Stand: 25.01.2019 13:07 Uhr

Kritik am Kammer-Chaos aus Politik und Wirtschaft

Wirtschaftverbände und die Politik kritisieren das Chaos in der Hamburger Handelskammer. Am Donnerstagabend war die Wahl eines neuen Kammer-Präses vorerst gescheitert. Keiner der beiden Kandidaten erreichte die notwendige Mehrheit. Der Hafenmanager Johann Killinger erhielt 30 Stimmen, der Finanzunternehmer Torsten Teichert 26 Stimmen. Die gescheiterte Wahl sorgte schon am Donnerstag bei Mitgliedern der Handelskammer für Ärger. Sie sprachen von "Super-Gau" und "Chaos pur". Ähnlich äußerten sich am Freitag Politiker und Handelsvertreter.

Kritik aus Politik und Wirtschaft

"Das ist eine unerträgliche Situation, man muss sich als Hamburger schämen", sagte Gunther Mengers, Vorsitzender der Versammlung eines Ehrbaren Kaufmanns. Oft werde er von Geschäftspartnern außerhalb der Stadt auf das Chaos angesprochen. Die Kammer taumele dem Abgrund entgegen, sagte FDP-Fraktionschef Michael Kruse. Carsten Ovens von der CDU meinte, die Querelen hätten mit der gescheiterten Präses-Wahl einen neuen Tiefpunkt erreicht. Hansjörg Schmidt von der SPD appelliert: "Die Arbeit der hauptamtlichen Mitarbeiter in der Kammer dürfe nicht unter dem Streit im Plenum leiden".

Der gescheiterte Präses-Kandidat Torsten Teichert bringt unterdessen die Idee ins Gespräch, dass die Kammer längere Zeit ohne gewählten Präses arbeitet: "Alle Leute glauben immer, dass der Präses eine Art von Nebengott ist, das ist aber nicht so", so Teichert. Das Präsidium könne auch gut mit sechs Leuten arbeiten, die würden dann einen aus ihrer Mitte wählen. Das wäre eine Option. Eine, die sich auch weitere Plenumsmitglieder vorstellen können.

Mücke bleibt kommissarischer Präses

Die Vizepräsides hatten sich direkt nach der gescheiterten Präses-Wahl einstimmig darauf geeinigt, dass wie bisher André Mücke vorübergehend die Geschäfte führt. Er hat dieses Amt schon seit Dezember inne, der bisherige Präses Tobias Bergmann war Anfang Dezember zurückgetreten.

Neuwahl im März oder erst 2020?

Wann ein neuer Präses gewählt wird, ist noch offen. Denkbar wäre ein Termin im März. Bis dahin können sich weitere Kandidaten bewerben. Denkbar wäre aber auch, dass es zunächst gar keinen gewählten Präses gibt. Denn 2020 stehen ohnehin Neuwahlen zum Plenum der Handelskammer an.

Knappes Duell zwischen ehemaligen Weggefährten

Das knappe Duell am Donnerstag war eines zwischen zwei ehemaligen Weggefährten: Teichert hat einst Killinger überhaupt erst für die "WIR"-Gruppe der Kammerrebellen angeworben. Beide sind SPD-Mitglied - und haben als Vizepräses die Kammer mit umgebaut. Der 61-jährige Teichert war persönlicher Referent des damaligen Bürgermeisters Klaus von Dohnanyi (SPD), später Vorstandschef einer Investmentgesellschaft und ist bekannt für seine eher linken Ansichten.

Wahl gilt für rund ein Jahr

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Der neue Präses benötigt 34 von 66 Mitgliedern des Plenums (Archivfoto).

Die Wahlen sind notwendig geworden, nachdem Bergmann Anfang Dezember als Präses zurückgetreten war. Er war der Anführer der so genannten Kammer-Rebellen "Die Kammer sind wir" und hatte Anfang 2017 mit seiner Gruppierung einen triumphalen Wahlsieg errungen. Die Wahlsieger konnten jedoch zentrale Wahlversprechen nicht umsetzen, insbesondere die Aufhebung der Pflichtbeiträge für die Kammer. Nach internen Streitereien sah Bergmann keine hinreichende Unterstützung mehr und warf das Handtuch.

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Hamburg Journal | 25.01.2019 | 12:00 Uhr

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