Hamburgische Bürgerschaft debattiert über Corona-Maßnahmen

Stand: 17.11.2021 21:18 Uhr

Was bringt die Ausweitung der 2G-Regeln in Hamburg? Die Bürgerschaft hat am Mittwoch über die Corona-Maßnahmen debattiert.

Für AfD-Fraktionschef Dirk Nockemann ist klar: Impfen schützt deutlich weniger vor Corona als der Senat erklärt - und die 2G-Regeln spalten die Gesellschaft. Nockemann sagte zum Auftakt der Debatte: "Mich versetzt es in Angst und Schrecken, wie mit Ungeimpften umgegangen wird." Dafür erntet er scharfe Kritik von allen anderen Fraktionen. Die Behauptungen der AfD stünden im Gegensatz zu allen Statistiken, sagte Stephan Gamm, Gesundheitsexperte der CDU. Die SPD-Gesundheitsexpertin Claudia Loss betonte, weltweit seien bereits mehr als fünf Millionen Menschen im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben, allein in Deutschland fast 100.000. "Eine Spaltung der Gesellschaft, die die AfD immer wieder propagiert, findet eher in der Phantasie der AfD-Fraktion statt als in der Realität." In Hamburg gebe es vielmehr ein entschlossenes Vorgehen gehen die Pandemie. Loss sagte, wenn es neue Beschränkungen gebe, dann liege das daran, dass zu wenig geimpft wird.

Jasberg schließt Impfpflicht nicht aus

Die Fraktionsvorsitzende der Grünen, Jennifer Jasberg, meinte: "Den größten Schaden nehmen wir nicht wegen demokratischer Entscheidungen, sondern durch das Erstarken von spalterischen Hetzerinnen, die mit ihrer Verachtung für Wissenschaft und Solidarität das Miteinander vergiften." Jasberg will auch über eine allgemeine Impfplicht reden. "Es gab ausreichend Informationsmöglichkeiten, Impfangebote und die Lage ist dramatisch genug, um auch eine Impfpflicht zu diskutieren", so Jasberg.

Diskussion um Booster-Impfungen

Mit Blick auf die Drittimpfungen forderte sie eine schnelle Zentralisierung der Impfangebote in den Bezirken, sodass jeder wisse, wo und wann er eine Booster-Impfung erhalten könne. Denn nun folgten die geburtenstarken Jahrgänge und das könnten die Hausärztinnen und Hauärzte nicht allein stemmen.

Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) äußerte sich nicht im Parlament. Im Hamburg Journal des NDR Fernsehens sagte sie jedoch, aktuell reichten die Kapazitäten aus. Sollte die Ständige Impfkommission eine Booster-Impfung für alle ab 18 Jahren empfehlen, werde die städtische Impf-Infrastruktur ausgebaut.

Forderung nach dezentrale Impfzentren in den Bezirken

Der Gesundheitsexperte der Linken, Deniz Celik, betonte in der Bürgerschaft: "Es müssen dezentrale Impfzentren in allen Bezirken sieben Tage die Woche geöffnet werden." Zudem müssten unter anderem alle Impfberechtigten angeschrieben und ein Impfangebot gemacht werden. Auch CDU-Gesundheitsexperte Gamm betonte, es sei spätestens jetzt an der Zeit den Knopf zu drücken und die Standby-Impfzentren in den Bezirken zu öffnen.

Weitere Informationen
Melanie Leonhard (SPD), Hamburgs Sozialsenatorin, über das 2G-Modell in Hamburg.

Leonhard: Kapazitäten für Booster-Impfungen in Hamburg ausreichend

Hamburgs Sozialsenatorin sieht keinen Engpass für die Drittimpfungen gegen das Coronavirus. (17.11.2021) mehr

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 17.11.2021 | 17:00 Uhr

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