Stand: 15.02.2019 21:10 Uhr

Nach dem A380-Aus: Gespräche beginnen

Nach dem Aus für den Airbus A380 haben am Freitag die Gespräche zwischen Betriebsrat und Unternehmensführung begonnen. Wie viele Beschäftigte im Norden tatsächlich betroffen sind, ist bislang unklar.

Erst einmal müsse die Unternehmensführung alle Zahlen auf den Tisch legen, forderte Jan Marcus Hinz, der Gesamtbetriebsratsvorsitzende von Airbus. Die meisten Mitarbeiter würden sich aber nicht allzu viele Sorgen darüber machen, ob sie bleiben können. Die Auftragsbücher seien voll, gerade bei den Maschinen aus der A320-Familie, die zu einem großen Teil in Hamburg gefertigt werden.

Wirtschaftssenator optimistisch

Auch Wirtschaftssenator Michael Westhagemann (parteilos) geht davon aus, dass wahrscheinlich alle Betroffenen innerhalb des Konzern beschäftigt bleiben. Das sei das Aus für den A380, nicht für den Luftfahrtstandort Hamburg, sagte Westhagemann. Die IG Metall appelliert an Politik und den Airbus-Konzern, die Zuliefererbetriebe nicht zu vergessen. Viele hätten ohnehin Probleme, müssten Teile der Produktion ins Ausland verlagern, so Emanuel Glass, Chef der IG Metall Region Hamburg. Er fordert von Airbus, die Zulieferer mit einzubinden, wenn es um die Sicherung von Jobs geht.

Airbus-Chef: "Schmerzliche Ankündigung"

Am Donnerstag hatte der Airbus-Konzern bekannt gegeben, dass er die Produktion des Riesenjets A380 beenden will. Die letzte Auslieferung sei für 2021 geplant, teilte der Flugzeugbauer mit. Nachdem die arabische Fluggesellschaft Emirates ihre Bestellung reduziert habe, gebe es keine Grundlage mehr für eine Fortsetzung des Prestige-Projektes. "Die heutige Ankündigung ist schmerzlich für uns", sagte Airbus-Konzernchef Tom Enders. Der Passagierjet werde aber noch viele Jahre lang am Himmel unterwegs sein.

Werkverträgler und Leiharbeiter bangen um Jobs

Etwa 3.000 bis 3.500 Stellen könnten in den kommenden drei Jahren betroffen sein. In Hamburg sind es geschätzt etwa ein Drittel davon. Es werde aber zahlreiche Möglichkeiten für interne Stellenwechsel geben, sagte Airbus-Chef Enders. Bis Ende 2020 sind in den deutschen Werken Kündigungen in der Stammbelegschaft aufgrund einer Vereinbarung mit der IG Metall ausgeschlossen. Vor allem Werkverträgler und Leiharbeiter werde das Ende der A380-Produktion treffen, sagte Emanuel Glass von der IG Metall in Hamburg im NDR Fernsehen.

IG Metall: Entscheidung ist nachvollziehbar

"Es ist schade um den schönen Flieger", sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste am Donnerstag. "Aber die Entscheidung des Vorstands ist nachvollziehbar, da sich die A380 nicht verkauft." Durch den Hochlauf in anderen Programmen habe Airbus weiterhin gut zu tun. Die Beschäftigten hätten an den norddeutschen Standorten durch die Modelle A320, A330 und A350 reichlich Arbeit. In Hamburg-Finkenwerder werden große Teile des Rumpfes gebaut. Außerdem bekommt der A380 hier seine Inneneinrichtung, die Maschinen werden lackiert. Aus Stade stammen die Seitenleitwerke, aus Bremen die Landeklappen.

"In Bremen sind in der Produktion und der Entwicklung schätzungsweise bis zu 80 Kolleginnen und Kollegen betroffen", sagte Betriebsratschef Jens Brüggemann am Donnerstag. "Wir sehen keinen Grund, dass diese Mitarbeiter in Bremen nicht weiter mit Arbeit versorgt werden können." Die letzte Landeklappe dürfte in Bremen Ende 2020 gefertigt werden.

Große Nachfrage beim A320

In Hamburg steigert der Flugzeugbauer gerade die Produktion des Mittelstreckenjets A320, für den die Nachfrage besonders groß ist. Außerdem steigt die Zahl der Bestellungen für den Langstreckenflieger A350, an dem ebenfalls die Werke in Hamburg und Stade beteiligt sind. Der größte A380-Kunde Emirates hat einenTeil seiner A380-Bestellungen umgewandelt und setzt auf die flexibleren A350-Modelle.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.02.2019 | 06:30 Uhr

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