Stand: 09.05.2020 05:00 Uhr  - NDR Info

Kunstmuseum Ahrenshoop: Gemischte Gefühle vor Öffnung

von Susanne Birkner
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Das Kunstmuseum Ahrenshoop zeigt Werke der Künstlerkolonie an der Ostsee.

Was bedeutet Corona für die Kultur? Theater, Clubs und Kinos sind zu - Künstlerinnen und Künstler haben keine Einnahmen mehr. Museen hingegen können aufatmen und unter bestimmten Vorschriften jetzt wieder öffnen - wie bald auch das Kunstmuseums Ahrenshoop. "Ja, wir freuen uns schon, dass wir wieder an den Start gehen können, denn jeder Tag, an dem man nicht am Start ist, ist traurig", erzählt Marion Schael am Telefon. "Voraussichtlich werden wir zu Pfingsten starten. Aber auch nur eingeschränkt, mit verkürzten Öffnungszeiten und auch nicht alle Tage die Woche."

Lohnt sich eine Eröffnung unter Auflagen?

Marion Schael ist die Geschäftsführerin des privaten Kunstmuseums Ahrenshoop. Sie muss rechnen, ob es sich lohnt, das Haus aufzumachen, das sich komplett durch Eintrittsgelder und Spenden finanziert.

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Und das hängt ganz stark von den Touristen ab. "Wir müssen schauen, wie ist die Auslastung, wie ist die Ausbuchung. Und dann müssen wir abwägen", erzählt sie. Mecklenburg-Vorpommern verspricht jeden Tag neue Lockerungen. Auch museumspädagogische Veranstaltungen wären demnach bald wieder möglich. Einerseits klinge es gut, dass man jetzt wieder Veranstaltungen mit 75 Leuten durchführen könne - anderseits müsse man auf den nötigen Abstand achten. "Dann muss ich einen riesigen Saal haben. Das funktioniert ja nur ganz bedingt", sagt Marion Schael. "Wenn ich nur ganz beschränkt Gäste ins Haus holen kann - und ich kann ja keine Wucherpreise als Eintrittspreise nehmen - dann kann ich es eigentlich auch sein lassen."

Abhängig vom Tourismus

Marion Schael klingt etwas aufgeregt. Nur wenige Tage zuvor hatte sie noch mit einer Öffnung im August gerechnet - und dann öffnete sich Mecklenburg-Vorpommern plötzlich doch für Touristen. "Ich bräuchte 3.500 Gäste im Monat", sagt sie. "Und nur die Einheimischen, das, was hier auf der Insel lebt, davon bekomme ich keine 3.500 Gäste zusammen. Wir sind eine touristische Region. Und wir sind absolut vom Tourismus abhängig."

"Es kommt keine müde Mark rein"

Ahrenshoop liegt direkt an der Ostseeküste, in der ehemaligen Künstlerkolonie wird Kunst noch immer gelebt. Der Ort ist nach wie vor ein Anziehungspunkt auf der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst. "Wir haben über elf Galerien im ganzen Ort, und wir sind sozusagen das große Haus in diesem Zusammenspiel", sagt Schael.

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Seit März ist das große Haus nun dicht. "Für uns ist einfach besonders schmerzlich, weil kein Geld fließt, wenn die Tür zu ist. Es kommt keine müde Mark rein." Digitale Rundgänge helfen zwar, bei den Kunstfans im Gedächtnis zu bleiben. Finanziell bringen sie aber nichts ein: "Wenn ich den Mai jetzt mit dazu rechne, dann haben wir mittlerweile 100.000 Euro Verlust. Das Haus ist zu, alle Mitarbeiter sind auf null Stunden Kurzarbeit", sagt Schael. Ein Antrag auf Einmal-Unterstützung sei natürlich gestellt, die Zahlung sei zügig und in vollem Umgang eingegangen. "Man hat hier kaum die Möglichkeit Rücklagen zu bilden, weil gute Ausstellungen Geld kosten."

Zwei Herzen schlagen in der Brust

Jetzt kann Marion Schael langsam an die Öffnung an Pfingsten denken. Mit Händedesinfektion, Mundschutz und Abstandshaltern. "Eigentlich kann man in einem Museum ja gut Abstand halten", sagt die Geschäftsführerin. "Wir haben vier große Ausstellungssäle, wir haben ein großes Foyer. Man kann sich eigentlich schon sehr gut aus dem Wege gehen." Ganz wohl ist ihr dabei aber nicht. Sie dürfe ja nicht nur sich selbst und das Museum sehen, "sondern ich muss ja die gesamte Bevölkerung sehen. Und eine zweite Welle, das wünscht man niemandem", sagt sie. "Sie merken, da schlagen zwei Herzen in meiner Brust."

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 09.05.2020 | 06:55 Uhr

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