Erste Konzepte für das Hamburger Bismarck-Denkmal

Stand: 07.12.2020 20:15 Uhr

Bismarck in Flammen, als Fan des FC St. Pauli oder effekvoll illuminiert. Die Ideen der Künstlergruppe "Projektion Bismarck" sind vielfältig - und ein erster Ansatz, das Denkmal nicht unkommentiert im Stadtbild stehen zu lassen.

Kritikerinnen und Kritiker der Statue finden, der undemokratische Bismarck stehe für Werte, die nicht mehr zu unserer heutigen Gesellschaft passen - und fordern den kompletten Abriss. "Einen Abriss kann ich mir momentan nicht vorstellen. Wir haben den Beschluss des deutschen Bundestags und der Bürgerschaft, dass der Bismarck saniert wird. Es geht darum, dass wir den nicht einfach nur sanieren und ihn dann hübsch in die Gegend stellen, sondern dass da ein Störgefühl entsteht", sagt Kultursenator Carsten Brosda (SPD).

Das Denkmal wird saniert

Momentan wird der 34 Meter große Riese für neun Millionen Euro saniert. Doch etliche Initiativen, Historikerinnen und Historiker und die Kulturbehörde wollen, dass neue Konzepte erarbeitet werden, die den frisch sanierten Bismarck sichtbar kommentieren. "Da ist von sehr vielen Vorschlägen die Rede gewesen: Bismarck auf den Kopf zu stellen, Bismarck den Kopf abzuschlagen. Meine Vorstellung: Fragen Sie diejenigen, die betroffen sind", sagt Kodjo Valentin Gläser von der Initative "Decolonize Hamburg".

Wer war Otto von Bismarck?

Otto von Bismarck war von 1871 bis 1890 der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches, dessen Gründung er maßgeblich vorantrieb. Zunächst führte er blutige Kriege, um einen deutschen Nationalstaat zu gründen, und hielt dann 20 Jahre lang Frieden. Er bekämpfte Katholiken und Sozialisten und führte dennoch die fortschrittlichsten Sozialgesetze der Welt ein. Er wurde im Volksmund "Eiserner Kanzler" genannt. Bismarck setzte außenpolitisch mit seinen Bündnissen auf ein ausgeglichenes Mächteverhältnis in Europa. Geboren wurde er am 1. April 1815 in Schönhausen. Er starb am 30. Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg.

Grausame Kolonialpolitik

Gerade in diesem Hamburger Denkmal spiegelt sich Bismarcks durchaus grausame Kolonialpolitik. Hamburger Kaufleute, die durch den Handel mit Kolonialwaren reich wurden, haben es finanziert - als Dankeschön an den "Eisernen Kanzler". Die Initative "Decolonize Hamburg" fordert daher einen sofortigen Sanierungsstopp, bis über den Umgang mit dem Denkmal entschieden ist. "Wir möchten die Nachkommen der Kolonialisierten in der Jury haben", sagt Hannimari Jokinen von "Decolonize Hamburg". Auch sollten Kunstschaffende aus afrikanischen Ländern Vorschläge einzureichen.

Initiative will Erinnerungslandschaft schaffen

Die Initiative möchte eine Erinnerungslandschaft schaffen: Etwa vom Denkmal eine Verbindungen in die nahegelegene Rothesoodstraße. Dort gab es in den 1930er-Jahren eine Selbsthilfeorganisation für afrikanische Menschen. "Wir sind hier an einem Ort der schwarzen Geschichte in Hamburg, die nicht markiert ist, die vergessen ist. Und wir möchten diesen Ort wieder sichtbar machen", so Jokinen.

Künstlerischer Wettbewerb im Frühjahr

Diskutiert wird auch, das Denkmal im öffentlichen Raum zu demontieren oder ein Gegendenkmal zu errichten. Die Kulturbehörde will im Frühjahr einen künstlerischen Wettbewerb ausrufen. Bis dahin wird die Künstlergruppe "Projektion Bismarck" die Statue weiterhin in ein kritisches Licht tauchen.

VIDEO: Heimatkunde: Bismarck-Denkmal (3 Min)

Weitere Informationen
Das Bismarck-Denkmal im Hamburger Stadtteil St. Pauli. © NDR Foto: Heiko Block

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 08.12.2020 | 19:30 Uhr

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