Stand: 10.09.2020 06:22 Uhr

Gefahrstoffe im Hafen: Senat hat nur wenige Zahlen

Kann sich eine verheerende Explosion wie Anfang August im Hafen von Beirut auch in Hamburg ereignen? Das wollte die Fraktion der Linken in der Bürgerschaft vom Senat wissen. Die Antwort offenbart: Dort weiß man nach eigenen Angaben gar nicht, wie viele Tonnen gefährliches Ammoniumnitrat im Hafen gelagert werden.

VIDEO: Gefahrgut im Hafen: Keine genauen Zahlen (2 Min)

Wohnhäuser nicht weit weg

An vier Stellen im Hamburger Hafen darf der Stoff in größeren Mengen gelagert werden, beispielsweise in Altenwerder oder am Tollerort - in Sichtweite des Fischmarkts. Laut Senat gibt es Wohnhäuser, die gerade einmal 500 Meter von den Gefahrgütern entfernt liegen. Durch Sicherheitsvorkehrungen soll weitgehend ausgeschlossen werden, dass sich zündfähige Gemische bilden, heißt es in der Antwort auf eine Anfrage des Hafensprechers der Linken, Norbert Hackbusch.

Genaue Zahlen liegen nicht vor

Zerstörte Gebäude in Hafennähe in Beirut. © Nura El-Ghandour Foto: Nura El-Ghandour
Die Explosion von rund 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat hatten Beiruts Hafen zerstört. In Hamburg sind seit Mai 7.000 Tonnen geladen oder gelöscht worden.

Wie viele der gefährlichen Stoffe tatsächlich in der Stadt sind, darüber gibt es laut Senat aber keine Erkenntnisse. Die Genehmigungen würden eine Höchstmenge vorgeben. Dabei geht es offenbar um erhebliche Mengen. Seit Mai sind in Hamburg mehr als 7.000 Tonnen Ammoniumnitrat geladen oder gelöscht worden. Das ist etwa das Dreifache der Masse, die im Hafen von Beirut für die Explosion im August verantwortlich war - und die dort große Teile des Stadtzentrums zerstört hat.

Hackbusch nennt die Angaben des Senats "erschreckend". Er forderte einen umfassenden Bericht über gefährliche Stoffe im Hamburger Hafen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.09.2020 | 06:00 Uhr

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