Stand: 11.07.2020 16:10 Uhr  - Hamburg Journal

Hamburger Bismarck-Denkmal: Streit um die Zukunft

Die Baustelle im Alten Elbpark in Hamburg ist mit Nato-Draht schwer gesichert, das umstrittene Bismarck-Denkmal selbst eingerüstet und verhüllt. Momentan wird für neun Millionen Euro die Fassade ausbessert und neu verfugt, das Fundament wird abgedichtet und die Standfestigkeit gesichert.

Diskussion um Bismarck-Denkmal in Hamburg

Hamburg Journal -

Wie soll mit dem Bismarck-Denkmal in Hamburg umgegangen werden? Im Zuge der Demonstrationen gegen Rassismus und einer Debatte um die Aufarbeitung des Kolonialismus wird in Hamburg darüber diskutiert.

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Stattdessen ein Park für gestürzte Statuen?

In der Baugrube neben dem Sockel soll eine Ausstellung entstehen, um das Denkmal kritisch einzuordnen. Ideen einzelner Künstler und Aktivisten im Bereich Baukultur fordern mehr. "Mein favorisierter Vorschlag ist der eines 'Parks Postkolonial', wo man alle gestürzten Denkmäler und Büsten aus Hamburg, so wie sie sind - also demoliert und mit Farbe angegriffen - versammelt", meint Marco Alexander Hosemann, Aktivist im Bereich Baukultur. Ein solcher Park würde die Neugier wecken, sich mit der Geschichte des kolonialen Erbes und auch mit der Geschichte Bismarcks auseinanderzusetzen.

Wer war Otto von Bismarck?

Otto von Bismarck war von 1871 bis 1890 der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches, dessen Gründung er maßgeblich vorantrieb. Zunächst führte er blutige Kriege, um einen deutschen Nationalstaat zu gründen, und hielt dann 20 Jahre lang Frieden. Er bekämpfte Katholiken und Sozialisten und führte dennoch die fortschrittlichsten Sozialgesetze der Welt ein. Er wurde im Volksmund "Eiserner Kanzler" genannt. Bismarck setzte außenpolitisch mit seinen Bündnissen auf ein ausgeglichenes Mächteverhältnis in Europa. Geboren wurde er am 1. April 1815 in Schönhausen. Er starb am 30. Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg.

Kulturhistoriker betont die Besonderheiten der Statue

Kunsthistoriker Jörg Schilling hält die Forderungen nach einem Sanierungsstopp oder sogar einem Abriss für falsch. Man könne die Statue nicht auf Bismarcks Kolonialpolitik reduzieren. Das Denkmal sei kulturgeschichtlich zu bedeutend, "weil es damals als ein künstlerischer Impuls wahrgenommen wurde. Und der entstand dadurch, dass hier eine abstrakte Form gewählt wurde", meint Schilling. "Bismarck steht hier barhäuptig, also ohne Pickelhaube, und nicht nicht wie in anderen Standbildern mit Kürassierstiefeln oder Schwert." Dadurch habe er als eine Art mythischer Ritter etwas Bürgerliches symbolisiert.

"Monumentalität brechen"

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"Man könnte den Kopf wieder abmontieren", meint Pastor Ulrich Hentschel.

Der Pastor Ulrich Hentschel kritisiert immer wieder Hamburgs Umgang mit historisch belasteten Denkmälern. Er plädiert daher für radikalere Maßnahmen - auch für die Statue im Elbpark: "Bismarcks Politik basierte auf der Gewalt des Schwertes und dieses Schwert bedeutete für Hunderttausende Menschen in Polen, in Frankreich und später in den Kolonien den Tod." Darum müsse die Monumentalität dieses Denkmals gebrochen werden, meint Hentschel. Um zum Nachdenken über Bismarcks Politik und deren Opfer anzuregen schlägt er vor: "Man könnte den Kopf wieder abmontieren und unmittelbar neben dem Denkmal präsentieren."

Im Herbst soll es Ergänzungskonzepte geben

Eine kritische Ausstellung über Bismarcks Politik und hinzugefügte NS-Malereien im Denkmal ist laut der zuständigen Planer nur der erste Schritt. Eine Konferenz im Herbst soll über weitere Ergänzungskonzepte beraten, so die Kulturbehörde. Ein Abriss sei aber ausgeschlossen. "Wir brauchen etwas, das im öffentlichen Raum mit der Wahrnehmung bricht", schlägt Kultursenator Carsten Brosda (SPD) vor. Damit könne man der heroischen Geste dieses Bismarcks, die so völlig aus der Zeit gefallen scheine, etwas entgegensetzen.

Einst "Eiserner Kanzler" - heute ein Zankapfel: 2021 soll die Sanierung der Bismarck-Statue abgeschlossen sein. Die Auseinandersetzung aber wird andauern.

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Dieses Thema im Programm:

Hamburg Journal | 11.07.2020 | 19:30 Uhr

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