Stand: 05.11.2018 14:30 Uhr

WWF-Report: Zustand der Gewässer ist prekär

Die Umweltorganisation WWF hat die deutschen Gewässer untersucht und kommt zu einem vernichtenden Urteil: "Der Zustand deutscher Gewässer ist flächendeckend prekär und verstößt gegen die Wasserrahmenrichtlinie", so das Fazit des WWF-Reports zur Wasserqualität und Umsetzung der EU-Wasserrahmenrichtlinie. Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern landen im Vergleich aller 16 Bundesländer im Mittelfeld. Als einziges der Nordländer gehört Schleswig-Holstein zur Spitzengruppe beim Wasserschutz. Doch selbst dieses Bundesland zwischen Nord- und Ostsee bleibt laut Report weit hinter den gesetzlichen Vorgaben der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) zurück. Eine Bewertung für Hamburg und Bremen war laut WWF nicht möglich. Während Hamburg keine natürlichen Fließgewässer mehr habe, melde Bremen die Daten nicht kontinuierlich.

 

Die EU-Wasserrahmenrichtlinie

Am 22. Oktober 2000 ist die Wasserrahmenrichtline der Europäischen Union in Kraft getreten. Mithilfe der Richtlinie sollte verhindert werden, dass sich der Zustand von Europas Flüssen, Seen und dem Grundwasser verschlechtert. Bis 2015 - in Ausnahmefällen bis 2027 - sollten alle Gewässer einen "guten ökologischen" und "guten chemischen" Zustand erreichen. Und zwar durch folgende Maßnahmen:
- Schutz aller Arten von Gewässern
- Wiederherstellung der Ökosysteme rund um das jeweilige Gewässer
- Reduzierung der Wasserverschmutzung
- Gewährleistung eines nachhaltigen Wassergebrauchs durch Einzelpersonen und Unternehmen

Quecksilber und Nitrate im Grundwasser

Mehr als ein Drittel der deutschen Grundwasservorkommen seien in einem schlechten chemischen Zustand. Grund seien die Nitrateinträge durch den Agrarsektor. Auch die Quecksilberbelastung, laut WWF eine Folge der Kohlestromerzeugung in Deutschland, liege beinahe flächendeckend über den in der Wasserrahmenrichtlinie festgeschriebenen Grenzwerten. Derartige Überschreitungen führten zu einer Gefährdung der Gewässerorganismen und der menschlichen Gesundheit. Auch der Zustand der Küsten- und Übergangsgewässer bereite Anlass zur Sorge: In keinem der betroffenen Bundesländer befinden sie sich laut WWF in einem "guten" oder "sehr guten ökologischen Zustand (Potenzial)".

Fast alle Fließgewässer mit Schadstoffen belastet

Bei den Fließgewässern sieht es laut dem WWF-Report noch schlimmer aus. Sie seien in Deutschland fast ausnahmslos durch Schadstoffe belastet. Zudem seien jahrzehntelang selbst kleinste Fließgewässer begradigt und damit ihrer "ökologischen Seele" beraubt worden. "Praktisch alle Flüsse" seien zu Wasserstraßen ausgebaut worden. Nur noch acht Prozent der deutschen Bäche und Flüsse können demnach als ökologisch intakt bezeichnet werden. Der Zustand der Gewässer sei deshalb nicht gut, weil nicht mehr die Tiere und Pflanzen zu finden seien, die in den Seen, Flüssen und Bächen eigentlich ihren natürlichen Lebensraum hätten.

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WWF: Industrie will Ziele aufweichen

Der WWF fordert anlässlich der am Mittwoch startenden Umweltministerkonferenz in Bremen die Landespolitik auf, "den Gewässerschutz endlich ernst zu nehmen" und die Richtlinie konsequent umzusetzen. "Es wurde zu lange weggesehen, wenn weite Teile der Industrie und des Agrarsektors auf Kosten unseres Wassers gewirtschaftet haben", sagte WWF-Vorstand Christoph Heinrich. Deutschland müsse sich zudem auf EU-Ebene für den Erhalt des heutigen Rechtsrahmens aussprechen. Industrie-Lobby und einige Mitgliedstaaten wollten die Zielvorgaben der Wasserrahmenrichtlinie aufweichen - für Heinrich "absolut kontraproduktiv und gefährlich". Angesichts der Nitrat- und Quecksilberbelastung sei zudem eine Wende in der Landwirtschaft und ein zügiger Ausstieg aus der Kohlestromerzeugung geboten.


05.11.2018 13:48 Uhr

Hinweis der Redaktion

In einer früheren Version der Grafik zum Ranking der Bundesländer ist dem WWF ein Fehler unterlaufen. Nicht Bayern belegt den Spitzenplatz, sondern Rheinland-Pfalz. Bayern steht auf Platz zwei, Schleswig-Holstein an dritter Stelle des Rankings. Wir haben die Grafik ausgetauscht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.11.2018 | 12:00 Uhr

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