Stand: 24.10.2018 11:53 Uhr

"Cold Case"-Fall: Prozess endet mit Freispruch

Im Prozess um einen Mordversuch vor 38 Jahren hat das Hamburger Landgericht den Angeklagten am Mittwoch freigesprochen. Die Beweisaufnahme habe ergeben, dass der heute 54-Jährige nicht der Tat schuldig sei, sagte die Vorsitzende Richterin. Drei von vier Indizien hätten für einen Schuldnachweis nicht getaugt, das vierte Indiz sei daraufhin gar nicht mehr geprüft worden. Die Richterin warf der Hamburger Polizei schwere Ermittlungsfehler vor. Die Sonderkommission "Cold Cases" habe Zeugen getäuscht und sogar mit einer Belohnung zu Aussagen bewegt.

Elke Spanner berichtet vom Cold Case Prozess. © NDR Foto: Screenshot

Cold-Case-Urteil: "Es gibt nur Verlierer"

NDR 90,3 -

NDR Reporterin Elke Spanner berichtet über den Freispruch eines 54-Jährigen in einem 38 Jahre alten Fall vor dem Hamburger Landgericht.

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Der 54-Jährige war angeklagt, im Jahr 1980 in Steilshoop eine 16-Jährige überfallen zu haben. Er soll versucht haben, sie zu vergewaltigen und zu töten. Seine Verhaftung im Februar dieses Jahres galt zunächst als großer Erfolg der Soko "Cold Cases": Sie hatte den Angeklagten Anfang dieses Jahres als Tatverdächtigen präsentiert.

Richterin: "Nur Verlierer"

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Der Angeklagte wurde freigesprochen. Die Richterin warf den Ermittlern der Polizei schwere Fehler vor. (Archivfoto)

In diesem Verfahren gebe es nur Verlierer, sagte die Richterin in ihrer Urteilsbegründung. Sie habe den Angeklagten nicht nur aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die Kammer sei überzeugt, dass er die Tat auch tatsächlich nicht begangen habe. Der Angeklagte sei durch den Prozess aus seinem Leben gerissen worden. Verliererin sei aber natürlich vor allem das damalige Opfer. Die Frau habe ihren inneren Frieden verloren und wisse jetzt nicht einmal, wer ihr das furchtbare Verbrechen vor fast vier Jahrzehnten angetan hat.

Plädoyers: Freispruch gefordert

Alle Prozessbeteiligten hatten in der vergangenen Woche auf Freispruch für den Angeklagten plädiert - selbst die Staatsanwältin. Im Laufe des Verfahrens waren die Hauptbelastungszeugen weggebrochen. Zwei frühere Schulfreunde aus Steilshoop hatten vor der Polizei behauptet, dem Angeklagten habe früher das Tatmesser gehört. Im Prozess aber erinnerten sie sich doch nicht mehr so genau. "Es ist mit unseren Mitteln nicht aufzuklären, ob der Angeklagte der Täter ist oder nicht," sagte die Staatsanwältin. Die Beweise würden für eine Verurteilung nicht ausreichen. Die Staatsanwältin beantragte, dem 54-jährigen Angeklagten eine Entschädigung für die viereinhalb Monate Untersuchungshaft zu zahlen. Der Verteidiger plädierte ebenfalls auf Freispruch und bemängelte zahlreiche Ermittlungsfehler.

Anwältin: Für Opfer ein Albtraum

Die Anwältin des damaligen Opfers sagte, für die Frau sei das alles ein Albtraum. Alles sei wieder aufgewühlt worden, und der Täter sei immer noch unbekannt. Das Opfer des Verbrechens war am Abend des 1. November 1980 heimtückisch mit dem Messer angegriffen worden. Die damals 16-Jährige stellte sich tot. Der Täter zog sie aber noch in ein Gebüsch und versuchte sie zu vergewaltigen. Die Jugendliche konnte nur durch eine Notoperation gerettet werden. 

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 24.10.2018 | 12:00 Uhr

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