Stand: 24.06.2018 20:07 Uhr

Katholische Schulen: Initiative legt Vertrag vor

Das Ringen um die Rettung der katholischen Schulen in Hamburg geht in die entscheidende Runde. Die Initiative für eine Schulgenossenschaft hat am Sonntag Details zu einem Rettungsplan vorgelegt. Gemeinsam mit dem Erzbistum will sie zunächst fünf Schulen betreiben. Für zwei von ihnen, die Grund- und Stadtteilschule in Altona und das Niels-Stensen-Gymnasium in Harburg, hatte das Bistum das Aus bereits beschlossen. Für die Grund- und Stadtteilschulen in Neugraben und Harburg wurde dies geprüft. Der katholischen Kirche im Norden drohe anderenfalls ein Finanzloch von fast 80 Millionen Euro, so die Begründung. Die fünfte Schule, die in das Pilotprojekt aufgenommen wird, die Bonifatiusschule Wilhelmsburg, wäre auch ohne Genossenschaft weiter betrieben worden.

Finanzkonzept soll Wirtschaftlichkeit belegen

Die Genossenschafts-Initiative ist davon überzeugt, dass sie die bedrohten Schulen im Süderelberaum und die Stadtteilschule Altona wirtschaftlich weiterführen kann. Das nun vorgelegte Finanzkonzept soll das belegen. Außerdem habe die Genossenschaft ein Rahmenschulprogramm präsentiert, aus dem sich die fachlichen Ansprüche ergeben. Und auch eine Satzung der Schulgenossenschaft wurde vorgelegt. "Das heißt wir können sofort den Schlüssel umdrehen bei einer positiven Entscheidung des Bistums und starten", so Sprecher Nikolas Hill.

Gremien und Heße müssen noch zustimmen

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Nun liegt es an ihm: Neben den kirchlichen Gremien muss Erzbischof Heße den Verträgen zustimmen.

Voraussetzung für die Rettung ist nämlich, dass das Erzbistum die vorgelegte Rahmenvereinbarung unterzeichnet. Darin ist die gemeinsame Verantwortung für alle 21 katholischen Schulen in Hamburg festgelegt. Am kommenden Dienstag wollen die katholischen Gremien darüber beraten. Das letzte Wort hat dann Erzbischof Stefan Heße. Sagt er nein, bedeutet das auch das Aus für die Idee einer Hamburger Schulgenossenschaft. Stimmt er den Vereinbarungen zu, soll noch am Freitag die Schulgenossenschaft feierlich gegründet werden.

Pilotprojekt in Hamburgs Süden

In der vergangenen Woche hatten sich das Erzbistum Hamburg und die Initiative Hamburger Schulgenossenschaft nach einem Streit wieder angenähert. In einem Gespräch habe man sich auf mögliche Schulstandorte für ein gemeinsames Pilotprojekt geeinigt, teilten beide Seiten am Mittwoch mit. "Wir haben die Schulgenossenschaft eingeladen, gemeinsam mit uns ein tragfähiges Konzept für die Schulen im Hamburger Süden zu entwickeln", sagte Erzbischof Stefan Heße. Anschließend seien die Gremien des Erzbistums zu beteiligen und deren Zustimmung einzuholen.

Details sollen bis zum Juli beraten werden

Das Erzbistum Hamburg hatte Ende Januar angekündigt, aufgrund seiner schlechten wirtschaftlichen Lage bis zu 8 seiner 21 katholischen Schulen in der Hansestadt zu schließen. Drei Schulen könnten erhalten bleiben, wenn die Kirche finanzielle Unterstützung von außen bekäme. Anfang Mai einigte sich das Erzbistum mit der Hamburger Schulgenossenschaft, die alle Schulen erhalten möchte, auf eine Zusammenarbeit. Über Details der Kooperation soll bis zum 5. Juli beraten werden.

Große finanzielle Schwierigkeiten

Das Erzbistum Hamburg ist mit knapp 80 Millionen Euro überschuldet. Nach einem Bericht der Unternehmensberatung Ernst & Young würde die Summe bis 2021 auf bis zu 350 Millionen Euro anwachsen, falls nicht umgesteuert wird. Das Erzbistum unterhält in Hamburg bislang 18 Grund- und Stadtteilschulen sowie drei Gymnasien mit insgesamt rund 9.000 Schülern. Es ist damit der größte private Schulträger in Hamburg.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.06.2018 | 16:00 Uhr

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