Stand: 25.03.2020 15:57 Uhr  - NDR 90,3

Corona: Personal ist das "Nadelöhr" in Kliniken

Am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) werden derzeit zehn Corona-Infizierte intensivmedizinisch versorgt. 22 weitere Covid-19-Erkrankte würden auf einer spezialisierten Normalstation behandelt, sagte der Leiter der UKE-Intensivmedizin, Stefan Kluge, am Mittwoch bei einer Pressekonferenz. Materialmangel drohe nicht, Personal sei das "Nadelöhr" in deutschen Kliniken. Zusammen mit Johannes Knobloch, dem Leiter der Krankenhaushygiene, informierte er über die Maßnahmen des UKE in der Corona-Krise.

UKE informiert über Corona-Maßnahmen

Hamburg Journal -

Das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf ist eines der größten Krankenhäuser im Norden. Wie bereitet man sich dort auf eine größere Corona-Erkrankungswelle vor?

3,67 bei 3 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

"Riesige Welle kommt"

Die Zahl der Corona-Patienten auf den Intensivstationen sei in den vergangenen Tagen langsam angestiegen. Das UKE sei auch bei stärker steigenden Zahlen gut aufgestellt. "Aber trotzdem kommt eine riesige Welle auf uns zu, die uns wahrscheinlich erst im April voll treffen wird", sagte Kluge.

Bislang geringe Sterblichkeitsrate

Videos
38:34
Hamburg Journal

Corona-Krise: Die Lage am UKE

Hamburg Journal

Wie ist der Stand in der Corona-Krise? Stefan Kluge, Direktor der Klinik für Intensivmedizin, und Johannes Knobloch, Leiter der Krankenhaushygiene, informierten über die Lage am UKE. Video (38:34 min)

Drei bis fünf Prozent der Patientinnen und Patienten im UKE benötigen laut Klinikleitung eine intensivmedizinische Behandlung. Durchschnittlich am zehnten Tag nach der Infektion seien diese schwer erkrankten Menschen auf eine stationäre Versorgung im Krankenhaus angewiesen. In Deutschland liege die Sterblichkeitsrate aktuell mit unter einem Prozent bei einem sehr guten Wert, so der Leiter der Intensivmedizin. Die beiden Experten rechnen damit, dass die Sterblichkeitsrate auch in Deutschland in den nächsten Wochen steigen wird. "Aber wir gehen davon aus, dass wir nicht solchen Raten haben werden wie in China oder Italien", so der Leiter der Krankenhaushygiene.

Gesundheitssystem könnte an Grenzen stoßen

In Deutschland liegt die Zahl der Infizierten bei mehr als 30.000 Menschen. In Hamburg waren es am Mittwochmittag 1.450 Infektionen - im Vergleich zum Vortag sind laut Gesundheitsbehörde 213 Erkrankungen dazu gekommen. "Das sind wichtige Kennzahlen für uns", erklärte Kluge und Knobloch betonte: "Wenn die Steigerungsquoten weitergehen wie bisher, werden wir mit unserem Gesundheitssystem an Grenzen stoßen."

Eher Personal- statt Materialmangel

Bild vergrößern
UKE-Mediziner Kluge: "Das Personal ist das Nadelöhr."

Alle nicht lebenswichtigen Operationen am UKE seien bereits verschoben worden, weil das Personal an anderer Stelle gebraucht wird. "Das Personal ist in Deutschland das Nadelöhr, auch wenn wir gut ausgestattet sind", so Kluge. Schon vor der Corona-Pandemie seien etwa 20 Prozent der Intensivbetten nicht verfügbar gewesen, weil Pflegerinnen und Pfleger fehlen. Ein Materialmangel drohe bislang nicht am UKE.

Experten gegen Massentests

Massentests erachten Kluge und Knobloch zum jetzigen Zeitpunkt in Hamburg als wenig sinnvoll. "Wir können die Bevölkerung nicht täglich durchtesten, dafür ist auch nicht genug Testmaterial da", sagte Kluge. Der Leiter der UKE-Intensivmedizin gab auch zu bedenken, dass in Hamburg keine brenzlige Situation wie in Italien vorliege: "Wir sind in der Situation, dass es wenig Fälle gibt, die wir nicht kennen."

Ein Antikörpertest mache aus Sicht der Hamburger Mediziner vor allem zu einem späteren Zeitpunkt Sinn. So ließen sich im Nachhinein wichtige Erkenntnisse gewinnen, wie viele Menschen tatsächlich am Coronavirus erkrankt waren.

Weitere Informationen

1.450 Coronavirus-Fälle in Hamburg bestätigt

Deutlicher Zuwachs: In Hamburg gibt es inzwischen 1.450 bestätigte Coronavirus-Fälle. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde vom Mittwoch sind das 213 mehr als am Vortag. mehr

Hamburgs Kliniken rüsten sich für mehr Corona-Fälle

In Hamburgs Krankenhäusern bereiten sich die Verantwortlichen auf mehr Corona-Patienten vor. Derzeit gibt es 640 Intensivbetten mit Beatmungsgeräten, die Kapazitäten können jedoch deutlich erhöht werden. mehr

NDR Info

Coronavirus-Update: Virologe Christian Drosten informiert

NDR Info

Was gibt es Neues in Sachen Coronavirus? Von Montag bis Freitag beantwortet Virus-Forscher Christian Drosten in einem Podcast Fragen und erläutert Hintergründe. mehr

NDR 90,3

Corona: Hamburg hält zusammen

NDR 90,3

Wie erleben Sie den Tag in dieser Zeit? Wem möchten Sie "Danke" sagen? Ist Ihnen etwas besonders Schönes passiert? Brauchen Sie Hilfe oder haben Sie ein Hilfsangebot? Schreiben Sie uns! mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 25.03.2020 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:34
Hamburg Journal
02:12
Hamburg Journal
03:27
Hamburg Journal