Stand: 10.03.2020 21:06 Uhr  - NDR 90,3

Coronavirus: Neue Vorkehrungen für Kitas und Schulen

Angesichts der Ausbreitung des Coronavirus hat der Hamburger Senat weitgehende Maßnahmen für die Zeit nach den Ferien beschlossen. Wer in Risikogebieten war, darf zwei Wochen lang nicht in die Schule oder die Kita gehen - egal ob mit oder ohne Anzeichen auf eine Infektion mit dem Coronavirus. Schülerinnen und Schüler, aber auch Kita-Kinder müssen nach einem Urlaub zum Beispiel in Norditalien oder im Kreis Heinsberg in Nordrhein-Westfalen erst einmal zu Hause bleiben, sagte Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks am Dienstag bei der Landespressekonferenz.

Heimarbeit für Rückkehrer aus Risikogebieten

Allen anderen, die in den ausgewiesenen Risikogebieten waren, empfiehlt die Gesundheitsbehörde, mit ihrem Arbeitgeber Kontakt aufzunehmen, freiwillig zwei Wochen zu Hause zu bleiben und wenn möglich von dort zu arbeiten. Eine Ausnahme soll es nur für Beschäftigte in Krankenhäusern, bei der Feuerwehr oder Polizei geben: Wenn die dringend am Arbeitsplatz benötigt werden und sie einen negativen Corona-Test hinter sich haben, können sie im Einzelfall schon nach sechs Tagen wieder arbeiten.

Hamburg sagt Veranstaltungen nicht pauschal ab

Anders als etwa Schleswig-Holstein untersagt Hamburg Großveranstaltungen nicht pauschal ab einer Teilnehmerzahl von 1.000 Personen. Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks hält das allein als Kriterium für nicht ausreichend. Für sie gibt es ein ganzes Bündel von Aspekten, die es zu prüfen gilt. Auch der Ort – ob Freiluft oder schlecht belüfteter Saal – und die Art und damit der mögliche Kontakt zwischen den Teilnehmern zählt sie dazu. Das alles müsse einbezogen werden, um das Risiko beurteilen zu können.

Lokale Behörden für Absagen zuständig

Problematisch sei es aber trotzdem, wenn in Hamburg andere Regeln gelten würden als etwa in Schleswig-Holstein, sagte Prüfer-Storcks. Sie wünsche sich daher, mit den Gesundheitsministern und -senatoren der Ländern zu einem einheitlichen Kurs zu kommen. Aber: Die gültige Rechtslage mache Entscheidungen über die Absage einer Veranstaltung zwingend zu einer Aufgabe der lokalen Gesundheitsbehörden.

35 Corona-Fälle in Hamburg

Seit Montag sind laut Prüfer-Storcks 13 neue Infektionen in Hamburg nachgewiesen worden. Damit steigt die Zahl der Fälle auf 35. Bis auf einen Labormitarbeiter des Universitätsklinikums Eppendorf befänden sich alle in häuslicher Isolation, sagte Prüfer-Storcks. Der Labormitarbeiter liegt nach Angaben des UKE seit Montagvormittag auf der Intensivstation. Unter den Infizierten sind auch eine Betriebsärztin eines Chemieunternehmens und drei Angehörige der Führungsakademie der Bundeswehr in Blankenese. Die Infektionswege könnten "Gott sei Dank" bei allen Hamburger Fällen noch nachverfolgt werden, sagte Gesundheitsstaatssekretär Matthias Gruhl.

Am Montag wurde darüber hinaus bekannt, dass der in Ägypten am Coronavirus verstorbene 59-Jährige ein Feuerwehrmann aus Hamburg war.

Führungsakademie der Bundeswehr geschlossen

Nach den drei positiv getesteten Coronavirus-Fällen ist die Führungsakademie der Bundeswehr (FüAk) in Hamburg am Dienstag geschlossen worden. Diese vorsorgliche Maßnahme gelte zunächst bis Freitag kommender Woche, teilte eine FüAk-Sprecherin mit. "Der Lehrbetrieb ist eingestellt." Sicherheitshalber habe man bereits am Montag rund 350 Angehörige der Akademie mit der Aufforderung nach Hause geschickt, Außenkontakte zu vermeiden und keine öffentlichen Verkehrsmittel zu benutzen. Die Soldatinnen und Soldaten sowie die zivilen Mitarbeiter blieben weiter in häuslicher Isolation, unterkunftspflichtige Soldaten in der Kaserne.

Zahl der Blutspenden sinkt

In Hamburg ist außerdem die Zahl der Blutspender in den vergangenen Tagen dramatisch zurückgegangen. Der Leiter der Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf, Sven Peine, sprach von etwa 30 Prozent weniger Spendern. Als Grund wird das Coronavirus vermutet. Das Infektionsrisiko für Blutspenderinnen und -spender sei aber sehr gering. Auch das Deutsche Rote Kreuz braucht bundesweit dringend mehr Blutspenden.

Geisterspiele und Veranstaltungsabsagen

Finanziell wären Spiele ohne Zuschauer für die Bundesliga-Klubs ein Fiasko. Bis zum Ende der Saison könnten allein dem HSV Einnahmen in Höhe von mehreren Millionen Euro fehlen. Freiwillig wollen der HSV und FC St. Pauli ihre Fans deshalb nicht aussperren. Ähnlich sieht es bei anderen Sportveranstaltungen in Hamburg aus. So soll das Marathon-Wochenende mit etwa 25.000 Teilnehmenden Mitte April weiterhin stattfinden. Bei einer freiwilligen Absage aus Sicherheitsbedenken bliebe Organisator Frank Thaleiser auf sämtlichen Kosten sitzen. Bei einem Verbot durch die Gesundheitsbehörde würde eine Versicherung einspringen.

Eishockey: Ohne Zuschauereinnahmen droht Pleite

Zu einem großen Problem würden Einschränkungen bei den Eishockey-Klubs der Oberliga führen. Für die Spiele der am Freitag beginnenden Playoffs müssen die Crocodiles unter anderem Hallenmiete, Reise- und Übernachtungskosten aufbringen. Ohne Zuschauereinnahmen droht fast allen Klubs der Liga die Pleite. "Bevor wir in einer leeren Halle spielen, spielen wir dann lieber gar nicht", meinte Crocodiles-Geschäftsführer Sven Gösch.

Plácido Domingo sagt Konzerte in Hamburg ab

Unterdessen hat der spanische Opernstar Plácido Domingo seine für März und April geplanten Auftritte in der Hamburger Staatsoper abgesagt. Die Veranstalter begründen das mit dem Alter von Domingo, wodurch der Tenor im Falle einer Infektion mit dem neuen Virus besonders gefährdet wäre.

Live-Ticker
NDR Info

Corona-Ticker: Wie geht es in Niedersachsens Schulen weiter?

NDR Info

Niedersachsen Kultusminister Tonne stellt heute Szenarien für den Schulunterricht nach den Ferien vor. NDR.de überträgt die Pressekonferenz live ab 12.30 Uhr. Mehr Corona-News im Live-Ticker. mehr

Neue Internetseite der Gesundheitsbehörde

Die Behörde für Gesundheit und Verbraucherschutz hat eine Internetseite mit allen wichtigen Informationen zum Coronavirus in Hamburg zusammengestelllt, die ab sofort abrufbar ist. Neben aktuellen Informationen zu bestätigten Infektionsfällen gibt es Hygienetipps, Reiseempfehlungen sowie einen Überblick über Meldewege, Ansprechpartner und Kontaktadressen.

Hotline eingerichtet

Informationen erhalten Hamburgerinnen und Hamburger auch telefonisch. Zusätzlich zu der bekannten Telefonnummer 116117 wurde bereits in der vergangenen Woche eine neue Hotline unter der Telefonnummer 040 428 284 000 eingerichtet. Diese ist nun rund um die Uhr und an sieben Tagen pro Woche erreichbar. Bislang war die Hotline nur von 7 bis 19 Uhr geschaltet.

 

Weitere Informationen
NDR Info

Coronavirus in Norddeutschland: News und Hintergründe

NDR Info

Seit Monaten bestimmt die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus die Schlagzeilen. Auf dieser Seite finden Sie wichtige Infos - auch zu Lockerungen von Corona-bedingten Einschränkungen. mehr

Coronavirus: Hamburger Unternehmen spüren Folgen

Eine Umfrage der Hamburger Handelskammer ergab: Über ein Drittel der Hamburger Unternehmen spürt bereits starke Folgen durch das Coronavirus. In Hamburg ist die Zahl der Infektionen mit dem Coronavirus am Sonnabend auf 13 gestiegen. (07.03.2020) mehr

Was Sie zum Coronavirus wissen müssen

Das Coronavirus breitet sich auch in Europa immer weiter aus. Vor allem bei geschwächten Menschen kann eine Infektion tödlich verlaufen. Hier finden Sie Antworten auf viele Fragen. (02.03.2020) mehr

Podcast
NDR Info

Das Coronavirus-Update mit Christian Drosten

NDR Info

Der Virologe Prof. Christian Drosten hat Sars-CoV-2 so gut erforscht wie kaum ein anderer. Alle Welt fragt jetzt nach seinem Rat - uns gibt er regelmäßig Antwort. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 10.03.2020 | 14:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Hamburg

02:40
Hamburg Journal
02:33
Hamburg Journal
02:33
Hamburg Journal