Die Angeklagten stehen zu Beginn des Prozesse im Sitzungssaal im Strafjustizgebäude. Im Prozess um die beinahe tödlichen Messerstiche auf einen Mann an einer Bushaltestelle in Hamburg-Wilhelmsburg wird das Urteil erwartet. Die beiden 18 und 20 Jahre alten Angeklagten müssen sich wegen versuchten Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verantworten. © picture alliance / dpa Foto: Marcus Brandt

Fünf Jahre Haft für Messerstiche an Bushaltestelle in Wilhelmsburg

Stand: 25.04.2022 16:58 Uhr

Wegen einer Messerattacke auf einen 18-Jährigen im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg hat das Landgericht einen Angeklagten zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt. Ein Mitangeklagter bekam am Montag eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten.

Nach Überzeugung der Jugendkammer hatte der 20-jährige Hauptangeklagte in der Nacht zum 23. Juli 2021 acht Mal auf den 18-Jährigen eingestochen. Der Tat war ein Streit aus nichtigem Anlass an der Bushaltestelle Vogelhüttendeich vorausgegangen. "Was guckst du so?", hatte der Angeklagte nach Angaben der Vorsitzenden Richterin Anne Meier-Göring den Jüngeren gefragt. Anstatt in einen Bus einzusteigen, habe dieser nicht klein beigegeben, und der Streit sei eskaliert. Nur weil eine Zeugin Polizei und Rettungskräfte alarmierte, wurde das Leben des 18-Jährigen gerettet.

Versuchter Totschlag und gefährliche Körperverletzung

Das Gericht sprach den 20-Jährigen wegen versuchten Totschlags in Tateinheit mit schwerer und gefährlicher Körperverletzung schuldig. Der 18-jährige Mitangeklagte wurde wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Er hatte gestanden, dem auf dem Boden liegenden Verletzten noch mehrere Fußtritte gegen den Oberkörper versetzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren Haft für den Hauptangeklagten beantragt, der Verteidiger eine Strafe von deutlich unter drei Jahren. Für den Mitangeklagten hatten Staatsanwaltschaft und Verteidigung eine Jugendstrafe von einem Jahr und acht Monaten auf Bewährung gefordert.

"Machtdemonstration wichtiger als Leben eines Menschen"

Eineinhalb Stunden sprach die Vorsitzende Richterin eindringlich auf den Hauptangeklagten ein und sagte ihm, dass er sich von Grund auf ändern müsse. Die eindrücklichste Szene aber spielt sich ab, als der Prozess vorüber war. Da nahm der mitangeklagte Freund des Angeklagten den vom Urteil sichtlich geschockten Messerstecher lange in den Arm. Empathie und Trost - so etwas gab es unter den Freunden vermutlich bisher nicht. Bei ihnen ging es wohl eher um Stolz, Macht und Rache. Sich nicht unterkriegen lassen, das sei das Motto des Angeklagten gewesen, so die Richterin. "Ihre Machtdemonstration", so die Richterin, "war Ihnen wichtiger als das Leben eines Menschen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.04.2022 | 17:00 Uhr

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