Eine neue Brücke wird in Hamburg-Alsterdorf eingesetzt. © NDR
Eine neue Brücke wird in Hamburg-Alsterdorf eingesetzt. © NDR
Eine neue Brücke wird in Hamburg-Alsterdorf eingesetzt. © NDR
AUDIO: Scharfe Kritik vom Klimabeirat an der U5 (1 Min)

Hamburger Klimabeirat bezweifelt Umwelt-Nutzen der U5

Stand: 03.02.2023 19:36 Uhr

Der Klimabeirat Hamburg übt deutliche Kritik am geplanten Bau der U5. Die U-Bahn werde nicht schnell genug fertig, um akut CO2 einzusparen. Die Reaktion des Verkehrssenators fällt emotional aus.

Der alte Grundsatz, dass eine U-Bahn massiv den CO2-Ausstoß reduziert, weil sie Autos und Busse ersetzt, gilt nicht mehr per se bei Klimaschützern und -schützerinnen. Auch der Klimabeirat Hamburg bezweifelt den Nutzen, schon wegen der CO2-Freisetzung beim Bau. In seiner achtseitigen Stellungnahme bohrt er nach, etwa so: "Mit einer Bauzeit von ca. 20 Jahren stellt sich die Frage, ob die U5 die angemessene Antwort auf die Dringlichkeit für mehr Klimaschutz und eine schnellwirksame Verkehrswende darstellt."

"Versprochene Einsparungen mit U5 nicht möglich"

Der Senat verspreche CO2-Einsparungen im Verkehr bis 2030, die mit der U-Bahn nicht zu schaffen seien. Der erste Bauabschnitt der U5 von Bramfeld zur City-Nord spare nur Autoabgase von 350 Tonnen CO2 pro Jahr - bei drei Millionen Tonnen des gesamten Straßenverkehrs. Der Klimabeirat fordert den Senat auf, schnell Alternativen zur U5 zu prüfen, auch wegen der Millliardenkosten und er bezweifelt, dass erste Kostenschätzungen noch immer Bestand haben. Was er nicht schreibt - aber offenbar meint - ist die Prüfung einer Straßenbahn.

Was ist der Hamburger Klimabeirat?

Den Klimabeirat gibt es seit April 2021 in Hamburg. Er soll den Senat als unabhängiges wissenschaftliches Gremium bei der Umsetzung des Hamburger Klimaschutzgesetzes und des Hamburger Klimaplans beraten und Impulsgeber bei der Klimapolitik sein. Der Klimabeirat besteht aus 15 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Disziplinen. Die Zusammensetzung erfolgt für fünf Jahre durch den Senat. Der Klimabeirat tagt mindestens zweimal jährlich. (Quelle: Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft)

Verkehrssenator Tjarks: "Durchs Tal der Tränen"

Die Kritik des Klimabeirats ließ Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) alles andere als kalt: "Ich bin überrascht, dass in Hamburg immer gegen die U-Bahn diskutiert wird." Die Planungen seien weit fortgeschritten, es werde schon gebaut. Die Verkehrswende würde aufgehalten, wenn man nun von Neuem plane mit einer Straßenbahn. "Am Ende des Tages muss Hamburg während der Bauzeit durchs Tal der Tränen, damit wir 100 Jahre davon profitieren", so Tjarks. Unterstützung bekam er vom SPD-Verkehrsexperten Ole Torben Buschhüter. Hamburg habe fast 20 Jahre durch die gescheiterten Stadtbahnplanungen verloren. Nun dürfe dasselbe nicht mit den U-Bahnplänen passieren.

Hamburgs Umweltsenator Jens Kerstan (Grüne) sagte NDR 90,3: "Wir werden die Verkehrswende nicht hinbekommen, ohne den öffentlichen Nahverkehr und auch den schienengebundenen Nahverkehr auszubauen." Nur so könne Hamburg eine Vorreiterrolle einnehmen.

Anjes Tjarks © picture alliance / dpa
AUDIO: Tjarks Reaktion auf die Kritik des Klimabeirats an der U5 (1 Min)

Kritik auch von der Linksfraktion

Kritik an der U5 hatte zuvor auch die verkehrspolitische Sprecherin der Linken, Heike Sudmann, geübt. Beim Spatenstich des Baus im Oktober hatte sie gesagt, die U-Bahn werde zu spät fertig und koste zu viel. Ein Kilometer U-Bahn sei zehnmal so teuer wie ein Kilometer Straßenbahn. "Nur mit der Straßenbahn könnt ihr das Klimaziel 2030 erreichen", hatte Sudmann damals geäußert.

Strecke führt von Bramfeld bis zu den Arenen im Volkspark

Die neue Ost-West-Verbindung soll über 24 Kilometer Streckenlänge mit 23 neuen Haltestellen von Bramfeld quer durch die City bis zu den Arenen am Altonaer Volkspark führen. Sie soll mehr als 180.000 Hamburgerinnen und Hamburger an das Schnellbahnnetz anschließen.

Östliches Teilstück ist 5,8 Kilometer lang

Das erste im Bau befindliche Teilstück führt über 5,8 Kilometer von Bramfeld in die City Nord am Stadtpark. Neben diesen beiden Haltestellen müssen zwei weitere neu gebaut werden: Steilshoop und Barmbek Nord. Die bestehende U1-Haltestelle Sengelmannstraße soll zu einer Umsteigestation ausgebaut werden.

Die Kosten für den ersten Abschnitt belaufen sich nach Angaben der Hochbahn auf rund 1,8 Milliarden Euro. Hamburg hofft, dass der Bund den Großteil der Kosten übernimmt. Die bauvorbereitenden Arbeiten hatten schon im vergangenen Jahr begonnen. Erste Probefahrten mit vollautomatischen Zügen sind für 2027 geplant. Die gesamte Linie der U5 soll bis Ende der 2030er-Jahre fertiggestellt werden.

Weitere Informationen
Baustelle. © Screenshot
3 Min

U5 soll möglichst klimaneutral gebaut werden

Der konventionelle Bau der neuen U-Bahn-Linie würde 2,7 Tonnen CO2 freisetzen. Die Hamburger Hochbahn will das deutlich reduzieren. (13.09.2022) 3 Min

Verkehrsschild in einer Tempo-30-Zone © picture alliance / JOKER Foto: Erich Häfele

Klimabeirat will Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in Hamburg

Das Gremium bezeichnet den Verkehr nach einer Sitzung am Donnerstag als eines der Sorgenkinder, wenn es um CO2-Einsparungen geht. (24.11.2022) mehr

Hamburger Rathaus von dem Turm der Petrikirche aus fotografiert. © fotolia Foto: Scarol_anne

Klimabeirat: Hamburger Senat tut zu wenig für Klimaschutz

Der Hamburger Klimabeirat hat die bisherigen Klimaschutzbemühungen des Senats kritisiert. (07.11.2022) mehr

Eine Visualisierung zeigt den künftigen U-Bahnhof Bramfeld. © Hamburger Hochbahn

U5 in Hamburg soll klimaschonend gebaut werden

Dank klimafreundlicher Bauverfahren soll der Bau der neuen U-Bahn-Linie mit rund einem Drittel der bei solchen Projekten üblichen CO2-Emissionen auskommen. (13.09.2022) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 03.02.2023 | 17:00 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Öffentlicher Nahverkehr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

Die Köhlbrandrücke überspannt im Hamburger Hafen die Süderelbe. © dpa Foto: Markus Scholz

Bürgerschaft macht Weg frei für neue Köhlbrandbrücke

Die Hamburgische Bürgerschaft hat für den Bau einer neuen Köhlbrandbrücke gestimmt. Der Senat rechnet damit, dass sie in etwa 20 Jahren fertig sein könnte. mehr