Daniel Hope im Porträt © Daniel Waldhecker

Daniel Hope feiert die 50 mit dem SHMF

Stand: 23.03.2023 18:00 Uhr

Daniel Hope feiert am 17. August einen runden Geburtstag. Der Star-Geiger wird 50 Jahre alt. Dafür hat er sich etwas Besonderes einfallen lassen, erzählt er uns bei NDR Kultur à la carte.

Star-Geiger Daniel Hope ist aktueller Porträtkünstler des Schleswig-Holstein Musik Festivals. Er wird im Norden mit 50 Konzerten und Veranstaltungen über das Jahr verteilt, vertreten sein. Hope ist schon lange Teil des Schleswig-Holstein Musik Festivals. 1987 ist er zum ersten Mal bei den "Musikfesten auf dem Lande" aufgetreten - da war er gerade einmal 13 Jahre alt. Zwei Jahre später gab es dann Daniel Hopes ersten großen Auftritt mit Orchester.

50 - ist das eine Zahl, die dir Respekt einflößt, oder wie schaust du drauf?

Daniel Hope: Ja, sehr viel Respekt. Ich freue mich darüber. Auf der anderen Seite ist das natürlich ein wichtiger Moment. Es ist vielleicht auch ein Moment zum Zurückschauen und Innehalten. Es ist eine große Ehre für mich, dass ich mich beim Schleswig-Holstein Musik Festival komplett künstlerisch entfalten darf. So ein Angebot hatte ich noch nie. Ich glaube, es gibt auch kein Festival, wo man das überhaupt machen könnte. Deshalb ist es eine große Vorfreude.

50 Veranstaltungen sind eine Menge Holz. Ich bin gespannt, was du uns da erzählen kannst, was für Pflöcke, um bei dem Bild zu bleiben, du da einschlagen möchtest. Du bist dem Schleswig-Holstein Musik Festival extrem lange verbunden, seit deinen Teenager-Jahren.

Hope: Das ist richtig. Ich glaube, die allerersten öffentlichen Auftritte waren beim Schleswig-Holstein Musik Festival und zwar beim Musikfest auf dem Land, das war im zweiten Jahr des Festivals. Ich war Schüler von Felix Andrievsky und es hieß: "Packt eure Sachen, geht auf die Bühne und spielt." Für einen zwölf- oder 13-Jährigen ist das natürlich ein unglaublicher Moment. Dann kam ich nach Emkendorf und nach Altenhof - alles wunderschöne Orte. Plötzlich teilst du eine Bühne mit weltbekannten Künstlern, unter anderem dem Emerson String Quartet und wie sie alle heißen. Du warst noch nie auf einer Bühne. Du gehst in eine Scheune, die vollgepackt ist mit Menschen, die der Musik lauschen, zuhören und mit Begeisterung schreien, und man dachte, man ist im Schlaraffenland, es war unfassbar. Das war wirklich ein extrem wichtiger Moment für mich, zu sehen: Was passiert auf der Bühne? Wie ist es mit dem Musikleben in Deutschland und mit dem Kulturleben? So etwas habe ich zum Beispiel in England bis dahin nicht erleben können. Das war völlig neu. Diese Euphorie, die es beim Schleswig-Holstein Musik Festival Mitte der 1980er-Jahre gab, das war was Neues, was Sensationelles. Leonard Bernstein war da, alle waren da und alle zusammen waren wir in der Künstlerküche und haben Butterkuchen gegessen. Diese Kontraste - das war herrlich.

Du warst ja wirklich im Grunde noch ein Kind, als du dort warst. War das tatsächlich schon so, dass du dich da willkommen gefühlt hast als ganz junger Nachwuchsmusiker?

Hope: Total, also man wurde wirklich mit aufgenommen. Man saß buchstäblich in dieser Künstlerküche, während jemand Brote geschmiert hat und irgendwelche Kisten von Maxim Vengerov wurden vorbeigefahren. Es gab ganz viele "Festival-Mütter", die auf die Kinder aufgepasst haben. Manche Konzerte dauerten stundenlang und plötzlich kam zum Beispiel Justus Franz und sagte: "Nein, ich will es ganz anders machen." Es ging alles durcheinander und es gab ein Chaos, das aber herrlich war. Das war so improvisiert und dann dieses Ländliche, dieses Zusammensein, dieser Community-Spirit - das war einfach fantastisch.

Ein großer Name, den du eben nicht erwähnt hast, der aber auch mit dem Schleswig-Holstein Musik Festival verbunden ist und vor allem auch mit dir verbunden ist, ist der großartige Yehudi Menuhin. Er war dein wichtigster Mentor und er hat dein erstes Solokonzert beim Schleswig-Holstein Musik Festival geleitet. Das war 1989 beim Mendelssohn Konzert. Ich meine, Yehudi Menuhin ist jemand, mit dem du nicht nur musikalisch verbandelt warst, sondern auch freundschaftlich. Was hat er dir mitgegeben, was du selber in die Welt tragen möchtest?

Hope: Es würde diese Sendung sprengen, aber ich würde sagen, Demut für das, was man tut. Dankbarkeit, dass man auf der Bühne sein kann und so vielen Menschen begegnen kann mit der Musik und Neugier. Neugier auf die Musik, die du liebst und studierst. Neugier auf andere Menschen, Kulturen und Musikrichtungen. Und Toleranz und Offenheit, so war er als Mensch, so war er als Musiker. Und er war jemand, der einfach daran geglaubt hat, dass jeder eine Möglichkeit hat, jeder eine Richtung einschlagen kann. Es gibt kein Richtig und kein Falsch, und das finde ich heutzutage so wichtig in der Musik. Wir können uns streiten, wir können anderer Meinung sein, aber jeder ist berechtigt dazu. Die Musik ist für jeden da. Das war eine ganz wichtige Lehre für mich.

Das Gespräch führte Friederike Westerhaus.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | NDR Kultur à la carte | 24.03.2023 | 13:00 Uhr

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Klassik

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