UKE-Studie zu Corona: Auch Organschäden bei milden Symptomen

Stand: 05.01.2022 19:13 Uhr

Eine Studie des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) liefert neue Erkenntnisse zu den Folgen einer Corona-Infektion. Auch nach milden Verläufen sind Organschäden möglich.

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des UKE konnten demnach erstmals nachweisen, dass auch milde bis moderate Krankheitsverläufe mit COVID-19 den Körper schädigen können. Untersuchungen nach überstandener Erkrankung haben gezeigt, dass Patientinnen und Patienten vermehrt Beinvenen-Thrombosen hatten. Außerdem waren bei ihnen die Funktionen von Herz, Lunge und Nieren mittelfristig beeinträchtigt. Für Menschen mit einer überstandenen Covid-Infektion bedeuten die Ergebnisse, dass sie in den Wochen danach aufmerksam auch geringe Symptome beobachten sollen, ob zum Beispiel vorübergehend Luftnot oder auch eine leichte Schwellung des Unterschenkels auftritt. In solchen Fällen könne dann schnell eine Therapie mit Medikamenten begonnen werden, so Prof. Stefan Blankenberg, Direktor der Klinik und Poliklinik am UKE.

443 Ungeimpfte nach Infektion untersucht

Für die "Hamburg City Health Study" wurden insgesamt 443 Menschen nach einer Corona-Infektion mit nur leichteren Symptomen umfassend untersucht. Laut UKE waren sie zwischen März und Dezember 2020 positiv getestet worden und ungeimpft. Die Daten der infizierten Teilnehmenden wurden mit denen von nicht an COVID-19 Erkrankten verglichen.

Weniger Pumpleistung, höhere Thrombosegefahr

Es sei im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion beispielsweise eine ein- bis zweiprozentige Abnahme der Herz-Pumpkraft festgestellt worden, sagte Prof. Raphael Twerenbold, Leiter des Universitären Herz- und Gefäßzentrums des UKE, im Hamburg Journal. Außerdem seien zwei- bis dreimal häufiger Zeichen von zurückliegenden Beinvenen-Thrombosen gefunden worden als in der Vergleichsgruppe ohne Infektion. Ein Grund für Panik bestehe für Genesene nicht, sagte Twerenbold. Er empfehle dennoch, sechs bis neun Monate nach der Infektion die Nieren- und Herzwerte beim Hausarzt bestimmen zu lassen, um schwerwiegendere Folgeschäden der Organe auszuschließen.

Folgeschäden auch für Geimpfte? Forschungen laufen

Ob Corona-Impfungen vor Folgeschäden schützen können, sei noch unklar und Gegenstand weiterer Forschungen am UKE, sagte Twerenbold. "Wir hoffen es, können es aber abschließend noch nicht beweisen."

Das Alter der Teilnehmenden der Untersuchung lag zwischen 45 und 74 Jahren. 93 Prozent der Infizierten wurde rein ambulant behandelt, keiner von ihnen benötigte laut UKE eine intensivmedizinische Behandlung. Mehr als zehn Kliniken und Institute des UKE haben sich an der Gesundheitsstudie beteiligt. Die Stadt Hamburg hat die Studie unterstützt. Die Studienergebnisse sind als sogenannte Fast Track Publikation im "European Heart Journal" veröffentlicht worden.

Fegebank: UKE-Studie liefert wichtige Erkenntnisse

Mit der "Hamburg City Health Study" setzten Hamburgs Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Standards, sagte Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank von den Grünen. Dass nun die ersten Ergebnisse der weltweit größten Studie zu den gesundheitlichen Folgen von COVID-19 vorliegen, ist ihr zufolge ein großer Erfolg und wichtiges Signal in der Pandemie. Die Studie liefere mit ihren vielfältigen epidemiologischen und klinischen Daten wichtige Erkenntnisse über die aktuelle Pandemie und den Umgang mit zukünftigen größeren Infektionsgeschehen.

Große Gesundheitsstudie in Hamburg

Die Hamburg City Health Study (HCHS) ist laut eigenen Angaben die größte lokale Gesundheitsstudie der Welt. Insgesamt sollen 45.000 Hamburgerinnen und Hamburger zwischen 45 und 74 Jahren über einen langen Zeitraum hinweg untersucht werden, um die Risikofaktoren für häufige Erkrankungen wie Herzinfarkt, Vorhofflimmern, Schlaganfall, Demenz oder Herzinsuffizienz zu identifizieren. Ziel der 30 beteiligten Kliniken und Institute des UKE ist es, individualisierte Behandlungsmöglichkeiten und eine gezielte Prävention zu entwickeln. Inzwischen sind rund 16.000 Hamburgerinnen und Hamburger untersucht worden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 05.01.2022 | 09:00 Uhr

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