Filmkunstfest MV: "Goldener Ochse" an Ulrich Tukur verliehen

Stand: 04.09.2021 20:00 Uhr

Die österreichische Tragikomödie "Me, We" von Regisseur David Clay Diaz hat den Hauptpreis beim Filmkunstfest MV in Schwerin gewonnen. Der Schauspieler und Musiker Ulrich Tukur wurde am Samstagabend mit dem Ehrenpreis "Goldener Ochse" ausgezeichnet.

Der Preis würdige Tukurs herausragende Beiträge zur Filmkultur, sagte Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bei der Festveranstaltung im Filmpalast "Capitol". "Mit seinem charmanten Lächeln, seinem eigensinnigen Humor und seiner ganz eigenen Sicht auf die Welt verzaubert er uns." Die undotierte Auszeichnung sollte ihm bereits im Mai 2020 verliehen werden, die Feier fiel allerdings wegen der Corona-Pandemie aus. Zu den bekanntesten Filmen des 64-Jährigen zählen "Stammheim", "Wehner - die unerzählte Geschichte", "Bonhoeffer - Die letzte Stufe" und "Das Leben der Anderen". Tukur bedankte sich unter anderem mit einem Lied, bei dem er sich auf seinem Akkordeon begleitete, und indem er seinerseits die Verantwortlichen des Filmfests mit jeweils einer Flasche Bier beschenkte. Der "Goldene Ochse" sei bedeutender als die "Lola", die beim Deutschen Filmpreis verliehen wird, sagte Tukur später augenzwinkernd. Den Ehrenpreis vergibt das Filmkunstfest für Beiträge zur nationalen Filmkultur. Preisträger waren unter anderem bereits Mario Adorf, Götz George, Senta Berger, Bruno Ganz, Hannelore Elsner und Hanna Schygulla.

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Hauptpreis für Tragikomödie über Flucht und Migration

Der mit 10.000 Euro dotierte Hauptpreis im Spielfilmwettbewerb, der "Fliegende Ochse", ging an den österreichischen Episodenfilm "Me, We", in dem die Themen Flucht und Migration in vier Geschichten miteinander verwoben werden. Die Jury lobte die "komplexe Erzählweise" und die "souveräne Anwendung aller handwerklichen Mittel", die zu einem "unterhaltsamen filmischen Gesamtkunstwerk" führe. Der Film von David Clay Diaz hatte in Schwerin seine internationale Premiere. Den mit 5.000 Euro dotierten NDR Regiepreis im Spielfilmwettbewerb gewann der Streifen "Toubab" von Regisseur Florian Dietrich über zwei straffällig gewordene Freunde, die zu einer Hochzeit bereit sind, um ihre drohende Abschiebung abzuwenden - ein Film mit "hervorragendem Drehbuch" und "stilsicherer Regie", so das Votum der Jury.

DEFA-Förderpreis für Film über Vater-Sohn-Gespräch

Darüber hinaus besticht der Film durch die darstellerische Leistung seiner beiden Hauptdarsteller, Farba Dieng und Julius Nitschkoff, die dafür den mit 3.500 Euro dotierten Darstellerpreis bekamen. Der mit 2.500 Euro dotierte Nachwuchs-Darstellerpreis ging an Luna Wedler für ihre schauspielerische Leistung im Film "Je suis Karl" von Christian Schwochow. Den mit 4.000 Euro dotierten Förderpreis der DEFA-Stiftung erhielt der Film "Primavera Duemilaventi - Frühling 2020" von Beniamino Brogi, Sandro di Stefano und Ralf Noack, in dem es um ein überfälliges Vater-Sohn-Gespräch geht, das über die Distanz tausender Kilometer mittels einer Zoom-Konferenz geführt wird.

Die Preisträger im Überblick:

  • Ehrenpreis "Goldener Ochse": Ulrich Tukur
  • Spielfilm-Hauptpreis "Fliegender Ochse": "Me, We", Regie: David Clay Diaz
  • NDR Regiepreis Spielfilm: "Toubab", Regie: Florian Dietrich
  • DEFA-Förderpreis Spielfilm: "Primavera Duemilaventi - Frühling 2020", Regie: B. Brogi, S. di Stefano, R. Noack
  • beste darstellerische Spielfilm-Leistung: Farba Dieng, Julius Nitschkoff, "Toubab"
  • Nachwuchspreis bester Spielfilm-Darsteller: Luna Wedler, "Je suis Karl"
  • beste Musik und Tongestaltung/Spielfilm: "Je suis Karl", Regie: Christian Schwochow
  • FIPIRESCI-Jurypreis: "Primavera Duemilaventi - Frühling 2020", Regie: B. Brogi, S. di Stefano, R. Noack
  • bester Dokumentarfilm: "Taming the Garden", Regie: Salomé Jashi
  • beste Dokumentarfilm-Bildgestaltung: "Epicentro", Regie: Hubert Sauper
  • bester Kurzfilm: "Dirt Devil 550 XS", Regie: Rolf Hellat
  • bester Kinder- und Jugendfilm: "Ein bisschen bleiben wir noch", Regie: Arash T. Riahi

129 Filme aus 25 Ländern in sechs Tagen

In den sechs Festival-Tagen standen 61 Lang- und 67 Kurzfilme aus 25 Ländern auf dem Programm, darunter elf deutsche Erstaufführungen und fünf Uraufführungen. Das Partnerland war Finnland. Mit Rücksicht auf das momentane Infektionsgeschehen konnten die Filmsäle nur zur Hälfte mit Publikum besetzt werden. Als zusätzliche Spielstätte wurde deshalb der Innenhof des Schweriner Schlosses genutzt. Am Sonntag geht das Fimkunstfest zu Ende.

Corona Thema vieler Wettbewerbsfilme

Eine ganze Reihe Produktionen in den vier Wettbewerben und sieben Nebenreihen thematisieren die Zeit des Lockdowns, darunter der Eröffnungsfilm "Gracious Night" des finnischen Regisseurs Mika Kaurismäki. In der Reihe "NDR spezial" präsentierte der NDR unter anderem den Film "Eisland" mit Axel Prahl.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.09.2021 | 05:00 Uhr

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