Die Angeklagte sitzt neben ihrem Anwalt Günter Teworte (r) im Gerichtssaal im Amtsgericht Hamburg-Barmbek. © picture alliance/dpa/Christian Charisius Foto: Christian Charisius

Drei Jahre Haft für angebliche Hellseherin

Stand: 15.12.2020 15:13 Uhr

Eine angebliche Hellseherin ist am Dienstag vom Amtsgericht Hamburg-Barmbek zu drei Jahren Gefängnis verurteilt worden. Die 29-Jährige aus Kerpen bei Köln hatte eine Kundin aus Hamburg-Bramfeld um 250.000 Euro gebracht - für ein angebliches Opferritual.

Sie habe sich das Vertrauen der 54-Jährigen erschlichen und mit vermeintlichen Heilungsritualen die Notlage der Frau ausgenutzt, sagte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung.

Bargeld unter der Matratze sollte helfen

Im August 2018 hatte die Angeklagte der 54-Jährigen erklärt, sie könne ihrer schwer erkrankten Schwägerin durch ein Ritual helfen: Die Hamburgerin müsse dafür 300.000 Euro in Plastikfolie umwickelt unter ihrer Matratze verstecken und intensiv beten. Dann würden die bösen Dämonen vertrieben werden.

VIDEO: Angebliche Hellseherin muss ins Gefängnis (1 Min)

Die Kundin schaute nach - und fand Spielgeld

Da die 54-Jährige nur 250.000 Euro in bar beschaffen konnte, wollte die vermeintliche Hellseherin noch 50.000 Euro von ihrem eigenen Geld dazulegen. Der Heilungserfolg sei davon abhängig, dass die 54-Jährige anschließend keinesfalls unter der Matratze nachschaue. Drei Monate später tat sie es doch und stellte erschüttert fest, dass dort nur noch Spielgeld lag.

"Ich weiß, das klingt alles lächerlich", sagte die Hamburgerin am Dienstag schluchzend vor Gericht. "Aber meine Hoffnung war so groß." In Richtung der Angeklagten rief sie: "Ich hab Dich damals wirklich geliebt, jetzt musst Du damit leben, dass Du für mich ein Stück Dreck bist."

Angeklagte war vorbestraft

Die Staatsanwältin hatte zwei Jahre und sechs Monate Haft beantragt, der Verteidiger Freispruch gefordert. Die Richterin begründete das härtere Strafmaß auch mit fünf einschlägigen Vorstrafen der Angeklagten. Die 29-Jährige muss zudem die 250.000 Euro zurückzahlen und die Kosten des Verfahrens tragen.

Der Prozess hatte bereits vor einem Jahr stattfinden sollen, wurde dann aber immer wieder kurzfristig verschoben. Die beiden letzten Male wurde eine Krankmeldung der Angeklagten als Grund genannt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.12.2020 | 17:00 Uhr

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