Diego Calva ist Manny Torres (links) und tanzt mit Nellie LaRoy (Margot Robbie) im Spielfilm "Babylon" © 2022 Paramount Pictures. Foto: Scott Garfield
Diego Calva ist Manny Torres (links) und tanzt mit Nellie LaRoy (Margot Robbie) im Spielfilm "Babylon" © 2022 Paramount Pictures. Foto: Scott Garfield
Diego Calva ist Manny Torres (links) und tanzt mit Nellie LaRoy (Margot Robbie) im Spielfilm "Babylon" © 2022 Paramount Pictures. Foto: Scott Garfield
AUDIO: Filmtipps: "Babylon - Rausch der Ekstase" (4 Min)

"Babylon - Rausch der Ekstase": Übervolles Exzess-Büffet im Kino

Stand: 24.01.2023 15:27 Uhr

Damien Chazelle will schockieren und hat sich reichlich am Exzess-Büffet vorhandener Filme bedient. Trotzdem lässt einen das dreistündige Drama "Babylon", das nun im Kino läuft, größtenteils kalt. Der Film hat drei Oscar-Nominierungen erhalten.

von Bettina Peulecke

Vor Weihnachten kam in den USA ein Film in die Kinos, der lange als vielversprechender Oscarkanditat gehandelt wurde. Schließlich räumte Regisseur Damien Chazelle mit einem Film über Hollywood schon einmal sechs Oscars ab. Während sein Erfolgsfilm "La La Land" im zeitgenössischen Hollywood spielte, widmet sich Chazelle in "Babylon" diesmal der Anfangszeit der Unterhaltungsbranche in Los Angeles.

Margot Robbie als aufstrebendes Starlet der Goldenen Zwanziger

Heutzutage entsteht viel Magie an Computern, im Hollywood der Goldenen Zwanziger aber war alles noch handgemacht. Die aufstrebende Filmindustrie ist profitabel, regelmäßig werden von den Studios ausufernde Partys geschmissen, champagnergetränkte, kokaingeputschte Sexorgien mit Nackten und Toten. Dieses Mal ist der aus Mexiko eingewanderte Manuel damit beauftragt, einen ausgewachsenen Elefanten heranzuschaffen, der später in der Nacht die Gäste unterhalten soll. Natürlich steht sie nicht auf der Gästeliste und hat in ihrem Leben auch noch nie vor einer Kamera gestanden, aber trotzdem will Nellie LaRoy auf die Party, schließlich ist sie sich sicher:

Es steht in den Sternen geschrieben, ich bin ein Star! Szene aus dem Film

Brad Pitt brilliert als Stummfilm-Herzensbrecher

Und sie hat Glück - Manuel ist sofort fasziniert von Nellie und gewährt ihr Eintritt. Margot Robbie als wildes, unzähmbares, aufstrebendes Starlet spielt sich die Seele aus dem Leib, und huldigt nach "Once Upon a Time... in Hollywood" einmal mehr zusammen mit Brad Pitt einer Traumfabrik, die es so nicht mehr gibt. Brad Pitt spielt als schöner Clarke Gable-Verschnitt den Stummfilm-Herzensbrecher Jack Conrad, Star auf der Leinwand und Star des Abends, der allerdings nur in banalen Kostümstreifen sein Können zeigen kann und dennoch überzeugt ist, etwas Bedeutsames zu tun und geschafft zu haben. Allerdings ändert der Tonfilm dann auch alles und viele Stummfilmstars werden den Übergang nicht überleben. Seine Zeit sei schließlich einfach vorbei, erklärt ihm die gefürchtetste Klatschreporterin ihrer Zeit:

Du dachtest diese Stadt braucht dich - sie ist größer als du. Szene aus dem Film

"Babylon - Rausch der Ekstase" lässt einen größtenteils kalt

Größer, lauter, noch schnellere Schnitte, befeuert von einem gnadenlos atemlosen Jazz-Soundtrack: Damien Chazelle will Skandal zeigen und schockieren, und hat sich dafür reichlich am Exzess-Büffet bereits vorhandener Filme, vor allem bei seinem Kollegen Baz Luhrmann, bedient. Er erreicht aber das Hauptziel nicht:

Weißt du was wir tun müssen? Wir müssen den Film neu erfinden, Träume einfangen und sie auf Zelluloid bannen. Szene aus dem Film

Tatsächlich sind viele der Ausschweifungen ganz nah dran an den Schilderungen aus dem 1959 veröffentlichten, zwischenzeitig verbotenen Kult-Sachbuch "Hollywood Babylon" von Avantgarde-Filmer Kenneth Anger. Wer will, kann auf den Partys den Schauspieler Roscoe "Fatty" Arbuckle oder am Set den Regisseur Erich von Stroheim erkennen. Aber trotz all seiner Schauwerte lässt einen das viel zu lange Drei-Stunden-Epos größtenteils kalt - schlimmer noch, es langweilt und nervt irgendwann einfach nur noch, auch wenn Brad Pitt darin eine der besten Leistungen seiner Karriere abliefert. Der Film hat drei Oscar-Nominierungen erhalten, darunter in den Kategorien Filmmusik und Kostümdesign.

Babylon - Rausch der Ekstase

Genre:
Drama | Komödie
Produktionsjahr:
2022
Produktionsland:
USA
Zusatzinfo:
Mit Margot Robbie, Brad Pitt, Diego Calva u.a.
Regie:
Damien Chazelle
Länge:
188 Minuten
FSK:
ab 16 Jahre
Kinostart:
ab 19. Januar 2023

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Kultur | 16.01.2023 | 07:55 Uhr

Schlagwörter zu diesem Artikel

Spielfilm

Der Musiker Michel Jackson (r.) und sein Neffe Jafaar Jackson © AP/dpa +++ dpa-Bildfunk

Film-News: Neffe von Michael Jackson soll King of Pop spielen

Antoine Fuqua hat die Besetzung für sein Drama über Michael Jackson bekannt gegeben. Aktuelle Neuigkeiten aus der Welt des Films. mehr

Margot Robbie tanzt als Barbie im gleichnamigen Film "Barbie" von Greta Gerwig © 2022 Warner Bros. Entertainment Inc. Foto: Jaap Buitendijk

Das Kinojahr 2023: Wiedersehen mit Barbie und Indiana Jones

Filme wie "Babylon", "Oppenheimer", "Barbie", "Dune 2" und "Manta Manta - Zwoter Teil" sowie der fünfte und letzte "Indiana Jones" locken ins Kino. mehr

Christine Berg © picture alliance/dpa/Photography Auberbach Foto: Mike Auerbach

Kinoverbandschefin Berg: "Das Kino wird nicht sterben!"

Kinoverband-Vorsitzende Christine Berg spricht über sich in der Vorstellung bewegende Kinosessel, Filmperlen und neue Kino mit Event-Charakter. mehr

Blick in einen vollen kinosaal mit Leinwand und sich öffnenden Vorhängen © imago/Karo

Lasst uns 2023 zum Jahr des Kinos machen!

In ihrem Kommentar fordert Kinokritikerin Walli Müller dazu auf, verstärkt das gemeinsame Erlebnis im großen Kinosaal zu suchen. mehr

Regisseur Santiago Mitre (links) und Schauspieler Ricardo Darín holten einen Golden Globe für "Argentina, 1985" © Chris Pizzello/Invision/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ Foto:  Chris Pizzello

"Argentina, 1985" holt Oscar Nominierung: Worum geht's im Film?

Das argentinische Justizdrama wurde bei den Golden Globes ausgezeichnet und ist für den Oscar als bester internationaler Film nominiert. mehr

Mehr Kultur

Regisseur Max Gleschinski zeigt seinen Max-Ophüls-Preis für den besten Spielfilm, mit dem er für seinen Film "Alaska" beim 44. Filmfestival Max Ophüls Preis ausgezeichnet wurde. © picture alliance/dpa | Oliver Dietze

Max Ophüls Preis für Regisseur Max Gleschinski: Lob der Provinz

Der Film "Alaska" des Rostockers Max Gleschinski ist auf dem Filmfestival in Saarbrücken mit dem Hauptpreis ausgezeichnet worden. mehr

Der Musiker Michel Jackson (r.) und sein Neffe Jafaar Jackson © AP/dpa +++ dpa-Bildfunk

Film-News: Neffe von Michael Jackson soll King of Pop spielen

Antoine Fuqua hat die Besetzung für sein Drama über Michael Jackson bekannt gegeben. Aktuelle Neuigkeiten aus der Welt des Films. mehr