Sofia Baronner steht am Eingang zur Galerie "Tanke" © NDR.de Foto: Agnes Bührig

Studie: Galerien stehen vor deutlichen Veränderungen

Stand: 24.11.2020 15:20 Uhr

Seit Beginn der Coronakrise sei eine stärkere Vernetzung in der Galerie-Branche zu beobachten. Das sind Erkenntnisse einer Studie, die im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Galerien und Kunsthändler stattgefunden hat.

von Agnes Bührig

Kunststudentin Sofia Baronner führt durch den Eingangsbereich des Projektraumes "Tanke": "Das ist der Frontraum, das ist der ehemalige Verkaufsraum der ehemaligen Fleischerei. Wir haben hier zwei sehr große Schaufensterfronten, über die wir gern Ausstellungen zeigen, also auch in Schaufensterausstellungen." Der Raum liegt in der bürgerlich geprägten Südstadt, den sie im vergangenen Jahr mit Studierenden verschiedener Fachrichtungen gegründet hat.

Wo früher Wurst und Schweinehälften hingen, sind Ateliers entstanden. Bilder lehnen vor gekachelten Wänden. Der Pappmaché-Kopf eines Walrosses wartet auf seinen Einsatz in einem Kunstfilm.

Kunst im virtuellen Raum - für einige keine Alternative

Weniger Besucher machen sich auch bei der Galerie Falkenberg im Szeneviertel Linden bemerkbar. Sie verkauft Malerei im Grenzbereich zwischen narrativ-gegenständlicher und abstrakter Kunst und will kommendes Jahr ihr 20-jähriges Bestehen feiern. Die Lage sei derzeit noch gut, sagt Galerist Achim Leseberg. Sie dürfen weiterhin öffnen, weil sie als Kunstgalerie nicht zum Kulturbereich zählen sondern eine Sonderform des Einzelhandels darstellten. "Das Problem ist, dass sehr viele Kunden das auch nicht wissen und natürlich auch trotzdem Angst haben, zu kommen. Das heißt also, die Besuche haben seit drei Wochen rapide abgenommen. Und für uns ist es deswegen unheimlich schwierig, zu planen."

Kunst stattdessen im virtuellen Raum zu präsentieren, ist für Achim Leseberg keine Alternative. Seine Kundinnen und Kunden kämen am liebsten persönlich in die Ausstellung. Selten gehe es um Kunst als Geldanlage. Für die meisten sei der Erwerb von Kunstwerken ein Freizeitvergnügen, bei dem man Spaß haben will, sagt der Galerist: "Online ist eine Visitenkarte, das heißt wir haben schon neuen Kundenkontakt durch die Online-Geschichte, aber in der Regel kommen die Leute doch in die Galerie, um zu kaufen."

Coronakrise: Fluch und Segen

Auch mit der Kunstform hat es etwas zu tun, ob Galerien den Beschränkungen der Pandemie etwas Gutes abgewinnen können. Ein Ölgemälde lässt sich im Internet als Foto oder in einem Vermittlungsvideo mit Kurator oder Künstlerin im Dialog präsentieren. Für Performance und Videokunst bietet der virtuelle Raum die notwendige Bühne.

Für Ricus Aschemann, der den Verein zur Förderung zeitgenössischer Fotografie und Medienkunst Scope vertritt, ist die Coronakrise Fluch und Segen gleichermaßen: "Wir gehen jetzt mal ein Experiment ein und sagen, wir transportieren unsere physische Ausstellung und auch Künstler, die eigentlich fast nur physisch arbeiten, jetzt ins Internet und entwickeln einfach mal ein neues Format."

Unterschiedliche Wege im Umgang

Kunstwerke von acht Künstlern präsentiert Scope bis zum Sommer auf seiner Biennale für Fotografie und Medienkunst im Internet, darunter eine Performance mit Kamera am Fingernagel und Fotos, deren Reihenfolge die Betrachter per Mausklick bestimmen und so ihre eigene Geschichte konstruieren können. Ausstellungsmacher in Hannover gehen also ganz unterschiedlich mit den Herausforderungen der Pandemie um. Die Lage ist ernst, aber derzeit nicht hoffnungslos.

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Blau verfremdetes Motiv: Leere alte Bilderrahmen übereinander angeordnet. © Comstock Images

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Dieses Thema im Programm:

Klassisch unterwegs | 24.11.2020 | 15:20 Uhr