Stand: 20.08.2019 15:51 Uhr

Produktfälschungen gemeinsam bekämpfen!

Egal ob Bekleidung, Elektroartikel oder Sportausrüstung: Wenn ein zum Beispiel im Internet angebotenes Produkt nur einen Bruchteil des normalen Preises kosten soll, muss man als Kunde genauer hingucken - denn oft handelt es sich dann um Fälschungen. Die wiederum kommen sehr oft aus China. Produktpiraterie ist ein großes Geschäft mit einer riesigen Gewinnspanne. Und genau da liegt auch das Problem der Eindämmung.

Ein Kommentar von Jürgen Webermann, NDR Info

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Die Politik scheine vor dem Problem mit den Produktfälschungen aus China zu kapitulieren, meint Jürgen Webermann.

Man kann von Donald Trumps Handelsstreit mit China halten, was man will. Aber in einem Punkt hat Trump recht: Geistiges Eigentum wird in China völlig unzureichend geschützt. Es gibt ganze Regionen, die vom Fälschen leben. Die Recherche des NDR und der "Zeit" verdeutlicht das auf fast schon dramatische Weise: Die Reporter finden Fabriken, in denen monatlich Zehntausende Rucksäcke der schwedischen Marke Fjällräven produziert werden. Dabei lässt das Unternehmen den beliebten Rucksack gar nicht in China fertigen.

Und die gefälschten Rucksäcke sind nur ein Beispiel. Hier ein paar Zahlen: 75 Prozent der Fälschungen, die der deutsche Zoll 2018 beschlagnahmte, kamen aus China. Der jährliche Schaden für die deutsche Wirtschaft beträgt mehr als 50 Milliarden Euro. Übersetzt in Arbeitsplätze bedeutet das einen Verlust von mindestens 70.000 Jobs. Manche gehen sogar von hunderttausenden Arbeitsplätzen aus. Die Fälscher-Industrie wächst zudem deutlich schneller als der Rest der Wirtschaft.

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Deutliche Worte in Richtung China wären angebracht

Und trotzdem scheint die Politik zu kapitulieren. Man rede ja mit den Kollegen aus China, beschwichtigt das Bundeswirtschaftsministerium. Aber man wolle nicht zu forsch vorgehen. Der Hintergrund: Deutschland ist nicht nur Exportweltmeister, sondern vom Export abhängig. Und China ist ein zu wichtiger Handelspartner, mit dem es sich die Bundesregierung nicht verscherzen will. Ähnliche Positionen findet man in Brüssel und anderen EU-Staaten.

Firmenchefs wie der Vorstandsvorsitzende vom Rucksack-Hersteller Fjällräven finden dafür deutliche Worte: Er habe das Gefühl, die Politik opfere sein Unternehmen, um die Beziehungen zu China nicht zu gefährden. Ein treffender Eindruck. Mehr Selbstbewusstsein und zumindest deutlichere Worte wären tatsächlich angebracht und wohl auch wirkungsvoll. Denn auch China kann nicht mal eben ohne die europäischen Partner. Die Abhängigkeiten sind gegenseitig.

Viele Fälschungen sind gesundheitsgefährdend

Zudem wären deutliche politische Signale auch im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher. Was die Recherchen nämlich auch ergaben: Viele Fälschungen sind gesundheitsgefährdend, sie sind mit Schwermetallen und Chemikalien belastet, die nicht in diese Produkte gehören.

Spätestens hier sollte es bei uns allen klingeln: Wer für, sagen wir, zehn Euro ein ansonsten 90 Euro teures Produkt auf irgendeiner Online-Seite, die nicht mal ein Impressum hat, kauft, muss einfach damit rechnen, dass es ein Fake ist. Dasselbe gilt für dubiose Shops auf Plattformen wie Amazon oder Alibaba. Vielen scheint das egal zu sein. Hauptsache billig. Hier müssen wir also alle umdenken, nicht nur die Politik.

Die Skyline von Shanghai bei Nacht. © NDR Foto: Screenshot

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Panorama - die Reporter -

Reportern des NDR und der "Zeit" ist es gelungen, den Weg eines gefälschten Rucksacks zurückzuverfolgen. Mit versteckter Kamera drehten sie in Fabriken in China und dokumentierten einen riesigen Industriezweig.

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Die Fälscher

20.08.2019 20:30 Uhr

Produkte, oft im Internet bestellt, können Fälschungen sein. Ob Parfums, Designer-Artikel oder ein Fjällräven-Rucksack. Eine Recherche von NDR Info, ARD Panorama und der "Zeit". mehr

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NDR Info | Kommentar | 20.08.2019 | 17:08 Uhr