Daniel Hope: "Zu Hause bin ich am glücklichsten"

Stand: 12.01.2023 13:19 Uhr

2023 ist ein besonderes Jahr für Geiger Daniel Hope. Er feiert seinen 50. Geburtstag und ist Porträtkünstler beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Ein Gespräch über besondere Begegnungen und das Leben als Künstler.

Daniel Hope, Sie werden dieses Jahr 50. Wie gehen Sie damit um? 

Daniel Hope: Ich freue mich, dass ich es bis hierhin geschafft habe. Natürlich wird man ein bisschen nachdenklich. Es ist eine große Zahl, aber ich liebe das, was ich tue: Musik ist wirklich mein Leben. Das darf ich in diesem Jahr noch intensiver genießen, das ist eine Freude. Ich freue mich auf alles, was kommt. Insbesondere, dass ich hier im Norden so viel spielen kann. 

Es wird sehr viele Konzerte geben, rund um Ihren Geburtstag. Wissen Sie schon, wie Sie privat feiern werden? 

Reporterin Anina Pommerenke sitzt neben dem Geiger Daniel Hope. Beide haben ein Fischbrötchen in der Hand. © NDR/ Anina Pommerenke
Reporterin Anina Pommerenke und Geiger Daniel Hope haben sich auf ein Fischbrötchen getroffen.

Hope: Was ich weiß: Mein Geburtstag ist der einzige Tag, an dem ich kein Konzert spiele. Den 17. August werde ich mit meiner Familie verbringen und kein Konzert spielen. Aber davor und danach - überall. Vor allem hier in Schleswig-Holstein gibt es 50 Ereignisse. Das geht Anfang des Jahres los und geht bis zum Ende des Jahres. Ein ganzes Jahr mit Musik - das ist schon sehr intensiv. 

Sie sind ja sehr viel unterwegs. Haben Sie eigentlich noch einen Überblick darüber, wie viele Tage des Jahres Sie unterwegs sind? 

Hope: Nein, aber es sind viele. Ich bin reisender Musiker, seit ich 15 Jahre alt bin. Das gehört einfach dazu. Ich bin aber genauso gern zu Hause. Auszeiten sind sehr wichtig für mich. In diesem Jahr wird es nicht so viele geben. Deshalb reist meine Familie ganz oft mit - vor allem in diesem Jahr. Und Reisen gehört dazu, wenn man Musik spielt und lebt. Man will es weitergeben, und das kannst du nur machen, indem du reist. 

Wie vertreiben Sie sich die Zeit auf Reisen - zum Beispiel im Flugzeug? 

Hope: Ich schaue Filme, ich kann gut arbeiten oder schlafen. Reisen ist für mich ganz normal. 

Haben Sie auf der Welt einen Happy Place? 

Hope: Zu Hause bin ich am glücklichsten und am liebsten. Aber es gibt viele Orte, also Hamburg liebe ich sehr und Schleswig-Holstein. Das ist ein bisschen wie nach Hause kommen. Ich habe in Lübeck studiert und diese Atmosphäre, Konzerte in Scheunen, an wunderschönen Orten - das gehört zu meiner Kindheit, und deshalb bin ich auch sehr glücklich, wenn ich hier bin. 

Sie haben zwei Söhne, die mittlerweile vier und neun Jahre alt sind. Spielen die auch schon Instrumente? 

Hope: Der ältere spielt Gitarre und ist sehr kreativ. Er macht nicht nur Musik, sondern eigene Filme und macht auch seine eigene Musik als DJ und Komponist. Aber eher im Rock- und Popbereich. 

Also Klassik ist kein so großes Thema? 

Hope: Noch nicht. Aber Musik ist Thema bei uns. Musik ist überall zu spüren und zu hören, und die Kinder tanzen auch sehr gerne.  

Zwei Söhne großzuziehen ist eine große Aufgabe. Gibt es bestimmte Werte, die Sie Ihren Kindern unbedingt mitgeben möchten? 

Hope: Sie kriegen natürlich sehr viel von meinem Leben mit, was ungewöhnlich ist. Aber auf der anderen Seite brauchen sie ein Rhythmus, ein Zuhause und eine gute Schule. Das haben wir in Berlin, und wir sind sehr glücklich dort. Berlin ist ein Ruhepol für uns. Da sind wir als Familie zusammen. Ansonsten: Höflichkeit, Respekt vor anderen, Toleranz. Man versucht, was man kann, es sind zwei fantastische Kinder. 

Merken sie denn schon, dass Sie einen besonderen Beruf haben? 

Hope: Ich denke schon. Das Auf-der-Bühne-Stehen, das Reisen und alles, was dazugehört - das ist schon etwas anderes. Wenn Du das bereits als Baby mitbekommst, dann weißt Du, dass es vielleicht ein bisschen anders ist, als das, was andere Menschen machen. Aber wichtiger ist die Zeit, wenn man zusammen ist, dass man dann voll da ist. Das ist wichtig, und das versuche ich natürlich auch. 

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Im Internet stolpert man schnell über eine lustige Anekdote aus Ihrer Kindheit: Sie haben in der Schule mal eine Rüge bekommen, weil Sie heimlich ein Stück gelernt haben. Was war da los? 

Hope: Das ist tatsächlich eine wahre Geschichte. Es war gar nicht so witzig damals. Ich wollte unbedingt das Violinkonzert von Mendelssohn spielen. Ich war acht Jahre alt, und ich war noch nicht gut genug, um das zu spielen. Die Lehrer haben mir das verboten. Aber ich wollte es unbedingt machen. Ich hatte ein ganzes Jahr lang ein Stück von Bach gemacht und wollte was anderes ausprobieren. Also habe ich mir die Noten von einem Freund geborgt und habe es heimlich im Badezimmer geübt.

Es gab so ein gemeinsames Badezimmer und ich dachte, das wäre ein guter Ort, um heimlich Mendelssohn zu üben. Aber: Jemand hat das gehört. Ich glaube, es war die Hausmutter, und ich wurde tatsächlich zum Direktor geschickt. Es gab einen Tadel, dass ich Mendelssohn ohne Erlaubnis geübt hätte. Die Schule hat meine Eltern angerufen und gesagt: Es sei etwas Schlimmes passiert. Sie sollen kommen. Meine Eltern dachten, ich hätte vielleicht das Haus angesteckt. Tatsächlich bin ich kurz danach von dieser Schule weg.  

Die meisten Eltern wären vermutlich sehr froh, wenn ihre Kinder heimlich Mendelssohn üben würden. Sie spielen ja ein sehr teures Instrument, darf das außer Ihnen eigentlich jemand anfassen? 

Hope: Nein! (lacht) Es muss aber immer gepflegt werden. Da gehe ich zu einem Geigenbauer, der immer checkt, ob alles in Ordnung ist. Dieses Instrument gibt es seit 1742, es hat schon eine ganze Menge erlebt und überstanden. Trotzdem muss man es pflegen! Es ist außerdem eine Leihgabe. Es gehört mir nicht, aber ich darf es spielen. Es ist ein fantastisches Instrument. Man muss einfach immer aufpassen. Aber es ist ständig dabei. 

Muss man als Profi-Musiker eigentlich trotzdem noch regelmäßig üben? 

Hope: Ja, jeden Tag üben und spielen. Vor allem musst Du sehr, sehr viel spielen. Wir sind gerade auf Tournee. Wir machen abends ein Konzert von zwei Stunden. Davor proben wir zwei Stunden. Also ist man schon bei vier Stunden Spielen am Tag. Darunter geht es eigentlich nicht. Du musst die Stücke ab und zu immer wieder auffrischen - sie spielen sich leider nicht von alleine.

Wer ist eigentlich die berühmteste Person, die Sie je getroffen haben? 

Hope: Ich hatte das große Glück, viele bekannte Menschen kennenzulernen? Die Begegnung mit Nelson Mandela war ein großes Erlebnis. Die Queen und die königliche Familie habe ich mehrfach getroffen. Sting ist eine weitere Persönlichkeit. Mein Beruf hat mich glücklicherweise mit sehr spannenden Menschen zusammengebracht. Als ich ein kleines Kind war, hat meine Mutter für Yehudi Menuhin gearbeitet, den großen, berühmten Geiger und allein dadurch bin ich vielen sehr spannenden Menschen begegnet.  

Sie sind in diesem Jahr der Porträtkünstler beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Sie haben ein unheimlich vielfältiges Programm im Gepäck. Was ist da alles dabei? 

Hope: Es gibt vor allem klassische Musik, Werke von Mendelssohn, von Beethoven, von Mozart und Bach. Aber dann gibt es auch ein paar ganz andere Sachen: Volksmusik zum Beispiel und irische Musik. Es wird Lesungen geben und das Schöne ist, dass so viele Künstlerinnen und Künstler unserer Einladung gefolgt sind, gemeinsam mit uns das ganze Jahr über Konzerte zu machen. Wir machen 50 Ereignisse - nicht alle sind Konzerte.

Es gibt, glaube ich, 38 verschiedene Programme, mit hunderten von Künstlern. Am meisten freue ich mich auf die jungen Wilden. Das sind 80 bis hundert Kinder, die werden Geige spielen, wir werden alle zusammen spielen! Die werden erstmal mit zwei hervorragenden Kollegen von mir üben und haben dann die Chance, über einen längeren Zeitraum die Stücke einzustudieren. Dann komme ich dazu, und wir machen eine Riesensause 

Zum Abschluss haben wir noch drei "Entweder-oder-Fragen": Freitagabend: lieber gemütlich zu Hause auf der Couch oder auf der Bühne? 

Hope: Zuhause! (lacht) Fangfrage! Am liebsten bin ich aber zu Hause. Das war das großartige in der Pandemie, da durfte ich Konzerte zu Hause machen. Und das war wirklich das Schönste überhaupt: Zu spielen und dann aber gleich danach Abendessen zu kochen.  

Hören Sie in Ihrer Freizeit am liebsten Musik oder machen Sie etwas ganz anderes? 

Hope: Teils, teils. Ich höre Musik - aber wenig Klassik, muss ich sagen. Ich höre alles Mögliche: Große Pop-Größen, Rock-Künstler. Ich höre das, was meine Kinder hören, alles querbeet. Eminem ist ganz hoch im Kurs bei meinen Söhnen. Ich höre viel aus den 80er-Jahren - das ist meine Welt. Ansonsten gehen wir viel mit unserem Hund spazieren, einem Golden Retriever, sind einfach zu Hause, genießen das Familienleben. Wenn man viel unterwegs ist, hat man auch viel Stress hat und dann braucht man diesen Ruhepol.

Letzte Frage: Ewig weiterspielen oder irgendwann in Rente gehen? 

Hope: Es gibt keine Rente bei uns! Wenn man nicht mehr spielen kann - dann nicht, aber Musik bleibt da und Musik hält hoffentlich jung. Ich mache viele anderen Sachen: Ich produziere und ich moderiere. Ich hoffe, ich kann mich mit Musik beschäftigen, bis ich nicht mehr da bin! 

Das Interview führte Anina Pommerenke.

 

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 07.01.2023 | 19:30 Uhr

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