Elena Bulycheva © Elena Bulycheva

Elena Bulycheva macht Kunst mit der Waschmaschine

Stand: 02.10.2020 14:12 Uhr

Kunst mit der Wasch- oder Kehrmaschine: Die Hamburgerin Elena Bulycheva hat sich mit ungewöhnlichen Werken einen Namen in der Kunstszene gemacht.

von Franziska Storch

Kunst waschen? Das gab es noch nie. Aber genau das macht Elena Bulycheva mit ihren Bildern. Etwa 7.000 Euro kostet ein Gemälde von ihr. Sie studiert Malerei im Master an der Hochschule für Bildende Künste in Hamburg. Vorher hat sie in Moskau ihren Bachelor in Kunst gemacht.

Gewaschene Kunst: Idee aus Verzweiflung

Wie sie auf diese Idee gekommen ist, ihre Gemälde zu waschen?" Ich habe Kunst studiert und ich war sehr hoffnungslos, weil meine Bilder niemand gekauft hat, dann habe ich alle Bilder gewaschen, das war eine Protesthandlung", erklärt Bulycheva, wie sie auf diese ungewöhnliche Idee gekommen ist. Wenn keiner die Bilder will, sollen sie verschwinden. Nach dem Waschen in einer Industriemaschine war von den Motiven nur noch wenig zu sehen.

Diese Krise ist gut vier Jahren her - und war auch ein Neuanfang. Für den wollte Elena Bulycheva nach Hamburg. In einer russischen Zeitschrift habe sie über ihren Lieblingskünstler Anselm Reyle gelesen. Der ist Professor an der Kunsthochschule in der Hansestadt und bekannt für schrille Farben. Auch Elena Bulycheva benutzt schreiendes Grün, leuchtendes Gelb, Pink und Babyblau. Nach dem Waschen sind sie verblasst. Auf ihren Bildern stehen viele englische Sprüche wie "I didn't change, I just find myself" oder "Your opinion is not my instruction". Manche kann man nach dem Waschen kaum mehr lesen.

"Ich möchte mich mit meinen Kunstwerken auch selbst unterstützen", sagt die Künstlerin. Ihre Kunstwerke seien ein bisschen wie ein Tagebuch, in dem sie alles, was sie sich sagen möchte, festhält. Das ist kein Protest mehr. Es geht darum, sich selbst Mut zu machen und "schlechte Emotionen abzuwaschen".

Kunst mit der Kehrmaschine: Bulycheva experimentiert

Verwaschene Teddybären © Elena Bulycheva
Durch die Nachbearbeitung mit Wasch- oder Kehrmaschine verwischen die Konturen in Bulychevas Bildern.

Positiv zu denken ist gerade in Zeiten von Corona gar nicht immer so einfach. Auch an der Hochschule für Bildende Künste waren die Ateliers zu klein, um Abstand zu halten. In dieser Not hatte die junge Russin Glück. Der Architekt Hadi Teherani, der einige ihrer Bilder gekauft hat, hat Elena Bulycheva einen Platz in seinem lichtdurchfluteten Architekturbüro im Hafen angeboten. "Er hatte zufällig diesen Glasroom und ich bin sehr bedankbar."

Auf einem Tisch in dem Büro entsteht auf einer langen Leinwand das Bild, Streifen für Streifen. "Ich male jeden Tag von 10 Uhr bis 19 Uhr und danach trage ich alles in die Hochschule, weil es einen riesigen Flur dort gibt. Dort rollt sie die zehn Meter langen Leinwände aus und schiebt eine Kehrmaschine darüber. Für die Waschmaschine sind die Stoffe zu groß und mit der Kehrmaschine kann man viel besser bestimmen, wo die Farbe abgehen darf und wo sie bleiben soll. Zum Schneiden und Rahmen geht es dann zurück ins Architekturbüro.

Ausstellung im Levantehaus

Die Künstlerin steht am Beginn ihrer Karriere und wird gerade wie heiße Ware gehandelt. Die Bilder von Elena Bulycheva kann man seit dem 2. Oktober auch im Levantehaus im ersten Stock bewundern. Bis Ende des Jahres wird die junge Künstlerin dort ihre fertigen gewaschenen Bilder in einer Ausstellung zeigen und gleichzeitig den Raum als Atelier nutzen. Besucherinnen und Besucher können ihr dann über die Schulter gucken.

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | Kulturjournal | 30.09.2020 | 19:00 Uhr