Maskenlieferung des Gesundheitsministeriums wirft Fragen auf

Stand: 09.03.2021 19:25 Uhr

Das Bundesgesundheitsministerium verschenkte noch im Dezember und Januar KN95-Masken, die zu Beginn der Pandemie nur einen Schnelltest durchlaufen hatten. Hamburger Wohlfahrtsverbände warnen aus Sicherheitsgründen intern vor dem Gebrauch.

Die Masken hatte das Bundesgesundheitsministerium im Rahmen eines sogenannten Maskenhilfspakets verschenkt. Obwohl zum Jahreswechsel bereits wieder ausreichend aufwändiger geprüfte Masken auf dem Markt waren, wurden stationäre Pflegeeinrichtungen, ambulante Pflegedienste, Tagespflegen und Hospize in Hamburg ungefragt mit den Schnelltestmasken beliefert.

Zweifel an der Qualität der Masken

Die Masken, die das Bundesgesundheitsministerium lieferte, hat das Land Baden-Württemberg noch einmal bei der Dekra überprüfen lassen. 13 Modelle fielen bei den Tests durch. Als der Paritätische Hamburg davon erfuhr, warnte er seine 70 Einrichtungen vor der Verwendung dieser Maskenmodelle.

Strategische Reserve in Hamburg betroffen

Auf einem Pappkarton steht "FFP2 8.1.21 Hr. Spahn".
2,2 Millionen Masken wurden in Hamburg eingelagert.

Auf Nachfrage des Hamburg Journals teilte die Hamburger Gesundheitsbehörde mit, man habe nach der Warnmeldung aus Baden-Württemberg die eigenen Bestände kontrolliert. Entsprechende Masken seien sofort gesperrt und nicht mehr ausgegeben worden. Im zentralen Lager der strategischen Reserve in Hamburg seien insgesamt 2,2 Millionen Masken mit KN95- beziehungsweise FFP2-Standard des Bundes eingelagert worden. Rund 1,1 Millionen KN95-Masken aus den Bundeslieferungen seien noch vorhanden, so die Hamburger Gesundheitsbehörde. Wie viele Maskenmodelle, die in der Warnung aus Baden-Württemberg genannt werden, bereits aus dem Zentrallager ausgegeben worden seien, sei aufgrund der Mischlieferungen des Bundes nicht mehr nachvollziehbar. Die Masken seien damals schnellstmöglich an Einrichtungen weitergeleitet worden.

AWO sieht Lieferung kritisch

Der Maskenlieferung des Bundesgesundheitsministeriums lagen keine Prüfzertifikate bei. Auf Nachfrage erhielt die AWO Hamburg über die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young ein Schreiben des Bundesgesundheitsministeriums. Darin heißt es, die Masken entstammten dem in der Hochphase der Pandemie aufgrund von Sonderregelungen angeschafften Bestand der Bundesrepublik. Die Bundesrepublik hafte nicht dafür, dass die Masken verkehrsfähig und frei von Mängeln seien. Sie sollten lediglich in Mangelsituationen als "eiserne Reserve" verwendet werden und vorrangig sollten die Einrichtungen diejenigen Masken verwenden, die auf dem üblichen Marktwege beschafft wurden.

Ein Mann hält eine eingepackte KN95-Maske in der Hand.
Sichere Masken sollten über ein Prüfzertifikat verfügen.

Für die AWO kommt die Nutzung der Masken aus der Bundeslieferung nicht in Frage.  Masken müssten sicher sein und über ein CE-Zeichen verfügen oder ein Prüfzertifikat, nur dann wolle man sie in den Einrichtungen einsetzen, so Pressesprecher Frank Krippner.

Prüfungen durch das Bundesgesundheitsministerium

Laut Bundesgesundheitsministerium haben die verschenkten Masken zu Beginn der Corona-Pandemie Qualitätsprüfungen bestanden, die damals in einer EU-Richtlinie empfohlen worden seien. Die Richtlinie mit vereinfachten Prüfbedingungen trat im März 2020 in Kraft, weil damals zu wenig Masken auf dem Markt waren. Diese Mangelsituation wurde vom Bundesarbeitsministerium zum 1. Oktober 2020 für beendet erklärt. Das Bundesgesundheitsministerium teilte dem NDR auf Anfrage mit, das Prüfverfahren habe aus einer Inspektions- sowie anschließenden Laborprüfung bestanden. Diese hätten in Übereinstimmung mit der Empfehlung der EU zu Beginn der Pandemie sowie in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und dem TÜV Nord stattgefunden.

Problematische Masken erkennen

Die BGW als gesetzliche Unfallversicherung für nicht staatliche Einrichtungen im Gesundheitsdienst und in der Wohlfahrtspflege schreibt auf Anfrage, man habe ein großes Interesse daran, die Versicherten bestmöglich zu schützen. Dafür seien sichere Atemschutzmasken unverzichtbar. Damit eine Atemschutzmaske ausreichend Schutz biete, müsse sie fehlerfrei produziert sein und korrekt sitzen.

Wie das überprüft werden kann, hat die BGW in ihrem Masken-Kompass zusammengestellt. In einem "Fake Check" wird dargestellt, welche Beschriftungen eine FFP-Maske haben muss. Das helfe Arbeitgebern und Beschäftigten, qualitativ hochwertige filtrierende Halbmasken zu erkennen und die Beschaffung oder Verwendung von unzureichender Schutzausrüstung, Mängelexemplaren oder sogar Fälschungen zu vermeiden, so die BGW.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 09.03.2021 | 19:30 Uhr

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