Jane Birkin lächelt im Mai 1970 im Englischen Garten in München für ein Porträtfoto. © Parschauer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Jane Birkin lächelt im Mai 1970 im Englischen Garten in München für ein Porträtfoto. © Parschauer/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
AUDIO: Zum Tod von Jane Birkin: "Alle Frauen gewissermaßen Töchter von ihr" (4 Min)

Zum Tod von Jane Birkin: "Alle Frauen gewissermaßen Töchter von ihr"

Stand: 17.07.2023 11:38 Uhr

Die Sängerin und Schauspielerin Jane Birkin ist am Sonntag im Alter von 76 Jahren in Paris gestorben. Erst im Frühjahr mussten geplante Konzerte mit ihr aus gesundheitlichen Gründen abgesagt werden, unter anderem in der Elbphilharmonie.

von Carolin Dylla

Ihre Stimme war unverkennbar, auch am Telefon, sanft und weich - und endlich wieder fröhlich, sagte Jane Birkin Ende 2020, kurz nachdem sie zusammen mit dem französischen Popsänger, Komponisten und Produzenten Étienne Daho ein lange geplantes Herzensprojekt in die Tat umgesetzt hatte.

Schwierige Jahre nach dem Suizid ihrer Tochter Kate 

In "Oh! Pardon tu dormais…" hatte die britisch-französische Künstlerin ihre schwierigsten Jahre verarbeitet. 2013 stürzte sich ihre Tochter Kate mit nur 43 Jahren aus dem Fenster, und Jane Birkin versuchte irgendwie, damit klarzukommen. "Nachdem meine Tochter Kate gestorben ist, war ich wie gelähmt", erzählte Birkin. "Sieben Jahre lang konnte ich nichts Eigenes machen. Ich habe nur noch die Lieder von Serge Gainsbourg gesungen, bin damit auf Tournee gegangen. Das war das Beste, was ich tun konnte. Er hat mich irgendwie gerettet."

Auch 30 Jahre nach seinem Tod war Serge Gainsbourg noch immer ein Teil von Jane Birkins Leben. "Ihm habe ich es zu verdanken, dass ich überhaupt bekannt bin, vor allem seinem Chanson 'Je t'aime moi non plus', dass ich mit ihm gesungen habe", so Birkin. Das Skandalduett, das eigentlich Brigitte Bardot hätte singen sollen, dies aus Rücksicht auf ihren damaligen Mann Gunter Sachs aber nicht tat, wurde 1969 zum Nummer-eins-Hit. 

"Je t'aime moi non plus": Gestöhne brachte Song auf den Index

Bild aus dem Buch "Chanson" von Olaf Salié © mauritius images / Keystone Press / Alamy
Aus dem Bildband "Chanson" von Olaf Salié: Jane Birkin und Serge Gainsbourg im Jahr 1971.

Das Lied landete wegen des anzüglichen Gestöhnes in vielen Ländern auf dem Index. Damals lebte die junge Britin Jane erst seit kurzem in Frankreich, hatte ihren ersten Ehemann, den James Bond-Komponisten John Barry, verlassen und zog mit ihrer Tochter Kate zu Gainsbourg. Sie sang und drehte Filme, spielte unter anderem in "La Piscine" an der Seite von Alain Delon und Romy Schneider.

Attraktiv und sexy spielte Birkin ihre Reize nicht nur im Film aus. Sie zeigte sich oft leicht bekleidet, etwa mit durchsichtigen Netzoberteilen, ließ sich in einem knappen Body auf dem Schoß von Gainsbourg vom berühmten Fotografen Helmut Newton ablichten. Elf Jahre blieben die beiden ein Paar, drehten Filme und produzierten Musik. Ihre Tochter Charlotte wurde geboren.

Auch nach Trennung sang sie Serge Gainsbourgs Lieder 

Anfang der 80er-Jahre trennte sich das Paar. Gainsbourg aber schrieb weiter für Birkin und sie sang seine Lieder. "Er ließ mich über seine Verletzungen singen, die ich ihm zugefügt hatte", erzählte Birkin im Interview. "Das war sehr seltsam. Ich wusste ja, dass ich ihn verlassen und verletzt hatte. Ich wollte diese Lieder trotzdem singen, sehr hoch und bewegt. Das alles, um einen Grund zu haben, weiter mit ihm zusammen zu sein."

Später wurde der Gainsbourg Patenonkel von Jane Birkins dritter Tochter Lou, die sie zusammen mit dem französischen Regisseur Jacques Doillon bekam. Auch von ihm trennte sich Birkin.

Jane Birkin: Künstlerisch umtriebig bis ins hohe Alter

Neben ihrer Karriere engagierte sie sich unter anderem für verschiedene humanitäre Organisationen wie UNICEF und für den Umweltschutz. Die Regisseurin Catherine Corsini hat eng mit ihr zusammengearbeitet und würdigte Jane Birkin im Fernsehsender BFM als warmherzige und bescheidene Künstlerin: "Ich glaube, alle jungen Frauen oder generell alle Frauen heute sind gewissermaßen Töchter von Jane Birkin. Sie hat uns so viel gegeben, und gleichzeitig hatte sie immer das Gefühl, nicht gut genug zu sein. Jedes Mal, wenn sie auftrat, spielte sie, als hätte sie das vorher nie gemacht, als hätte sie Angst, es nicht zu schaffen."

Dabei war Birkin ein Multitalent und bis ins hohe Alter künstlerisch umtriebig. Im September 2021 hatte Birkin einen leichten Schlaganfall erlitten, sich aber erholt und war auch wieder öffentlich aufgetreten. Immer wieder hat sie sich zurückgekämpft, dorthin, wo sie sein wollte: "Ich habe das Glück, noch Alben machen zu können, auf der Bühne zu stehen, zu schauspielern", erzählte die Künstlerin. "Ich bin in meinem Element. Und ja, ich spiele auch eine Rolle." Es war eine ebenso vielschichtige wie schillernde Rolle, in der Jane Birkin mehr als ein halbes Jahrhundert brilliert hat.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassikboulevard | 23.07.2023 | 16:50 Uhr

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