Stand: 16.08.2020 07:19 Uhr

Hunderte bei Demonstrationen in Hamburg

In Hamburg haben am Sonnabend gleich mehrere große Demonstrationen stattgefunden. In der Innenstadt protestierten am Nachmittag nach Angaben der Polizei 1.000 Menschen auf dem Jungfernstieg. Sie folgten der Organisation "Querdenken 40", die zur Kundgebung gegen die Corona-Schutzmaßnahmen aufgerufen hatte. Es handelt sich dabei um einen Ableger der Stuttgarter Aktion "Querdenken 711".

Verstöße gegen Abstandsregeln

Von einer Bühne in einem Pavillon aus kritisierten Redner unter anderem die Corona-Schutzmaßnahmen. Einer der Redner drohte einer Journalistin mit Konsequenzen nach ihrem kritischem Bericht über die Demo-Organisatorin. Einige betonten die Friedfertigkeit und Dialogbereitschaft der Initiative "Querdenken" und erklärten, die Corona-Maßnahmen in Deutschland verstießen gegen mehrere Artikel des Grundgesetzes. In der Menge wurden Deutschlandflaggen geschwenkt. "Niemand hat das Recht Kindern den freien Atem zu nehmen" stand auf einem Transparent, eine deutliche Kritik an der Maskenpflicht.

Teilnehmende ohne Masken

Da die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer keine Gesichtsmasken trugen und im Laufe der Veranstaltung auch die Abstände immer geringer wurden, forderte die Polizei die Veranstalter nach eineinhalb Stunden auf, die Versammlung zu beenden. Die Auflagen für die Kundgebung würden nicht mehr eingehalten. Die Veranstalter reagierten darauf, indem sie die Demonstranten sich neu aufstellen ließen - mit Erfolg: Die Demo durfte fortgesetzt werden.

Menschen versammeln sich auf dem Hamburger Jungfernstieg zu einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen. © picture alliance/dpa Foto: Markus Scholz
Am Jungfernstieg versammelten sich Hunderte Menschen, die meisten ohne Mundschutz.

Parallel zur Kundgebung hatte das Bündnis gegen Rechts am Ballindamm zu einer Gegenveranstaltung aufgerufen, an der sich nach Polizeiangaben 50 Menschen beteiligten. Am Jungfernstieg skandierten Demonstrierende "Nazis raus!".

Kameramann verletzt

Am Rande der "Querdenker"-Demo wurde ein Kameramann mit Faustschlägen attackiert. Er trug eine Platzwunde auf der Stirn davon. Der "Querdenker"-Protest hatte offenbar verschiedene Gruppen zusammengebracht. Verschwörungsanhänger, Impfgegner, aber auch 20 bis 25 Rechtsextremisten wurden im Vorfeld vom Verfassungsschutz unter den Teilnehmenden vermutet. Der Verfassungsschutz behält die Organisation der sogenannten Querdenker weiterhin im Fokus. Bei ihren vergangenen Demonstrationen gegen die Corona-Maßnahmen seien auch Rechtsextremisten dabei gewesen. Die Extremisten hätten die Demos bislang allerdings nicht geprägt.

Demo auf St. Pauli für Seenotrettung

Bei einer anderen Kundgebung auf St. Pauli fanden sich am Mittag bis zu 650 Demonstrierende ein, um sich für die Seenotrettung im Mittelmeer einzusetzen. Das Bündnis Seebrücke fordert unter anderem von der Bundesregierung den Einsatz ziviler Seenotrettungsschiffe sowie die Aufnahme aller geflüchteten Menschen von den Schiffen mit Heimathafen Hamburg. Um die Corona-Vorschriften einzuhalten, teilten sich die Teilnehmenden in einzelne Blöcken von maximal 75 Personen auf.

Demo der Black Community

Eine weitere Demonstration fand auf dem Johannes-Brahms-Platz statt. Etwa 250 Menschen folgten laut Polizei einem Aufruf der Black Community Hamburg. Die Teilnehmenden forderten Gerechtigkeit nach dem Tod eines 34-jährigen Kameruners am UKE. Die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen gegen drei Sicherheitsmitarbeiter und eine Stationsärztin eingestellt, weil die Maßnahmen durch Notwehr beziehungsweise Nothilfe gerechtfertigt gewesen seien, so die Behörde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 16.08.2020 | 08:00 Uhr

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