Zwei Personen liegen in Decken eingewickelt auf dem Boden. © picture alliance Foto: picture alliance / ZB | Matthias Tödt

Bereits 26 Obdachlose starben in diesem Jahr in Hamburg

Stand: 18.11.2021 14:55 Uhr

Auf Hamburgs Straßen sind in diesem Jahr schon mindestens 26 obdachlose Menschen gestorben. Weitere 17 Wohnungslose starben in Krankenhäusern. Das geht aus der Antwort des Senats auf eine Anfrage der Linken hervor.

Die Obdachlosen sterben meist anonym in öffentlichen Parks, in Hinterhöfen oder unter Brücken - und das nicht nur im Winter, sondern zu jeder Jahreszeit. "Das ist kein Zustand, an den wir uns gewöhnen dürfen", erklärte Stephanie Rose von der Fraktion der Linken in der Hamburgischen Bürgerschaft. Sie forderte, dass mehr getan wird, um zu vermeiden, dass Menschen überhaupt erst ihre Wohnungen verlieren. Außerdem müssten sich mehr Straßensozialarbeiterinnen und -sozialarbeiter als bisher um die Menschen kümmern, die anders nicht zu erreichen seien.

Starben noch mehr Obdachlose?

Laut Senat beruht die angegebene Zahl der 26 Todesfälle auf einer überschlägigen Auswertung des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Das Straßenmagazin "Hinz&Kunzt" geht deshalb davon aus, dass die Zahl der verstorbenen Obdachlosen tatsächlich noch höher ist. Zum Vergleich: Im Jahr 2020 starben laut "Hinz&Kunzt" insgesamt 14 Obdachlose auf Hamburgs Straßen.

Gedenkgottesdienst für Obdachlose

In Eimsbüttel wird in der katholischen St. Bonifatiuskirche am kommenden Sonntag, dem Totensonntag, um 18 Uhr in einem Gottesdienst der verstorbenen obdachlosen Menschen gedacht. Dabei werden die Namen der Verstorbenen verlesen und Kerzen für sie angezündet. Eingeladen sind Wohnungslose und deren Angehörige und Freunde, außerdem Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Wohnungslosenhilfe. Der Gottesdienst findet statt, weil Obdachlose, die in Hamburg sterben, meist anonym und ohne jede Trauerfeier bestattet werden.

Winternotprogramm bietet Übernachtungsmöglichkeiten

Seit Anfang des Monats läuft für Obdachlose wieder das Winternotprogramm. Dort finden sie ein Bett und ein Dach über dem Kopf und bekommen außerdem etwas zu essen. Insgesamt bietet das Winternotprogramm etwa 1.030 Plätze. Darüber hinaus gibt es die ganzjährig zur Verfügung stehende Übernachtungsstätte Pik As in der Neustadt mit 330 Plätzen und die Notübernachtungsstätte für Frauen in der Hinrichsenstraße in Hohenfelde mit bis zu 60 Plätzen. Eine Übersicht gibt es im Internet unter www.hamburg.de/obdachlosigkeit.

Kältebus für Menschen in Not

In der Hamburger Innenstadt ist außerdem der Mitternachtsbus der Diakonie Hamburg von 20 Uhr bis 24 Uhr für die Versorgung vor Ort im Einsatz. Zwischen 19 Uhr und 24 Uhr fährt außerdem der Kältebus des Vereins CaFée mit Herz e.V. auf flexiblen Routen durch Altona, die Innenstadt und das gesamte Stadtgebiet. Wer in diesem Zeitraum hilfsbedürftige Menschen auf der Straße sieht, kann das mobile Team unter der Telefonnummer 0151 65683368 informieren. Tagsüber kann die Hotline der Hamburger Sozialbehörde mit der Nummer 040 428285000 gewählt werden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 18.11.2021 | 15:00 Uhr

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