Stand: 13.01.2020 14:43 Uhr  - NDR 90,3

KZ-Prozess: Nebenkläger zieht zurück

Bild vergrößern
Moshe Peter Loth kam zum Prozess aus den USA. Mit den Worten "Passen Sie alle auf! Ich werde ihm vergeben." hatte er den Angeklagten im November umarmt.

Knapp zwei Monate nach einem spektakulären Auftritt eines amerikanischen Zeugen im Stutthof-Prozess hat der 76-Jährige seinen Antrag auf Nebenklage-Zulassung am Montag zurückgezogen. Der angebliche NS-Überlebende Moshe Peter Loth war offenbar nie in dem Konzentrationslager untergebracht. "Wir begrüßen die Entscheidung", sagte die Vorsitzende Richterin dazu. Der Nebenklagevertreter hatte damit einer Entscheidung des Gerichts vorgegriffen.

Angaben stimmten nicht

Die Jugendkammer hatte nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" die Glaubwürdigkeit des 76-Jährigen prüfen lassen. Aus dem Bericht ging hervor, dass die Angaben des Zeugen und Nebenklägers zu seinem Leben zumindest teilweise nicht stimmen können. So hatte Loth vor Gericht gesagt, er sei als Säugling mit seiner jüdischstämmigen Mutter in dem Konzentrationslager bei Danzig interniert gewesen und habe dort auch eine Häftlingsnummer eintätowiert bekommen.

"Unsere Nachforschungen haben ergeben, dass tatsächlich nur in Auschwitz Häftlingsnummern eintätowiert wurden", sagte die Richterin. Die Kammer sehe den Vortrag des Zeugen deshalb als "nicht so besonders glaubwürdig" an. Der aus den USA angereiste Loth hatte im November für Aufsehen gesorgt, als er zum Schluss seiner Aussage erklärt hatte, er vergebe dem Angeklagten - und ihn unter Tränen umarmt hatte.

93-Jähriger angeklagt

In dem Prozess vor dem Hamburger Landgericht geht es um den 93-jährigen Bruno D. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum Mord in 5.230 Fällen vor. Als SS-Wachmann im KZ Stutthof soll er zwischen dem 9. August 1944 und dem 26. April 1945 "die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt" haben. Zu Beginn seines Prozesses hatte er behauptet, er habe damals keine Wahl gehabt.

Weitere Informationen
01:37

Bruno D.: Der Fall in Zahlen

Der SS-Wachmann Bruno D. des nationalsozialistischen Konzentrationslagers Stutthof bei Danzig muss sich wegen Beihilfe zum Mord an 5.230 Menschen vor dem Landgericht Hamburg verantworten. Video (01:37 min)

Historiker belastet früheren KZ-Wachmann

Im Prozess gegen den früheren KZ-Wachmann Bruno D. hat ein Historiker dessen Angaben widerlegt. Unterdessen gibt es Zweifel an einem Nebenkläger, der den Angeklagten umarmt hatte. (06.01.2020) mehr

KZ-Wachmann: "Keinen Beitrag zum Holocaust geleistet"

Im Hamburger Prozess gegen einen früheren KZ-Wachmann hat der Angeklagte ausgesagt, dass er nicht am Holocaust beteiligt gewesen sei. Er hätte nie auf einen Menschen geschossen. (17.12.2019) mehr

Stutthof-Prozess: Ex-KZ-Wachmann unter Druck

Im Hamburger Prozess gegen einen früheren KZ-Wachmann hat die Vorsitzende Richterin den Angeklagten mit Nachfragen unter Druck gesetzt. Der 93-Jährige beteuerte seine Unschuld. (16.12.2019) mehr

Holocaust - Das beispiellose Verbrechen

Mehr als sechs Millionen Juden wurden während der NS-Zeit von Deutschen systematisch ermordet. Jedes Jahr am 27. Januar erinnert ein Gedenktag an alle Opfer des Nationalsozialismus. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 13.01.2020 | 14:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:00
Hamburg Journal
02:58
Hamburg Journal
04:04
Hamburg Journal