Stand: 18.07.2019 20:39 Uhr

Preiserhöhungen: Kritik an HVV-Plänen

Die angekündigten Preiserhöhung des Hamburger Verkehrsverbunds (HVV) sorgt für scharfe Kritik aus den Reihen der Opposition. Der HVV plant für das kommende Jahr eine Erhöhung von 2,2 Prozent. Ab Mitte Dezember soll eine Einzelfahrkarte dann 3,40 Euro kosten. Die Ganztageskarte soll auf 8 Euro steigen, das Profiticket auf 69,80 Euro. Der HVV werde einen entsprechenden Antrag stellen, sagte Geschäftsführer Lutz Aigner. Den Plänen müssen die politischen Gremien noch zustimmen.

Opposition kritisiert Erhöhung der Ticketpreise

Der CDU-Verkehrsexperte Dennis Thering kritisierte nun, die geplante Preiserhöhung schade dem Umstieg auf Bus und Bahn. Die Hamburger zahlten laut ADAC schon jetzt die bundesweit höchsten Preise für Monatskarten. Heike Sudmann (Die Linke) erklärte: "Jede Preiserhöhung ist zu viel. Wenn die SPD jetzt so tut, es sei es ein Segen, wenn es bei der Inflationshöhe bleibt: Selbst das ist mir zu wenig. Wir bekommen keine Verkehrswende ohne Preiswende."

Tschentscher hatte geringere Erhöhung angekündigt

Zuletzt war eher von niedrigeren Tarifen die Rede - etwa für Senioren und Auszubildende. Ende Juni kündigte Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) nicht nur eine Angebotsoffensive bei Bussen und Bahnen an, sondern erklärte auch, dass die Fahrpreise künftig nicht mehr so stark steigen und sich eher an der Inflation orientieren sollen. Sie lagt bundesweit bei 1,8 Prozent, in Hamburg im Verlauf der letzten zwölf Monate nur bei 1,5 Prozent. Der Verkehrsexperte der FDP, Ewald Aukes, sagte nun zu Tschentschers Äußerungen, er halte sie für ein leeres Versprechen, denn die geplante Erhöhung liege deutlich über der Inflation.

HVV-Chef: Kostensteigerung höher als geforderte Preisanhebung

Der HVV ermittelt den benötigten Einnahme-Zuwachs aus einem Index, in den die Kostenentwicklungen für Dieselkraftstoff, Strom und Personal sowie die Inflationsrate einfließen. Die Kosten der 28 Verbundunternehmen seien nur zu 74 Prozent gedeckt, erläuterte HVV-Chef Aigner. Eigentlich hätte die Index-Berechnung einen Preisanstieg von 3,0 Prozent ergeben, die Preisanhebung falle also geringer aus, als es die Kostenentwicklung eigentlich erfordern würde, sagte er. Zuletzt waren die Fahrpreise Anfang dieses Jahres gestiegen. Mit 2,1 Prozent war es der größte Preissprung seit vier Jahren.

Kommt HVV-Tarifstruktur auf den Prüfstand?

Ein vergünstigtes Jahresticket für Schüler und Azubis, das derzeit diskutiert wird, könnte von 2020 an umgesetzt werden, sagte der HVV-Chef. Das Vorhaben müsse noch mit den Landkreisen und den Ländern Niedersachsen und Schleswig-Holstein abgestimmt werden. "Je größer der HVV wird, um so komplexer werden die Anforderungen an das System", ergänzte Aigner. Er erwartet, dass die HVV-Tarifstruktur vom nächsten Jahr intensiver auf den Prüfstand kommt. "Der HVV-Tarif ist ein Großstadttarif, aber wir sind ein Verbund geworden, der mehr in die Fläche geht. Wir müssen daher das System modernisieren."

Aigner begrüßt Ausbau-Pläne des Senats

Die Zahl der Fahrgäste im Verbund der 28 Unternehmen ist 2018 laut HVV um 0,5 Prozent auf 784,4 Millionen gestiegen. "Es sind nicht mehr die Zuwachsraten von zwei bis drei Prozent wie in den Vorjahren", sagte Aigner. 2018 habe der lange Sommer zum Fahrradfahren animiert. Vor allem aber seien Kapazitätsengpässe und Baustellen im Verbundsystem eine Bremse. "Die Busse und Bahnen sind voll", sagte Aigner. Das sei nicht attraktiv für potenzielle, neue Nutzer des öffentlichen Nahverkehrs. Darum begrüßt Aigner die geplanten Angebote auf dem Weg zum sogenannten Hamburg Takt. Bürgermeister Tschentscher hatte bei der Vorstellung der Pläne Ende Juni gesagt: "Die Züge sollen häufiger fahren, sie sollen länger sein und es soll zusätzliche Buslinien geben." Von 2019 bis 2021 sollen mehr als 100 Millionen Euro in den Ausbau des Angebots fließen. Mit den geplanten Investitionen werde der Nahverkehr im HVV auf ein neues Niveau gebracht, sagte Aigner.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 18.07.2019 | 07:00 Uhr

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