburg. Sie habe geduldet, dass auch vier ihr unterstellte Fachamtsleiter Freikarten annahmen.

Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert

Die 56-Jährige müsse darum 120 Tagessätze zu je 115 Euro bezahlen und die Kosten des Verfahrens tragen. Auch die Kosten der Freikarten für sie und ihren Begleiter in Höhe von 336,80 Euro sollen eingezogen werden. Insgesamt muss Nische rund 14.000 Euro zahlen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 300 Euro gefordert. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert.

"Da hätten alle Alarmglocken läuten müssen"

Im Urteil heißt es: "In der Führungsetage des Bezirksamts war das Gefühl abhandengekommen, was man als Beamter annehmen darf." Die Angeklagte hätte sich nicht auf die Aussage ihres Chefs, Ex-Bezirksamtsleiter Harald Rösler (SPD) verlassen dürfen, alles sei korrekt. Wörtlich sagte der Richter: "Gratiskarten für die berühmteste Rockband der Welt - da hätten alle Alarmglocken läuten müssen." Nische hätte beim Konzert der Rolling Stones auch weder Aufgaben der Repräsentation noch des Katastrophenschutzes wahrgenommen.

Berufung angekündigt

Der Anwalt von Nische sagte zu NDR 90,3: "Ich bin der Meinung, wer von seinem obersten Dienstvorgesetzten solche Karten bekommt und dann noch bestätigt wird, dass das genehmigt wurde, der darf die Karten dann auch im guten Glauben annehmen." Er wird nun Berufung einlegen und hofft, dass zuvor der Prozess gegen Rösler eröffnet wird.

Konzert im Stadtpark vom Bezirksamt genehmigt

Die beiden Tickets, die Nische angenommen hatte, gehörten zu einem Kontingent von 100 Freikarten. Diese soll Rösler vom Konzertveranstalter verlangt haben. Das Bezirksamt hatte das Konzert im Jahr 2017 mit mehr als 80.000 Besucherinnen und Besuchern im Hamburger Stadtpark genehmigt.

In einem ersten Verfahren wegen der Ticketaffäre war Ende 2019 eine ehemalige Staatsrätin zu einer Geldstrafe in Höhe von 120 Tagessätzen zu je 170 Euro verurteilt worden. Auch dieses Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 26.08.2021 | 19:00 Uhr

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