Stand: 19.12.2018 15:35 Uhr

Mit 180 Kilo Kokain erwischt: Haftstrafen für Kuriere

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Ermittler fanden in einem Transporter neun Sporttaschen voll mit Kokainblöcken.

Ein Dienstag im April 2018, kurz vor Mitternacht: Ein Kleintransporter fährt durch ein Industriegebiet in Hamburg-Billbrook. Der Fahrer hält schließlich an der Laderampe einer großen Halle und öffnet die seitliche Schiebetür. Innerhalb weniger Minuten packt er gemeinsam mit mindestens einem weiteren Helfer neun Sporttaschen in den Transporter, in jeder rund 20 Kilogramm Kokain, gepresst in Blöcke zu je einem Kilogramm.

Der Wagen rollt wieder vom Hof und begibt sich zunächst in eine Seitenstraße, wo der Fahrer aussteigt und sich ein anderer Mann hinter das Steuer setzt. Dann fährt er, begleitet von zwei Autos mit Komplizen, auf die Autobahn in Richtung Niederlande.

Verlade-Aktion von Polizei beobachtet

Was die Männer nicht wissen: Ihre Verlade-Aktion wurde von der Polizei beobachtet. Tagelang waren Ermittler der Gruppe schon gefolgt. Das geht aus Prozessunterlagen hervor, die der NDR einsehen konnte. Noch bevor die Männer die Grenze in Richtung Niederlande überqueren konnten, nahmen die Polizisten sie an jenem Morgen fest. In einem eigens konstruierten Versteck hinter der Sitzbank entdeckten sie die Sporttaschen mit dem Kokain.

Am Mittwoch ging vor dem Hamburger Landgericht der Prozess gegen vier Männer zu Ende. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass sie es waren, die den Wagen nach der Beladung übernahmen beziehungsweise begleiteten und gemeinsam die rund 180 Kilogramm Kokain aus Hamburg in die Niederlande bringen wollten. Dort sollten die Drogen offenbar an einen Mittelsmann übergeben werden.

Mehrjährige Haftstrafen

Die Männer wurden daher wegen Beihilfe zu unerlaubtem Betäubungsmittel-Handel in nicht geringer Menge zu Haftstrafen zwischen drei Jahren und drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Der Fahrer des mit dem Kokain beladenen Wagens wurde außerdem wegen Betäubungsmittel-Besitz verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte zwischen viereinhalb und fünf Jahren und neun Monaten Haft gefordert. Die Richterin machte in ihrer Begründung deutlich, dass die Kammer davon ausgeht, dass die Männer selbst nicht genau wussten, wie viel Kokain sie transportiert haben.

Die Drogen kamen offenbar direkt aus Südamerika in das Hamburger Industriegebiet. In der Lagerhalle, wo weitere Täter beim Beladen des Transporters beobachtet worden waren, reifen Bananen nach. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Kokain als Teil einer Bananen-Ladung nach Hamburg verschifft und dann dort in Empfang genommen worden ist. Die Täter gingen professionell vor. Die Ermittler stellten Mobilfunk-Geräte mit einem als besonders abhörsicher beworbenen Betriebssystem und GPS-Sender sicher.

Ermittler gehen von europaweiter Bande aus

Die deutschen Behörden gehen davon aus, dass die vier Männer - einer von ihnen war bereits vorbestraft - Helfer einer womöglich europaweit agierenden Bande sind. Diese Bande steckt nach Ansicht der Ermittler auch hinter zahlreichen weiteren Kokainlieferungen nach Deutschland. Insgesamt gehen die Ermittler davon aus, dass die Tätergruppe etwa zwei Tonnen der Droge nach Deutschland eingeschmuggelt hat. Weitere Männer sollen daher bald in einem separaten Verfahren angeklagt werden. Die Hintermänner vermuten die Ermittler laut Prozessunterlagen in den Niederlanden und Albanien.

Rechtsanwalt Dimitrius Kotios verteidigte einen der Täter, der jetzt verurteilt wurden. Er sagte dem NDR, dass sein Mandant in der Hierarchie ganz unten stehe. Es komme nach seiner Erfahrung sehr selten vor, dass sich die wahren Hintermänner solcher Operationen vor Gericht verantworten müssten.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 19.12.2018 | 17:00 Uhr

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