Stand: 14.04.2018 07:47 Uhr

Messerstecher hatte Frau zuvor bedroht

Nach der tödlichen Messerattacke auf ein einjähriges Mädchen und dessen 34-jährige Mutter in der Hamburger Innenstadt hat das Amtsgericht am Freitag Haftbefehl gegen den 33 Jahre alten Vater erlassen. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Ihm werde Mord in zwei Fällen vorgeworfen, sagte Oberstaatsanwältin Nana Frombach. Der Mann hatte seine 34-jährige ehemalige Lebensgefährtin schon vor der Bluttat bedroht, wie aus den Akten des Amtsgerichts St. Georg hervorgeht. Er habe im Januar einen Antrag auf das gemeinsame Sorgerecht für das einjährige Mädchen bei Gericht gestellt. Die Mutter habe dem nicht zustimmen wollen.

Sorgerechtsstreit um die Tochter

Die Frau zeigte ihn demnach an und sagte der Polizei, dass er sie und das Kind bedroht habe. Es habe ungewollte Kontakte zwischen den Eltern gegeben, bei denen der 33-Jährige die Mutter verfolgt habe. Auf Gewalttätigkeiten finde sich in den Akten aber kein Hinweis. Die Polizei habe ihn mit einer sogenannten Gefährder-Ansprache verwarnt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Im März habe dann das Familiengericht entschieden, dass er seine Tochter nur in Begleitung einer Fachkraft sehen dürfe und an einem Anti-Aggressions-Training teilnehmen müsse. Gleichzeitig wollte der Mann offenbar erreichen, dass nicht nur die Mutter das Sorgerecht hat, sondern beide gemeinsam. Einen Tag vor dem Messerangriff habe das Familiengericht diesen Antrag abgelehnt, sagte ein Gerichtssprecher.

Die Entscheidung hätte Einfluss auf den Aufenthaltsstatus des Mannes haben können. Der Mann stammt aus dem Niger und war 2013 nach Hamburg gekommen. Als Mitglied der sogenannten Lampedusa-Gruppe lebte er zunächst in der St. Pauli Kirche, später dann in einer Flüchtlingsunterkunft in Farmsen-Berne.

Ein weiterer Mann war dabei

Auch zum Ablauf der Tat gibt es neue Details: Bei dem tödlichen Messerangriff war noch ein weiterer Mann zugegen, wie die Staatsanwaltschaft am Freitag bestätigte. Er werde in den Ermittlungen aber als Zeuge und nicht als Beschuldigter behandelt. "Seine Rolle muss jetzt geklärt werden." Der Mann sei beim Eintreffen der Polizei nicht mehr am Tatort gewesen, sondern habe erst ermittelt werden müssen. Nähere Angaben zur Person machte sie nicht. Zunächst hatte die "Bild"-Zeitung über den Mann berichtet. Dem Blatt zufolge handelt es sich bei ihm um den neuen Freund der getöteten Frau. Er soll die Bluttat mit angesehen und anschließend vom Tatort geflüchtet sein.

Das einjährige Mädchen und seine 34 Jahre alte Mutter waren am Donnerstag auf dem S-Bahnhof Jungfernstieg getötet worden - vor den Augen vieler Menschen und eines weiteren Kindes der Frau, eines drei Jahre alten Jungen. Die Frau hat vier weitere Kinder von verschiedenen Vätern.

Vier weitere Kinder zwischen drei und 15 Jahre alt

Der Sprecher der Sozialbehörde, Marcel Schweitzer, versicherte, dass die Geschwister des toten Mädchens nun alle nötige Hilfe erhielten. "Das Jugendamt in Hamburg-Mitte wird dies sicherstellen", erklärte Schweitzer. Die drei älteren zwischen acht und 15 Jahre alten Kinder wurden bei einer Person aus dem Familienumfeld untergebracht. Ein dreijähriges Kind wurde vom Kinderschutzzentrum in Obhut genommen. "Die abscheuliche Tat am Jungfernstieg war keine Familientragödie. Für mich war es ein Doppelmord", sagte Schweitzer. Am Tatort auf dem Bahnsteig im S-Bahnhof Jungfernstieg lagen am Freitag Blumen.

Tödliche Messerstiche am Jungfernstieg

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.04.2018 | 15:00 Uhr

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