Till Lindemann hebt die Arme zur Seite hoch. © picture alliance/dpa | Boris Roessler

Rammstein-Sänger Till Lindemann auf neuem Zaz-Album

Stand: 26.10.2021 12:31 Uhr

Das Chanson "Je veux" hat die Französin Zaz 2010 berühmt gemacht. Jetzt hat sie ihr Album "Isa" veröffentlicht und kooperiert dabei mit Rammstein-Sänger Till Lindemann.

von Petra Rieß

Vor knapp vier Jahren haben sich Till Lindemann und Zaz in Deutschland kennen gelernt. Lindemann ist offenbar großer Zaz-Fan und es war seine Idee, mit dem französischen Star eine Aufnahme zu machen: ein gemeinsames Chanson zu schreiben. Den Text zu "Le jardin des larmes" (auf Deutsch: "Garten der Tränen") hat der Rammstein-Sänger selbst verfasst. Die Musik dazu hat der frühere Zaz-Pianist Thierry Faure komponiert, der gemeinsam mit seiner Frau das Lied dann ins Französische übersetzt hat.

"Le jardin des larmes": Lindemanns Text steckt voller Symbole

Der Text steckt voller Bilder und Symbole, die sehr vieldeutig sind. "Für mich erzählt das Chanson von dem inneren Leben", sagt Zaz. Es gehe um Symbolismus und darum, nicht die falschen Dinge in sich zu nähren: "Überzeugungen zu verändern. Gleichzeitig steckt man in dem Alten fest. Kommt nicht raus. Das ist alles sehr komplex in diesem Chanson, ich habe noch nicht alles entschlüsselt."

Würden die beiden das auf Deutsch singen, wäre es wohl ziemlich kitschig - aber die französische Fassung funktioniert gut - sie veredelt es sogar. Stimmlich ergänzen die beiden sich sehr gut. Till Lindemann würde in Frankreich glatt als murmelnder Chanson-Sänger durchgehen. Zaz jedenfalls zeigt sich beeindruckt: "Er ist sehr charismatisch - und er ist ein sehr guter Schauspieler. Es war verrückt mit ihm zu arbeiten - wir haben mehrere Tage nicht geschlafen."

"Isa": Albumtitel kommt von Zaz' Kosenamen

Der Titel des Albums "Isa" ist ein Kosename für Zaz - die bürgerlich Isabelle Geffroy heißt. Ihr erstes Album seit drei Jahren ist ein Bekenntnis zu sich selbst und zu einem neuen anderen Lebensabschnitt. "Ich war in dieser Zeit sehr unsicher und gleichzeitig sind genau dann sehr viele schöne Dinge in mein Leben getreten - wie die Liebe", erzählt Zaz im Interview. Ihr Album erzähle von der Liebe, vom Loslassen und Wiederfinden, vom Angst haben und mutig sein.

"Les jours heureux" (auf Deutsch: Glückliche Tage): Schon der erste Titel auf dem Album ist Poesie pur. Geschrieben hat es der französische Musiker Barcella. Der Mann aus Reims gehört zu dem Autorenstamm, mit dem Zaz am liebsten arbeitet. Auch das Brüderpaar Olivier und Frédéric Volovitch ist dabei. Als Duo Volo haben sie in der Chansonszene einen Namen und sind für ihre humorvollen und sensiblen Texte bekannt. "Ich erzähle Ihnen von meinem Leben und sie erfassen genau, was ich sage", erzählt Zaz begeistert. "Sie schreiben immer sehr poetisch und niemals plump." "Il faut qu’on se donne" heißt eines der insgesamt drei Volovitch-Lieder, die es auf das Album geschafft haben.

Zaz: Neues Album klanglich aus einem Guss

Für den Sound und die Arrangements hat die Französin mit Reyn gearbeitet. Der Niederländer ist eine Art musikalische Edelfeder der Szene und hat ihr neue Ideen beschert. "Ich bewegte mich da in eine Richtung, an die ich vorher nicht gedacht hatte - zum Beispiel mit Beatbox zu arbeiten", schildert die Sängerin. "Das schafft sehr viele Nähe." Und das funktioniert. Das Album ist klanglich aus einem Guss, weniger heterogen als der Vorgänger "Effet Miroir". Mit Body Percussion, Streichern, aber auch klug gesampelten Klängen.

Auf den gerade modernen Retrosound der 80er-Jahre allerdings hat Zaz bewusst verzichtet. Nach einer Zeit des Rückzugs habe sie sich jetzt neu erfunden. Ein einziges Stück "Imagine" erinnert in seinem rotzigen Sound an die frühere Zaz, die jetzt offenbar einen neuen Abschnitt begonnen hat. Ihr ist ein Album gelungen, das die Chancen des Lebens feiert.

Isa

Label:
Warner
Veröffentlichungsdatum:
22.10.2021
Preis:
18,99 €

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 21.11.2021 | 09:20 Uhr

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