Stand: 06.01.2020 19:39 Uhr  - NDR 90,3

Historiker belastet früheren KZ-Wachmann

Im Hamburger Prozess um einen früheren KZ-Wachmann hat ein Historiker am Montag Angaben des Angeklagten widerlegt. Der Sachverständigte Stefan Hördler sagte, der heute 93-jährige Bruno D. hätte sich damals dem Dienst im Konzentrationslager Stutthof entziehen können.

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Bruno D. ist wegen Beihilfe zum Mord in 5.230 Fällen angeklagt. Er bestreitet eine Beteiligung am Holocaust.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem angeklagten 93-Jährigen Beihilfe zum Mord in 5.230 Fällen vor. Als SS-Wachmann im KZ Stutthof soll er zwischen dem 9. August 1944 und dem 26. April 1945 "die heimtückische und grausame Tötung insbesondere jüdischer Häftlinge unterstützt" haben. Zu Beginn seines Prozesses hatte er behauptet, er habe damals keine Wahl gehabt. Den Einsatz in Stutthof hätte er nicht verweigern können.

Bruno D. hätte sich offenbar zurückversetzen lassen können

Dem aber widersprach der Sachverständige. Der Historiker sagte, der Angeklagte sei bei seinem Einsatz in Stutthof Wehrmachtssoldat gewesen. Erst zwei Monate später, im September 1944, gehörte er der SS an. Bis zu diesem Zeitpunkt hätte er beantragen können, in eine Einheit der Wehrmacht zurückversetzt zu werden. Entscheidend für den Prozess ist, inwiefern er damals von den massenhaften Morden in Stutthof wusste und ob er seine Wachtätigkeit hätte verweigern können.

Nebenkläger im Zwielicht

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Moshe Peter Loth kam zum Prozess aus den USA. Mit den Worten "Passen Sie alle auf! Ich werde ihm vergeben." hatte er den Angeklagten im November umarmt.

Das Gericht beschäftigte sich auch mit einem zweiten Aspekt des Verfahrens: Nach einem "Spiegel"-Bericht bestehen Zweifel daran, dass ein Nebenkläger, wie vor Gericht behauptet, im KZ Stutthof inhaftiert war. Der 76-jährige Moshe Peter Loth hatte im November für Aufsehen gesorgt, weil er nach seiner Aussage als Zeuge und Nebenkläger auf den Angeklagten zugegangen war - beide hatten sich umarmt.

War Loth gar nicht im KZ?

Loth hatte ausgesagt, er sei nach seiner Geburt am 2. September 1943 als Baby mit seiner jüdischstämmigen Mutter in dem Konzentrationslager bei Danzig inhaftiert gewesen. Nach Recherchen des "Spiegel" gibt es jedoch keine Hinweise auf jüdische Vorfahren Loths. Seine Mutter sei zwar als Schwangere vier Wochen als "Erziehungshäftling" in Stutthof gewesen. Eine zweite Inhaftierung bei oder nach seiner Geburt habe es aber vermutlich nie gegeben. Sollte diese Darstellung zutreffen, könnte Loth seinen Status als Nebenkläger verlieren.

Dazu sagte die Vorsitzende Richterin nun, die Strafkammer werde die Unterlagen Loths gründlich prüfen. Ein anderer Opfervertreter sprach davon, dass die Vorwürfe einen Schatten auf den Prozess werfen würden. "Dieser Nebenklagevertreter hat vor allem darauf hingewiesen, dass die Gefahr besteht, dass auch andere Nebenkläger in diesem und anderen Verfahren um NS-Verbrechen in Verdacht geraten könnten, sich in so einem Verfahren profilieren zu wollen", sagte Gerichtssprecher Kai Wantzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 06.01.2020 | 16:00 Uhr

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