Stand: 12.07.2018 11:31 Uhr

Politiker und Aktivisten fordern NSU-Aufarbeitung

Nach dem Urteil im Münchner NSU-Prozess gibt es auch in Hamburg die Forderung nach weiterer Aufklärung. Christiane Schneider von den Linken sprach sich für einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss aus. Die Hamburger Polizei hatte damals, als Süleyman Taşköprü 2001 im Lebensmittelgeschäft seiner Familie in Bahrenfeld erschossen wurde, in viele Richtungen ermittelt, nur die Spur eines rassistisch motivierten Mordes habe sie nicht verfolgt, sagte Schneider. Dabei habe es zu der Zeit in Hamburg eine militante rechte Szene gegeben. Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss könnte klären, ob der NSU um Beate Zschäpe Unterstützer in Hamburg hatte. Denn wie sonst, so Schneider, sei ausgerechnet Hamburg zum Tatort geworden?

Beate Zschäpe im Gericht

Urteil im NSU-Prozess: So reagiert Hamburg

Hamburg Journal -

Der NSU-Prozess endete mit lebenslänglicher Haft für Beate Zschäpe. Für Angehörige und Freunde des in Bahrenfeld getöteten Süleyman Tasköprü ist das Urteil jedoch kein Schlussstrich.

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Aufklärung vorantreiben

Auch Antje Möller, die innenpolitische Sprecherin der Grünen-Bürgeschaftsfraktion sagte, es seien noch viele Fragen offen. Sie will alle alten Akten zum Fall erneut durcharbeiten und die weitere Aufklärung in Hamburg vorantreiben. Das forderte auch die Türkische Gemeinde Hamburg. Die begrüßt das Urteil für Beate Zschäpe - und mahnte zugleich an, endlich nach deren Unterstützern zu suchen. Auch die Familie des Opfers hofft, dass Ermittler weiter der Frage nachgehen, ob der NSU weitere Unterstützer in Hamburg hatte.

Ein Demonstrant hält am 11.07.2018 in Rostock ein Schild mit der Aufschrift "Der NSU war nicht zu dritt" in der Hand. © dpa Bildfunk Fotograf: Danny Gohlke

Hamburger Reaktionen nach dem NSU-Urteil

NDR 90,3 - NDR 90,3 Aktuell -

Gemischte Gefühle nach dem Münchner NSU-Urteil: Hamburger Innenpolitiker fordern nun zu ermitteln, ob das NSU-Mördertrio Unterstützer in Hamburg hatte.

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Initiative will "Schließen der Aktendeckel" verhindern

In Hamburg demonstrierten am Mittwochabend rund 800 Menschen unter dem Motto "Fünf Jahre NSU-Prozess - Kein Schlussstrich" und forderten weitere Ermittlungen im Umfeld der verurteilten Beate Zschäpe. Das Gerichtsverfahren gegen Zschäpe und weitere Unterstützer des NSU habe das Netzwerk der rechtsextremen Gruppe nicht umfassend aufdecken können. Deshalb müsse es auch in Hamburg einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss geben - ein Anliegen, das von den Linken in der Bürgerschaft unterstützt wird.

Zu den bislang unbeantworteten Fragen gehören laut der Hamburger Initiative: Wie und von wem wurde Süleyman Taşköprü als Mordopfer ausgewählt? Welche Rolle und Aufgabe hatten die Hamburger Neonazis im NSU-Komplex und welche Beteiligung am Mord von Taşköprü ? "Es darf auf keinen Fall ein Schließen der Aktendeckel und ein Ende der Aufmerksamkeit geben", sagte Robin Steinbrügge von der Hamburger Initiative für die Aufklärung des Mordes kurz vor der Kundgebung. "Viele Fragen quälen die Familie weiter."

Weitere Informationen

Anwältin Gül Pinar: "Das war schwer zu ertragen"

Die Hamburger Anwältin Gül Pinar hat ihren Urlaub unterbrochen, um beim Urteil in München dabei zu sein. Sie vertritt die Familie von Süleyman Tasköprü. Ein Interview nach dem Urteil. (11.07.2018) mehr

Link

Liveblog zum Nachlesen: Lebenslang für Zschäpe

Im NSU-Prozess hat das OLG München Beate Zschäpe zu lebenslanger Haft verurteilt. Ihre Anwälte kündigten Revision an. Der Liveblog zum Nachlesen auf tagesschau.de. extern

Wer war das NSU-Opfer Süleyman Taşköprü?

Süleyman Taşköprü lebte als Familienvater in Hamburg-Altona und träumte von schnellen Autos. Im Sommer 2001 wird er vom NSU ermordet. Ein Freund der Familie erinnert sich. (26.06.2014) mehr

NSU-Morde in Hamburg und Rostock

Die Neonazi-Gruppe NSU soll mindestens zehn Menschen getötet haben. Auch Hamburg und Rostock waren Schauplätze der Anschläge auf Zuwanderer. Die Polizei ermittelte in die falsche Richtung. (06.04.2016) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 11.07.2018 | 06:30 Uhr

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