Stand: 20.12.2018 08:22 Uhr

Konsequenzen nach "Spiegel"-Fälschungen

von Stefan Forth

Am Mittwoch hat der "Spiegel" öffentlich gemacht, dass der preisgekrönte Reporter Claas Relotius in etlichen seiner Arbeiten für das Magazin mit falschen Fakten gearbeitet hat - vorsätzlich und methodisch, wie es heißt. Die Redaktionen von "Die Welt" und "Welt am Sonntag" wollen nun Texte aus den Jahren 2010 bis 2014 noch einmal überprüfen. Sie sprechen von einer vorsorglichen Reaktion. Ob Relotius auch in Artikeln dieser Medien Personen und Ereignisse erfunden hat, ist noch unklar.

Dokumentationsabteilung des "Spiegel" hatte nichts gemerkt

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Der 33-jährige Journalist Claas Relotius hat unter anderem für "Spiegel", "Welt", "taz" und "Zeit-Online" gearbeitet.

Ein Kollege war misstrauisch geworden und hatte den Betrug aufgedeckt. Der Dokumentationsabteilung beim "Spiegel" war dagegen nichts aufgefallen, sagt Chefredakteur Steffen Klusmann: "'Der Spiegel' prüft jetzt, ob in solchen Fällen in Zukunft verstärkt Fotografen die Reporter begleiten sollen - um handelnde Figuren im Bild festzuhalten."

Aberkennung von Preisen wird geprüft

Das "Hamburger Abendblatt" sieht das Magazin in einer schweren Krise. Der Deutsche Journalistenverband appelliert auch an andere Redaktionen, Artikel des Reporters Relotius zu untersuchen, darunter die "Neue Züricher Zeitung", das "SZ Magazin" und "Cicero". Auch Stifter von Medienpreisen prüfen derzeit, ob sie Relotius' Auszeichnungen wieder entziehen können oder müssen - unter anderem die Deutsche Bischofkonferenz. Der Peter-Scholl-Latour-Preis 2018 wurde Relotius schon aberkannt. Ulrich Wickert, dessen Stiftung die Auszeichnung verleiht, zeigte sich "tief erschüttert".

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Thema | 20.12.2018 | 08:00 Uhr

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