"Close": Wie Geschlechterrollen Jungs-Freundschaften belasten

Stand: 28.01.2023 13:56 Uhr

Der belgische Film "Close" ist eine Geschichte von Freundschaft und Zurückweisung - umwerfend gespielt von zwei Darstellern an der Schwelle zum Teenageralter. Der Film ist für die Oscars als bester internationaler Film nominiert und startet nun im Kino.

von Yasemin Ergin

Léo und Rémi, beide 13 Jahre alt, sind unzertrennlich und teilen alles miteinander. Eine Freundschaft so innig, dass alles andere nebensächlich scheint.

- Ich schlafe heute bei Rémi.
- Kommst du auch noch mal nach Hause?
- Vielleicht… Dialog aus "Close"

In berückend schönen Bildern erzählt "Close"“ von dem besonderen Band zwischen den beiden Freunden. Einen so zärtlichen, so liebevollen Umgang zwischen zwei befreundeten Jungen hat man im Kino bislang nur selten gesehen.

Diese sinnliche, intensive Freundschaft zwischen zwei Jugendlichen: Mir ist klar, dass das exotische Bilder sind. Das ist etwas, was wir nicht oft sichtbar machen", sagt Regisseur Lukas Dhont. "Deshalb wollte ich Bilder finden und Szenen schaffen, die dieser Zärtlichkeit Raum geben."

Jungs-Freundschaften ändern sich in der Pubertät

Die Idylle währt nicht lange. Mit dem Ende des Sommers und dem Wechsel auf eine neue Schule wird die Freundschaft zwischen Rémy und Léo auf eine Probe gestellt.

- "Seid ihr zwei zusammen?"
- "Nein."
- "Naja, ich dachte nur für einfache Freunde seid ihr echt krass, eng miteinander, meine ich jetzt nicht böse?"
- "Wir sind beste Freunde, im Sinne wie Brüder…"
- "Wohl ein bisschen mehr wie Brüder… Die kennen sich eben schon sehr lange."
- "Oder steht ihr nicht dazu?" Dialog aus "Close"

Gustav De Waele (Rémi), Regisseur Lukas Dhont und Eden Dambrine (Léo). © picture alliance/dpa/MAXPPP | Patrice Lapoirie
Regisseur Lukas Dhont mit Gustav De Waele (Rémi, links) und Eden Dambrine (Léo, rechts) bei den Filmfestspielen in Cannes. Dort gewann "Close" den großen Preis der Jury.

Die Idee zum Film kam Regisseur Lukas Dhont, als er das Buch einer Soziologin las, die das Sozialverhalten von Jungs im Teenageralter erforschte. In dieser sind 13-Jährige zu ihren Freundschaften befragt worden. "Die Antworten darauf lesen sich wunderschön. Diese Jungs sprechen übereinander wie Liebende, sie trauen sich das Wort 'Liebe' zu benutzen, ohne zu zögern", schildert Dhont. "Mit 15, 17 und 18 Jahren befragt sie die selben Jungen noch einmal und plötzlich trauen sie sich nicht mehr, die selben Worte zu benutzen wie vorher."

Ein Schatten auf der Freundschaft

Rémi stören die Kommentare der Mitschüler nicht weiter. Aber Léo fühlt sich plötzlich unwohl. Ein erster Schatten liegt auf der Freundschaft. "Neben Freundschaft und Männlichkeit geht es im Film auch um diesen exakten Moment im Leben, wenn der Übergang zwischen Kindheit und Pubertät beginnt", erklärt der Regisseur. "Das ist genau der Moment, wenn sich für diese Jugendlichen Sprache und Ausdruck verändern, weil gesellschaftlicher Druck zu wirken beginnt."

Léo sucht neue Freunde und Bestätigung beim Eishockey. Der raue Sport, ein Symbol für Männlichkeit. Für Rémi ist in dieser neuen Welt kein Platz. "Der Film bewegt sich zwischen diesen Polen: Weg von der kindlichen Unschuld, von der idyllischen, grenzenlosen Liebe, hin zu dieser Gesellschaft, die uns in Kategorien einteilt und sich auf Unterschiede fokussiert und nicht auf das, was uns verbindet."

Eine Zurückweisung, die dramatische Folgen haben wird - davon erzählt dieser berührende Film in immer dramatischer werdenden Tönen. "Close" ist ein großartiges, aufwühlendes Drama, das mitten ins Herz trifft - wunderschön und tieftraurig.

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Close

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2022
Produktionsland:
Belgien
Regie:
Lukas Dhont
Länge:
104min
FSK:
12
Kinostart:
26. Januar 2023

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 22.01.2023 | 23:05 Uhr

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