Faszinierende Einblicke: Dokumentation "Tagebuch einer Biene"

Stand: 11.10.2021 11:27 Uhr

Die Doku "Tagebuch einer Biene" gibt faszinierende Einblicke in das Leben der Insekten. Regisseur Dennis Wells will auch auf die Bedeutung der Bienen aufmerksam machen, die für uns Menschen lebenswichtig sind.

von Barbara Block

Zwei Jahre lang hat der Filmemacher Dennis Wells das Leben der Honigbienen beobachtet - vom Eierlegen bis zum Ausschwärmen. Das Besondere an seinem Film: Der Erzähltext ist in der Ich-Form aus der Perspektive der Bienen gestaltet.

Aus dem Leben einer Winter- und einer Sommerbiene

"Was wir über das Verhalten der Bienen sagen, ist nicht ausgedacht", erzählt Wells. "Es ist so, wie ein Bienenleben sehr wahrscheinlich abläuft. Und dabei sind die neuesten Erkenntnisse eingeflossen: Etwa, dass Bienen individuell sind, Charaktere sind und unterschiedliche Fähigkeiten und Vorlieben haben. Einmal ganz davon zu schweigen, dass sie alle unterschiedliche Aufgaben haben."

Der Film erzählt das Leben einer Winter- und einer Sommerbiene. Diese schlüpft gerade, sieben Wochen wird sie leben.

Unser Volk wächst mit jedem Tag - um 2.000 Bienen. Und alle haben Hunger. Es wird Zeit für mich, etwas zu tun, das ich noch nie getan habe: Ich werde den Stock verlassen. Werde ich es zurückschaffen? Nur wenn ich in der Sonne bleibe, habe ich eine Chance. Kälte ist mein Tod. aus: "Tagebuch einer Biene"

Anna und Nelly Thalbach sprechen als Bienen

Mit den ersten Sonnenstrahlen schwärmen die Bienen aus. Weil sie Individuen sind, wird der Text aus ihrer Perspektive erzählt. Gesprochen werden die Bienen von Anna und Nelly Thalbach - manchmal etwas süßlich und allzu vermenschlichend.

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"Ich verstehe total, wenn man damit Probleme hat", sagt der Regisseur. "Es soll im Übrigen auch nicht vermenschlichen in dem Sinne, als dass die Bienen wie wir sind oder wir wie die Bienen. Es gibt einfach Elemente, von denen wir dachten, dass sie rein menschlich sind, die aber mittlerweile von der modernen Biologie auch in der Tierwelt nachgewiesen wurden: Etwa Emotionen, Freundschaft oder das Gefühl für Fairness."

Die große Stärke und Leistung des Films sind die spektakulären Bilder. Der Film suggeriert, dass die Kamera immer wieder dieser einen Biene folgt. In Wirklichkeit waren es viele Bienen über das ganze Jahr.

"Tagebuch einer Biene": Aufwendige Dreharbeiten

Bienen sind nicht nur sozial miteinander, manche sind sogar sehr mutig. Es gibt nur wenige, die sich trauen, bei Regen auszufliegen. Denn ein einziger Regentropfen kann tödlich sein. Bienen atmen durch die Haut und wenn sie zu nass werden, ertrinken sie buchstäblich. 

Einfach ist es nicht, den Bienen so nah zu kommen. Außerdem passiert bei Insekten alles viel schneller als bei uns. Deshalb wurde fast immer in Zeitlupe gedreht und nicht in einem normalen Bienenstock. "Für viele Bilder haben wir ein eigenes Set gebaut, um sie überhaupt machen zu können", erzählt Wells. "Einen Bienenstock, der von hinten auf ist, der von oben auf ist, der nur eine Wabe hat, all solche Bühnenbilder muss man bauen, in dem sich die Bienen allerdings normal verhalten, so dass man das drehen kann. Auf der anderen Seite braucht man Makro-Objektive, also Vergrößerungsgläser. Die Kamera musste auch völlig erschütterungsfrei sein."

Der Film zeigt auch, wie ein neues Volk gegründet wird: Wenn eine neue Königin geboren wird, verlässt die alte den Stock. Mit ihr schwärmen viele Bienen aus und suchen sich in der Wildnis ein neues Zuhause. 

Dennis Wells: "Wir sollten viel mehr Respekt und Ehrfurcht haben"

Bienen kommunizieren auf vielfältige Weise, sie schlafen und träumen sogar. Der Filmemacher: "Im Prinzip gilt das, was wir über die Biene erzählen, für viele Tiere, wo man im ersten Moment denkt: Nichts Besonderes, lebt ja nur kurz und ist auch ganz schlicht gebaut. Dann merkt man aber: Es ist viel komplexer und viel wichtiger für uns. Und dass wir viel mehr Respekt und Ehrfurcht haben sollten vor diesen kleinen Wesen."

Sieben lange Wochen habe ich Licht und Wärme gespürt, Nektar getrunken. Sieben Wochen habe ich gelebt. aus: "Tagebuch einer Biene"

"Tagebuch einer Biene" ist ein eindrucksvoller Film über das kurze Leben eines Insekts, das für uns Menschen überlebenswichtig ist.

 

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Dieses Thema im Programm:

Kulturjournal | 11.10.2021 | 22:45 Uhr

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