Stand: 22.03.2019 20:55 Uhr

Pilotprojekt: Hamburg testet Abbiegeassistenten

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Ein frisch zertifiziertes System zeigt per Kamera einen Mann an, der im toten Winkel eines Lastwagens steht.

Immer wieder kommt es mit abbiegenden Lastwagen zu tödlichen Radfahrerunfällen - so wie zuletzt am Dienstag in Stellingen, als ein 48-Jähriger ums Leben kam. Hamburg will nun mit einem Pilotprojekt umsteuern: Insgesamt 18 Fahrzeuge der Hamburger Behörden werden mit einem Abbiegeassistenten ausgestattet, wie Innensenator Andy Grote (SPD) und Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) am Freitag mitteilten.

Im Test: Radar, Kameras und Ultraschall

Vier mit Sicherheitstechnik ausgestattete 20-Tonner stellten die Hamburger Behörden jetzt der Öffentlichkeit vor, darunter Fahrzeuge der Feuerwehr, der Bezirksämter, der Stadtreinigung und einer privaten Spedition. Die Lastwagen werden mit drei verschiedenen Systemen getestet: Radar, Kameras und Ultraschall. Bis Ende nächsten Jahres sollen dann alle 2.200 städtischen Fahrzeuge über 3,5 Tonnen entsprechend ausgestattet sein.

Ein Abbiegeassitent an einem LKW.

Hamburg testet Abbiegeassistenten

Hamburg Journal -

Hamburg hat 18 städtische Fahrzeuge mit einem Abbiegeassistenten ausgerüstet. Sechs Monate lang werden verschiedene Betriebssysteme getestet, um die Sicherheit auf den Straßen zu erhöhen.

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"Können nicht noch Jahre warten"

"Wir müssen bei der Ausrüstung von Fahrzeugen mit Abbiegeassistenten endlich vorankommen und können nicht noch Jahre warten, bis auf EU-Ebene eine verpflichtende Einführung geregelt wird", sagte Grote. Westhagemann erklärte: "Wir wollen die schwächeren Verkehrsteilnehmer mit diesem Projekt besser schützen." Die Zustimmung Hamburger Spediteure sei groß, nur im EU-Ausland hapere es noch.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte am Donnerstag die erste Allgemeine Betriebserlaubnis für ein Abbiegeassistenzsystem übergeben. Sie ging an die Hamburger Firma Luis Technology GmbH, die eines der Systeme entwickelt hat, die jetzt beim Test in Hamburg zum Einsatz kommen.

Fahrrad-Club lobt das Projekt

Dirk Lau von Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) in Hamburg begrüßte das Pilotprojekt in der Hansestadt. Es sei ein längst überfälliger Schritt. Jedes technische Mittel sei gut, wenn es helfe, die Gefahr durch abbiegende Lkw zu verringern. Er betonte, es müsse aber auch eine sicherere Infrastruktur für Radfahrer aufgebaut werden. Martin Bill, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen Bürgerschaftsfraktion, sprach von einer wichtigen technischen Einrichtung, "um die oftmals tragischen Unfälle mit abbiegenden Lkw zu vermeiden."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 22.03.2019 | 13:00 Uhr

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