Stand: 15.11.2018 20:31 Uhr

"Cold Cases": Polizei versetzt Soko-Leiter

Die Hamburger Polizei hat erste Konsequenzen nach dem Debakel um die "Cold-Cases"-Einheit gezogen: Die Einheit bleibt zwar erhalten, allerdings unter neuer Führung. Der bisherige Leiter Steven Baack wird versetzt. Eine personelle Neubesetzung in der Leitung sei "aus vorsorglichen, aber auch aus fürsorgerischen Gründen geboten", heißt es in der schmalen Erklärung von Polizeipräsident Ralf Martin Meyer. Er betonte zugleich, dass die Einheit nicht infrage stehe, sondern ihr Konzept verbessert und fortgeführt werde.

Zuvor hatten die möglichen Ermittlungsfehler der "Cold-Cases"-Einheit wochenlang die Hamburger Polizei intern beschäftigt. Die Ermittlungen der Soko seien nicht in allen Punkten den hohen Anforderungen gerecht geworden, erklärte Meyer. Im Landeskriminalamt untersuchte eine Arbeitsgruppe aus führenden Kriminalbeamten und einer Kriminalpsychologin die Vorgänge. Der entsprechende 15 Seiten lange Bericht liegt jetzt beim Polizeipräsidenten. Eine Dienststelle von außerhalb wird nun eingeschaltet: Die Kripo München soll die Vorgänge erneut prüfen. Der Bericht geht dann auch an die Staatsanwaltschaft, die bereits ein Vorermittlungsverfahren auf den Weg gebracht hat.

Nachfolgerin steht bereit

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Heike Uhde soll die Einheit künftig leiten.

Für den scheidenden Leiter ist bereits eine Nachfolgerin gefunden worden: Heike Uhde wird die Leitung übernehmen. Die 39-jährige Kriminalhauptkommissarin gilt wegen ihrer Erfahrung in der Mordkommission und in der Abteilung für Organisierte Kriminalität polizeiintern als gute Wahl. Zuletzt war sie in der Pressestelle der Hamburger Polizei.

Die vor zwei Jahren gegründete Ermittlungsgruppe soll ungelöste Mordfälle aus den vergangenen Jahrzehnten aufklären. Ein vermeintlich gelöster Fall aus dem Jahr 1980 war Anfang August vor Gericht gekommen und vor drei Wochen mit einem Freispruch abgeschlossen worden. Die Vorsitzende Richterin hatte dabei die Arbeitsweise der Soko scharf kritisiert. Die Polizei ließ die Arbeit der Ermittler daraufhin von einer Arbeitsgruppe überprüfen.

Schwere Vorwürfe wegen Ermittlungsmethoden

Die Sonderkommission hat bereits zwei Mordfälle gelöst. Doch einer der Täter war schon gestorben, der andere saß wegen eines anderen Falls in staatlichem Gewahrsam. Dann verhaftete die Soko Anfang Februar einen Verdächtigen wegen eines Mordversuchs vor 38 Jahren im Stadtteil Steilshoop. Damals war eine 16-Jährige von einem Mann mit einem Messer beinahe getötet worden. Am 24. Oktober wurde der Beschuldigte freigesprochen. In der mündlichen Urteilsbegründung hieß es, die Soko habe Zeugen getäuscht und den Hauptbelastungszeugen mit einer Belohnung zur Aussage bewegt. Außerdem hätten die Ermittler dem Opfer eine suggestiv zusammengestellte Fotoserie vorgelegt, um den Angeklagten zu identifizieren.

Weitere Informationen

Erhalt der Cold-Case-Einheit gefordert

Der Bund Deutscher Kriminalbeamter fordert, die Sonderkommission "Cold Cases" zu erhalten. Nach möglichen Ermittlungsfehlern steht die Einheit auf dem Prüfstand - dem LKA liegt ein Bericht vor. (12.11.2018) mehr

Mögliche Ermittlungsfehler: Bericht erwartet

Die Hamburger Polizei drückt bei der Aufarbeitung von möglichen Ermittlungsfehlern der Soko "Cold Cases" aufs Tempo. LKA-Leiter Heise erwartet Anfang kommender Woche einen ersten Bericht. (09.11.2018) mehr

"Cold Case"-Fall: Prozess endet mit Freispruch

Der brutale Überfall auf eine Frau vor 38 Jahren wird wohl nicht aufgeklärt: In einem spektakulären Fall der Hamburger Soko "Cold Cases" ist der Angeklagte freigesprochen worden. (24.10.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 15.11.2018 | 17:00 Uhr

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